Mali war noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts französische Kolonie. Seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1960 haben bis heute zahlreiche politische Unruhen und Konflikte das Land erschüttert. Der Staat gilt immer noch als politisch instabil.
- Mali ist ein rund 1,24 Millionen Quadratkilometer großer Binnenstaat in Westafrika.
- Das Land leidet seit Jahren unter dem Nordmali-Konflikt sowie hoher Armut.
- Das eigenständige Kulturleben ist weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt.
Bamako – Das 1.240.192 Quadratkilometer umfassende Mali war bereits in vorkolonialer Zeit ein wichtiger Stützpunkt für die den Handel Westafrikas mit dem hinter der Sahara gelegenen Nordafrika. Die ehemalige französische Kolonie wurde 1960 unabhängig. Dennoch hat das Land bis heute mit anhaltenden politischen Unruhen zu kämpfen. Gleichzeitig steigt das Bevölkerungswachstum rapide an.
Mali: Die drei Reiche in der vorkolonialen Periode
Durch Felsmalereien wurde belegt, dass Mali schon im Paläolithikum von Menschen besiedelt wurde. Vor mehr als 2.000 Jahren war der Handel mit Nordafrika über die Sahara bereits von großer Bedeutung, weswegen auch viele Handelsorte in dieser Region zu Wohlstand kamen. Schon um 300 vor Christus kam die Jenne-Jeno-Kultur hier zur Blütezeit.
Später wechselten sich drei Reiche ab: Vom 4. bis 11. Jahrhundert beherrschte das Ghana-Reich der Soninke das Gebiet zwischen Senegal und Niger. Zwei Jahrhunderte später erblühte das islamische Mali-Reich, nach dem der moderne Staat benannt ist. Diesem folgte nach seinem Niedergang im 15. Jahrhundert das Songhai-Reich mit seinem Zentrum in Gao. Ende des 18. Jahrhunderts übernahm das Volk der Tukulor die Vorherrschaft über das nahezu gesamte Staatsgebiet des heutigen Malis.
Mali: Koloniale Periode und Unabhängigkeit
Ende des 19. Jahrhunderts wurde Mali von der französischen Kolonialmacht eingenommen – lediglich über die Sahara-Nomaden hatte Frankreich keine Kontrolle. Das westafrikanische Gebiet wurde in die Kolonie Französisch-Sudan eingegliedert, mit Bamako als Hauptstadt. Allerdings blieb die Region für die Franzosen eher von untergeordneter Bedeutung.
Schon in den 1930er Jahren gab es erste intellektuelle Bewegungen, die eine Unabhängigkeit Malis anstrebten. Es wuchsen erste Parteien wie die RSP und die US-RDA aus dem Boden, die verstärkt antikolonialistische Züge trugen. 1958 erlaubte die französische Verfassung den Kolonien bereits volle innere Autonomie. Am 20. Juni 1960 erklärten sich die Kolonien Senegal und Französisch-Sudan als Mali-Föderation unabhängig. Aufgrund innerer Streitigkeiten zerbrach die Föderation und Mali machte sich am 22. September als Republik selbständig.
Der neue Einparteienstaat unter Präsident Keïta verfolgte eine stark sozialistische Politik, welche das Land wirtschaftlich schwächte. Nach einem Militärputsch konnte der neue Präsident Moussa Traoré jedoch keine Besserung im Land erwirken. Hinzu kamen zwei Dürrekatastrophen und Grenzkonflikte mit dem Nachbarstaat Burkina Faso. 1991 wurde Traoré gestürzt und der Geschichtsprofessor Alpha Oumar Konaré sorgte für demokratische Reformen. Dennoch blieb der Staatsapparat weitgehend ineffizient und korrupt. Zusätzlich stellten die hohe Armut des Landes und die anhaltende Revolte der Tuareg im Norden grundlegende Probleme dar.
Mali: Die Entwicklung seit dem Putsch von 2012
Der Nordmali-Konflikt verschärfte sich und im Januar 2012 griffen Tuareg-Verbände das malische Militär im Nordosten des Landes an. Das umkämpfte Gebiet wurde unter ihre Kontrolle gebracht und für unabhängig erklärt. Im März wurde die Regierung Malis in einem Staatsstreich abgesetzt. Es kam zu Flüchtlingsbewegungen aus dem besetzten und für unabhängig erklärten Gebiet Azawad. Im Dezember 2012 stimmten die Vereinten Nationen einer Resolution zur, die ein militärisches Einschreiten des Westens erlaubte. Mithilfe von Frankreich konnten die Rebellen zurückgedrängt werden.
Dennoch blieb die politische Situation vor allem im Norden des Landes weiterhin instabil. 2020 und 2021 kam es erneut zu Putschen, in welchem am Ende das Militär strategisch wichtige Ämter besetzte. Anfang 2022 gab die Übergangsregierung bekannt, dass die Wahlen und die Rückkehr zur Demokratie um bis zu fünf Jahre verschoben werden sollen.
