Neuer schwerer Stoß überfällig

Erdbeben-Serie in den Alpen: Experte hält große Katastrophe für jederzeit möglich

  • schließen

Eine bislang harmlose Erdbebenserie erschüttert seit Anfang Januar die nördlichen Alpen. Ein Forscher warnt: Auch katastrophale Beben sind jederzeit möglich.

St. Johann – Der Boden scheint zu brodeln: Das österreichische Institut für Wetter und Erdbebenforschung GeoSphere Austria in Wien hat in diesem Januar 500 Erdstöße registriert. Zum Vergleich: Im gesamten vorigen Jahr (2023) wurden 1300 Beben in Österreich gezählt, auf den Monat bezogen, bedeutet das fast eine Verfünffachung der Ereignisse. Vor allem die Erdbebenschwärme rund um St. Johann sind für diese enorme Häufung verantwortlich.

Der Boden zwischen Watzmann und Kitzbühel bebt

Hier wurden allein über 350 Erdstöße von den Messsensoren erfasst, davon nahm die Bevölkerung 41 wahr. Am 23. Januar weckte früh um 4.50 Uhr der bislang stärkste in Erdstoß mit der Magnitude 3,9 auf der Richterskala die Menschen am Dreiländereck aus dem Schlaf. Am Aschermittwoch gab es früh um 2.11 Uhr das vorerst letzte leichten Beben. Auch im Inntal wackelte die Erde in Hall, Innsbruck, Telfs und Imst, die Erdstöße zogen sich bis an die Zugspitze bei Ehrwald hin.

Die Karte von GeoSphere Austria zeigt die Beben der Ostalpen der ersten Februarhälfte. Das rote Beben war am Donnerstag, die orangefarbenen ereigneten sich von Montag bis Mittwoch, die gelben in den elf Tagen zuvor. Ein Beben in Gloggnitz (großer Kreis) am 1. Februar hatte sogar die Stärke 4,5.

Selbst in Oberstdorf im Allgäu wackelte Anfang Januar der Boden. Die Stärke der Erdstöße ist bislang nicht besorgniserregend, ihre Häufigkeit aber ungewöhnlich. „Alles ist im Normalbereich“, erklärt Christine Freudenthaler, Seismologin von GeoSphere Austria. „Das sind Versetzungen im Untergrund, Spannungen in der Erdkruste, die sich statt in einem größeren Beben in vielen kleinen Stößen lösen.“ Die Ursache sei die Faltung der Alpen, die immer noch anhalte. Große Beben seien in den nördlichen Alpen aber nicht zu erwarten.

Der Eibsee wurde vor 4100 Jahren Zeuge eines gigantischen Bergsturzes, den ein Erdbeben auslöste. So starke Beben sind in den nördlichen Alpen jederzeit wieder möglich.

In den 30er Jahren stürzten bei einem Beben in Tirol Kamine ein – in Norditalien gab es 1976 eine Katastrophe

Das schwerste Beben seit Bestehen der systematischen Erdbebenüberwachung ereignete sich in dieser Zone am 7. Oktober 1930 bei Namlos im Bezirk Reutte (Tirol). Es hatte die Stärke 5,3 auf der Richterskala.  31 der 47 Kamine im Ort stürzten damals ein. Laut Dr. Joachim Wassermann, Leiter der Abteilung Seismologie des Bayerischen Geophysikalischen Observatoriums in Fürstenfeldbruck, müsse man nördlich des Inns maximal mit solchen Stößen (bis 5,5) auf der Richterskala rechnen.

Das Erdbeben im Friaul am 6. Mai 1976 hatte eine Magnitude von 6,5. Es kostete 989 Menschen das Leben.

Die nördlichen Alpen seien zu weit von der Zone im Norditalien entfernt, in der sich die adriatische Platte unter die europäische Kontinentalplatte schiebt und so die Alpen weiter faltet. Dort kommt es immer wieder zu schweren Erdbeben. Am 6. Mai 1976 etwa sorgte im Friaul im Norden Italiens nahe der Grenze zu Slowenien und Österreich ein Erdbeben mit der Magnitude 6,5 für eine Katastrophe: 989 Menschen starben, 45000 wurden obdachlos.

Experte berichtet von zehn schweren Erdbeben – Gewalt von 220 Hiroshima-Bomben am Eibsee

Jasper Moernaut, Professor am Institut für Geologie Uni Innsbruck, hält Beben dieser Stärke auch in den nördlichen Alpen für jederzeit wieder möglich. Das Institut hatte bei der Erforschung von Schlammschichten in mehrerer Seen in Bayern und Tirol herausgefunden, dass Erdbeben in prähistorischer Zeit riesige Bergstürze zwischen Zugspitze und Ötztal verursachten.

