Das frankophone Land in Afrika

Senegal: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Mosque de la Divinite in Dakar, Senegal

Senegal liegt im äußersten Westen Afrikas rund um Kap Vert. Der Staat blickt auf eine wechselhafte Kolonialgeschichte zurück. Seit seiner Unabhängigkeit im 20. Jahrhundert wächst die Bevölkerung rapide an.

  • Senegal wurde ab dem 19. Jahrhundert von der französischen Kolonialmacht dominiert.
  • Das Land wurde am 20. August 1960 unabhängig.
  • Ein Großteil der Bevölkerung gehört dem Islam an.

Dakar – In der Region des heute knapp 197.000 Quadratkilometer großen Senegals waren einst zahlreiche westafrikanische Reich ansässig. Bereits seit dem 11. Jahrhundert ist das Gebiet ein Teil der islamischen Welt. Und noch heute sind die meisten Volksgruppen des Landes muslimisch ausgerichtet. Nach einer langen Kolonialgeschichte konnte sich das Land zu einer autonomen Republik entwickeln. Die Hauptstadt ist Dakar.

Senegal: Erste Besiedlung und westafrikanische Reiche

Archäologische Funde belegen, dass bereits in der Altsteinzeit Menschen im Senegal lebten. Etwa um 500 nach Christus wurden die Wolof und Serer auf dem Gebiet des heutigen Senegals sesshaft. Sie lebten vor allem von Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei. Im 9. Jahrhundert kamen die Tukulor hinzu, die das Reich Takrur gründeten und um 1030 unter Herrscher War Jabi den Islam einführten.

Der lukrative Handel mit arabischen Händlern sorgte auch dafür, dass sich westafrikanische Reiche bildeten – unter anderem das Jolof- oder auch das Mali-Reich. Letzteres zerfiel im 16. Jahrhundert in kleine Einzelreiche, die noch bis ins 19. Jahrhundert existierten.

Senegal: Erste Europäer und Kolonialzeit

Im Jahr 1445 landeten die Portugiesen als die ersten Europäer am Kap Vert und gründeten an der Küste des heutigen Senegals erste Handelsniederlassungen. Als der Sklavenhandel erblühte, waren ab dem 16. Jahrhundert waren verstärkt auch die Niederlande, Frankreich und Briten hier vor Ort. Vor allem die Insel Gorée entwickelte sich zu einem wichtigen Handelszentrum. Bis ins 19. Jahrhundert hinein kämpften allerdings die großen Überseemächte immer wieder um den Senegal. Am Ende gewann Frankreich die Vormachtstellung.

Es regte sich aber auch von der Bevölkerung der Widerstand gegen die vorherrschende Kolonialmacht, den Frankreich jedoch niederschlagen konnte. 1895 wurde der Senegal schließlich französische Kolonie. Sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg kämpften senegalesische Soldaten an der Seite der französischen Truppen. Allerdings nahmen parallel schon die Unabhängigkeitsbewegungen an Fahrt auf.

Senegal seit der Unabhängigkeit

Der Senegal konnte in zwei Etappen seine Unabhängigkeit erringen. 1958 wurde dem Land von der Französischen Gemeinschaft die weitgehende Autonomie zugesprochen. Das Land war kurzzeitig Teil der Mali-Föderation. 1960 wurde es schließlich völlig unabhängig. Léopold Senghor war der erste Präsident des Landes, der jedoch in Krisenzeiten recht autoritär regierte. Vor allem ab den 1980er Jahren führten das rasche Bevölkerungswachstum und die Staatsverschuldung zur sukzessiven Verarmung im Land.

Am 1. Februar 1982 kam es zum Zusammenschluss mit dem Staat Gambia, der im Senegal eingeschlossen liegt. Allerdings hielt diese Konföderation gerade einmal sieben Jahre. Parallel dazu kämpfte in der wirtschaftlich bedeutungsvollen Region Casamance eine politische Bewegung um Unabhängigkeit. Es kam 1990 sogar zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Bis heute ist der Konflikt um dieses Gebiet nicht gelöst. 1989 kam es zusätzlich zu blutigen Kämpfen mit dem nördlich gelegenen Mauretanien. Streitpunkt war die Nutzung von Wasser und Weideland am Senegalfluss.

Im Januar 2001 wurde durch ein Referendum eine Verfassungsänderung erwirkt. Der politische Kurs sah eine Liberalisierung vor und war investitionsfreundlich ausgerichtet. Allerdings geht der Aufschwung des Landes nur schleppend voran. Zu den Haupteinnahmequellen des Landes zählt der Abbau von Phosphat und Eisenerz. Zu den Exportschlagern der Lebensmittelindustrie gehören Fisch, Erdnüsse und Zucker. Auch Dienstleistungen machen einen Großteil des Bruttoinlandsprodukts aus. Der Tourismus spielt allerdings eine untergeordnete Rolle.

Senegal: Das politische System

Der Verfassung nach ist Senegal eine präsidentielle Republik. Der Präsident ist Staatsoberhaupt und wird direkt gewählt. Seine Amtszeit ist auf maximal zwei Legislaturperioden beschränkt. In einem Verfassungsreferendum von 2016 wurde diese von sieben Jahren auf fünf Jahren gekürzt. 2019 wurde in einer weiteren Änderung festgelegt, dass der Präsident auch gleichzeitig Regierungschef ist und die Minister ernennt.

