Einheimische drängen auf Lösung

Seilbahn-Stress in Südtirol: Endlos-Schlangen durch Touristen – Betreiber erwägt Vorzugsspur für Anwohner

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Blick aus der Rittner-Seilbahn auf Bozen in Südtirol, Italien.
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Die Rittner Seilbahn in Bozen ist bei Touristen beliebt. Doch auch Einheimische nutzen die Bahn in ihrem geregelten Alltag. Da scheint Ärger vorprogrammiert.

Bozen – Übertourismus ist auch in Bozen in Südtirol ein Thema. Durch die Straßen schieben sich im Sommer Massen an Touristen – an der Seilbahn im Ort bilden sich lange Schlangen, um auf den Berg zu fahren. Ärgerlich ist das für die Gäste, aber vor allem auch für die Einheimischen. Im Gespräch sind daher Vorzugsspuren für die Bewohner Bozens einzurichten.

Rittner Seilbahn in Südtirol: Anwohner und Touristen kämpfen um die Plätze

Schon Franz Kafka und Sigmund Freud reisten zum Klobenstein bei Bozen in Südtirol, um in über tausend Metern Höhe die „Sommerfrische“ zu genießen. Heutzutage sind es täglich tausende Touristen pro Tag, die in die Rittner Seilbahn steigen, um oben auf dem Berg vor der Hitze zu fliehen. Wartezeiten von über einer Stunde sind an der Rittner Seilbahn auch in diesem Sommer keine Seltenheit. Die Bahn ist Teil des öffentlichen Personennahverkehrs und für die Einheimischen ein Transportmittel wie anderswo Bus oder U-Bahn.

Die Nerven liegen blank: Immer wieder kommt es an der überfüllten Rittner Seilbahn in Italien zu Streitereien zwischen Anwohnern und Touristen, wie etwa das italienische Portal RaiNews berichtete. Ein Problem gebe es besonders für die Schülerinnen und Schüler. Und: „Für die Arbeiter, die in der Mittagspause schnell hoch müssen und dann wieder herunterfahren“, sagt eine Anwohnerin dem ORF. Für die Pendler generell sei es schwierig, weil die Wartezeiten so lange sind. Die Fahrt mit der Seilbahn dauert laut Angaben des Tourismusbüros zwölf Minuten, mit dem Auto bräuchte man für die Strecke in der Regel über eine halbe Stunde.

Anwohner-Vorzugsspur: Drehkreuz-Idee gewährt Einheimischen Vorrang

Eine Initiativgruppe schlug im vergangenen Jahr als Lösung eine Vorzugsspur für Anwohner und Anwohnerinnen vor. Das Bozener Verkehrsdienstleistungsunternehmen Südtiroler Transportstrukturen, kurz Sta, ist Betreiber der Rittner Seilbahn. Die Sta habe sich anfangs gesprächsbereit gezeigt, berichtet Renzo Rampazzo, ein Sprecher der Initiativgruppe RaiNews. „Doch dann wurde auf die technischen Probleme verwiesen, eine solche Vorzugsspur baulich vorzusehen“, sagte Rampazzo. 

Dabei gibt es durchaus Ideen für die praktische Umsetzbarkeit: „Es geht darum, dass man die Drehkreuze mit dem Entwertungssystem koppelt, ähnlich wie bei den Seilbahnen, die man zum Skifahren nutzt“, erklärt Joachim Dejaco von der Sta dem ORF. Abonennten des Südtirol-Passes und anderer lokaler Tickets können dann einfach durchgehen. So würden Anwohner und Anwohnerinnen schneller vorankommen und müssten nicht mit den Touristen in der Schlange stehen.

Noch lässt diese Lösung auf sich warten. „Wir haben ja 900 Unterschriften gesammelt und die Leute werden langsam ungeduldig“, erklärt Renate Mumelter von der Initiativgruppe Priority Rittner Seilbahn dem ORF. „Im nächsten Sommer bin ich zuversichtlich, dass es funktioniert. Vielleicht schon beim Christkindlmarkt“, gibt sich Mumelter von der Initiativgruppe Priority zuversichtlich. Eine Anfrage von IPPEN.MEDIA an die Pressestelle der Rittner Seilbahn blieb bislang unbeantwortet.

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