Mali: Das politische System
Mali besitzt ein republikanisches Regierungssystem nach französischem Vorbild, das als semipräsidentiell zu bezeichnen ist. Das politische Leben basiert auf einer Verfassung, die bereits 1992 per Volksabstimmung bestätigt worden war. Das politische System sieht eine Gewaltenteilung in Exekutive, Legislative und Judikative vor. Der Staatspräsident wird alle fünf Jahre gewählt und ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Seine Amtsdauer ist auf maximal zwei Legislaturperioden beschränkt.
Der Präsident ernennt den Premierminister und ist Vorsitzender des Ministerrates. Im Einkammersystem wird die Legislative durch die Nationalversammlung repräsentiert. Die Regierung muss ich stets dem Parlament gegenüber verantworten. Allerdings hat der Präsident auch die Vollmacht, das Parlament aufzulösen.
Mali: Fakten im Überblick
- Hauptstadt: Bamako
- Amtssprache: Französisch
- Fläche: 1.240.192 Quadratkilometer
- Einwohnerzahl: 20,25 Millionen (Stand 2020)
- Währung: CFA-Franc BCEAO (XOF)
- Verwaltungsgliederung: 10 Regionen und 1 Hauptstadtdistrikt
- Religion: Islam
Mali: Sprachen und Bevölkerung
Obwohl Französisch laut der Verfassung Malis Amtssprache ist, wird es inzwischen nur noch von einer verschwindend geringen Minderheit als Muttersprache gesprochen. Laut Gesetz erkennt Mali neben Französisch noch 13 weitere Sprachen als nationale Sprachen an. Insgesamt werden allerdings 35 Sprachen in Mali gesprochen, die zu drei Sprachfamilien gehören. Dabei ist das Bambara, das schätzungsweise von vier Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen wird, von größter Bedeutung.
Der größte Teil der Einwohner lebt im Südteil des Landes. Die Bevölkerung gehört zu der am schnellsten wachsenden der Welt. In den letzten 20 Jahren hat sie sich nahezu verdoppelt. Ein Abklingen der Wachstumsrate ist jedoch noch nicht zu erwarten. Die Prognosen gehen davon aus, dass Mali im Jahr 2050 bereits 43,5 Millionen Einwohner haben wird, was allerdings ökologisch, sozial wie demografisch zu einem wesentlichen Kernproblem des Landes werden könnte.
Mali: Geografie und Städte
Der Binnenstaat Mali liegt im Inneren Westafrikas und teilt eine 7.243 Kilometer lange Grenze mit sieben Nachbarstaaten. Dazu zählen im Nordosten und Norden Algerien, im Nordwesten Mauretanien, im Ostern Niger, im Südosten Burkina Faso, im Westen der Senegal, im Südwesten Guinea und im Süden die Elfenbeinküste. Fast zwei Drittel des Landes sind von der Sahara bedeckt. Der Südteil wird von den beiden Strömen Niger und Senegal durchflossen.
In Mali sind einige der ältesten Städte Westafrikas zu finden. Djenné entwickelte sich bereits im 9. Jahrhundert zu einem wichtigen Handelszentrum. Das am Südrand der Sahara gelegene Timbuktu nahm ab dem 12. Jahrhundert an Bedeutung zu. Die größte Stadt ist Bamako, die 1908 noch 6.500 Einwohner hatte und 2009 auf 1,8 Millionen Einwohner angewachsen ist.
Die größten Städte Malis im Überblick
- 1 Bamako: 1.809.106 Einwohner, Bezirk Bamako
- 2 Sikasso: 225.753 Einwohner, Region Sikasso
- 3 Kalabankoro: 166.722 Einwohner, Region Koulikoro
- 4 Koutiala: 137.919 Einwohner, Region Sikasso
- 5 Ségou: 130.690 Einwohner, Region Ségou
- 6 Kayes: 127.368 Einwohner, Region Kayes
- 7 Kati: 114.983 Einwohner, Region Koulikoro
- 8 Mopti: 114.296 Einwohner, Region Mopti
- 9 Niono: 91.554 Einwohner, Region Ségou
- 10 Gao: 86.633 Einwohner, Region Gao
Mali: Wissenswertes zum Land
So sehr das Land mit Armut zu kämpfen hat, so reich ist es an Kultur. Die Musik sowie die rituellen Tänze des Landes sind von großer Bedeutung für die Einwohner. Sie spiegeln eine Vielzahl an Mythen und Traditionen wider und beeindrucken mit jeder Menge Kunstfertigkeit wie Holzmasken oder mit abstrakten Mustern bedruckten Stoffe. Gleichzeitig vermischen sich hier Islam und vorislamische religiöse Praktiken.
Vor allem die Musik hat einen hohen Stellenwert. Sie dient nicht nur der Unterhaltung, sondern auch Belehrung. Viele Geschichten sind bis heute in Liedform überliefert. Zu einer der bedeutendsten Künstlerfamilien zählten die Jeli aus Südmali. Sie verbanden Musik, Tanz, Sprache und Aufführung zu einer untrennbaren Einheit und waren im gesellschaftlichen Leben hoch angesehen. Aus der Jeli-Tradition hat sich später auch die international erfolgreiche malische Popmusik entwickelt, die ab den 1960er Jahren internationale Stars wie Boubacar Traoré oder der für seinen Wüstenblues bekannte Ali Farka Touré hervorgebracht hat.