Die Legislative wird von der Nationalversammlung (Assemblée nationale) ausgeübt. Diese besteht aus 165 Mitgliedern, die ebenfalls wie der Präsident alle fünf Jahre gewählt werden. Außenpolitisch ist das Land eng mit Frankreich verwoben. Das Land unterhält zudem Auslandsvertretungen in 48 Staaten (darunter auch Deutschland und Schweiz).

Senegal: Fakten im Überblick

  • Hauptstadt: Dakar
  • Amtssprache: Französisch
  • Fläche: 196.722 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 16,71 Millionen (Stand 2020)
  • Währung: CFA-Franc BCEAO (XOF)
  • Verwaltungsgliederung: 14 Regionen
  • Religion: Islam

Senegal: Sprachen und Bevölkerung

In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Bevölkerung nahezu verdoppelt. Das Wachstum beträgt jährlich etwa 2,7 Prozent. Hinz kommt, dass das Land eine der höchsten Lebenserwartungen in ganz Afrika besitzt. Zu den größten Völkern im Senegal zählen die Wolof, die bis heute ihre eigenständige Kultur pflegen und größtenteils Muslime sind. Zu ihnen kommen noch weitere kleinere Volksgruppen wie die Lébou, die Serer, die Tukulor und die Diola. An der Grenze zu Mali sind auch noch die Mandinka, Bambara und Soninke vertreten.

Aufgrund der verschiedenen Ethnien existiert auch eine Vielzahl an Sprachen. Zu den wichtigste zählen die Sprachen der Wolof, Serer, Diola, Pulaar, Soninke und Mandinka. Sie sind eng miteinander verwandt und gehören zur Familie der Niger-Kordofanischen Sprachen. Die Amtssprache ist Französisch. Die Frankophonie des Landes macht sich nicht nur in Bildung und Medien, sondern auch in Kunst, Musik und Literatur bemerkbar. Aber es sind noch weitere Sprachen als Nationalsprachen anerkannt.

Senegal: Geografie und Städte

Der Senegal ist ein Staat im äußersten Westen Afrikas und liegt am Atlantik rund um Kap Vert. Im Norden grenzt es an Mauretanien. Der Senegalfluss bildet hier die natürliche Grenze. Im Osten teilt es sich eine Grenze mit dem Nachbarland Mali. Im Süden liegen Guinea-Bissau und Guinea. Im Land eingeschlossen liegt noch Gambia, das ebenfalls am Atlantik liegt. Somit werden der Norden und der Süden des Landes in Teilen voneinander getrennt. Das Land bildet einen Übergang von der Sahelzone im Norden bis hinzu tropischen Regionen im Süden.

Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt in den rasant anwachsenden Städten oder in städtischen Räumen. Die Urbanisierung ist ohnehin ein junges Phänomen im Land, da in Senegal keine Handelsstätten gegründet worden waren. Das rasche Wachstum hängt mit der durch Dürren ausgelösten Landflucht zusammen. Aber auch die Nähe zu religiösen Heiligtümern sorgt dafür, dass immer mehr Gläubige näher an religiöse Kultstätten ziehen.

Die größten Städte Senegals im Überblick

  • 1 Pikine: 1.170.791 Einwohner, Region Dakar
  • 2 Dakar: 1.146.052 Einwohner, Region Dakar
  • 3 Touba: 779.740 Einwohner, Region Diourbel
  • 4 Guédiawaye: 329.658 Einwohner, Region Dakar
  • 5 Thiès: 317.763 Einwohner, Region Thiès
  • 6 Kaolack: 233.708 Einwohner, Region Kaolack
  • 7 Mbour: 232.777 Einwohner, Region Thiès
  • 8 Rufisque: 221.066 Einwohner, Region Dakar
  • 9 Saint-Louis: 209.752 Einwohner, Region Saint-Louis
  • 10 Ziguinchor: 205.294 Einwohner, Region Ziguinchor

Senegal: Wissenswertes zum Land

Der Großteil der Senegalesen sind Muslime. Davon stellt die Bruderschaft der Muriden den größten Anteil. Für sie haben islamische Feiertage und Traditionen eine wichtige Bedeutung. Hierzu zählen auch Wallfahrten in religiöse Kulturlandschaften, wie die der Bassari, Fula und Bedik. Diese befinden sich in den schwer zugänglichen Bergländern der Region Kédougou im Südosten des Landes. Das Bassari-Land hat es sogar in das UNESCO-Welterbe geschafft, da hier die Bewohner ihre ursprünglichen Bräuche bewahrt haben, was sich auch aus der harmonischen Verbindung von Landnutzung, Siedlung, Kultstätten und Natur zeigt.

Auch sonst ist das Leben im Senegal kulturell vielfältig aufgestellt. Seit den 1930er Jahren entwickelte sich eine stark anwachsende Jazz-Szene. Daraus entstand später der Mbalax, zu dessen wichtigsten Vertretern unter anderem Youssou N’Dour zählt. Aber auch die Hip-Hop-Bewegungen der späten 1980er Jahre brachten den sogenannten Senerap hervor. Dieser spricht vor allem soziale Konfliktpunkte an und brüskiert aber auch konservativ-islamische Gruppen im Land. Positive Black Soul war eine der ersten erfolgreichen Rap-Gruppen des Landes. Heute ist der Songwriter Akon einer der wichtigsten Vertreter der Szene.

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