Chronologische Liste von alpinen Erdbeben mit Magnitude auf Richterskala:

6200 v. Chr.: Erdbeben am Achensee, eins bis zwei Meter hoher Sprung im Gelände, 6,3

2100 v.Chr.: Erdbeben löst Bergsturz an Fernpass und Eibsee aus, 6,1-6,5

1000 v. Chr.: Erdbeben löst Bergsturz am Tschirgant aus, 240 Millionen Kubikmeter Gestein stürzen ins Tal. 18 Quadratkilometer verschüttet. 5,8-6,3

250 n. Chr. Erdbeben zerstört römische Stadt Augusta Raurica (Kaiseraugst) bei Basel, 5,5-6

3. Januar 1117: In Verona stürzen Stadtmauer, Kirchen und Klöster stürzten Beben ein. Sogar die Michaelskirche in Bamberg wird beschädigt, 7

25. Januar 1348: Friaul und in Kärnten, Beben löst Bergsturz des Dobratsch und eine Flutwelle aus. Schäden bis Passau, 5000 Tote, 6.8

18. Okt. 1356: Großes Beben von Basel, Einsturz des Münsters 2000 Tote, größte Naturkatastrophe der Schweiz, 6,0-7,1

17. Juli 1670: Beben in Hall/Tirol, Einsturz des Kirchturms, schwere Schäden. Viele Nachbeben bis 1671, mehrere Tote, 5,2

22. Dez. 1689: Beben in Innsbruck, in einstürzenden Wirtshäusern kommen mehrere Menschen ums Leben. Schwere Schäden in Innsbruck und anderen Orten. Nachbeben über mehrere Monate hinweg, 4,8

7. Okt. 1930: Beben in Namlos/Tirol. Schäden an Gebäuden. Tägliche Nachbeben bis zur Jahresmitte 1931, 5,3

6. Mai 1976 Großes Erdbeben in Friaul, 989 Menschen sterben, 45 000 werden obdachlos, 6,5

Januar-Februar 2024: Erdbebenserie schreckt die Bewohner von St. Johann aus dem Schlaf, bis zu 3,9

Vor rund 4100 Jahren brachen oberhalb des Eibsees bei Garmisch-Partenkirchen 350 Millionen Tonnen Gestein aus der Zugspitze und der Riffelseewand, stürzten 1400 Meter in die Tiefe und schoben sich über den Eibsee bis an die gegenüberliegende Talwand, bis in 1260 Meter Höhe sind die Sedimente dort noch nachweisbar. Ein unbeschreibliche Katastrophe, der Bergsturz hatte die Gewalt von 220 Hiroshima-Bomben, jegliches Leben wurde im Katastrophengebiet zermalmt. Gleichzeitig kam es zu einem Bergsturz am Fernpass, in dessen Schutt sich der Blind-, Weißen- und Mittersee bildeten.

Der Bergsturz am Tschirgant in Tirol verschüttete nach einem Beben das Inntal und das untere Ötztal. Ein zweiter Bergsturz ging weiter östlich bei Haiming nieder.

Am Tschirgant und bei Haiming stürzten etwa 1100 Jahre später bei einem weiteren Bergsturz 240 Millionen Kubikmeter Fels in die Tiefe, der Schutt staute den Inn auf, die gigantische Steinlawine rollte bis ins Ötztal. 18 Quadratkilometer Land wurden verschüttet. Ein zweiter kleinerer Bergsturz stürzte nahe Haiming ins Inntal. Bei der Ursachenforschung für diese gigantischen Bergstürze wurden die Geologen bei der Untersuchung von Sedimenten im Plansee bei Reutte und am Piburgersee im Ötztal fündig: „Es hatte zwei schwere Erdbeben gegeben, die diese Bergstürze auslösen“, so Moernaut.

Bergstürze, Erdbeben, Lawinen: Die größten Naturkatastrophen der Alpen

Der idyllische See ist heute ein beliebtes Ausflugsziel bei Garmisch-Partenkirchen.
Vor rund 4100 Jahren brachen oberhalb des Eibsees bei Garmisch-Partenkirchen 350 Millionen Tonnen Gestein aus der Zugspitze und der Riffelseewand. Die Felsmassen stürzten 1400 Meter in die Tiefe und schoben sich über den Eibsee bis an die gegenüberliegende Talwand, bis in 1260 Meter Höhe sind die Sedimente dort noch nachweisbar. Ein unbeschreibliche Katastrophe, der Bergsturz hatte die Gewalt von 220 Hiroshima-Bomben. Auch am Fernpass, am Achensee, am Tschirgant ereigneten sich solche Mega-Katastrophen.  © IMAGO/xleonid_titx
Die Route des karthagischen Feldherrn ist eines der großen Rätsel der Geschichte.
Als der karthagische Feldherr Hannibal im zweiten Punischen Krieg 218 v. Chr. mit seinen Elefanten durch die Alpen zog, verlor er geschätzt 18 000 Männer und Frauen sowie viele Tiere durch Lawinen und Felsstürze. Hannibal war zuvor mit seinem Heer von Marokko über Spanien und Südfrankreich gezogen. Trotz der Verluste fiel er nach der Alpenüberquerung in Italien ein und brachte beinahe das römische Reich zu Fall. Welchen Pass Hannibal benutzt hatte, ist immer noch Gegenstand der Forschung. ©  via www.imago-images.de
Im Frühmittelalter wurde der Genfer See Schauplatz einer Naturkatastrophe.
Am Genfer See verursachte im frühen Mittelalter ein Bergsturz einen verheerenden Tsunami. Die Katastrophe wurde 563 n. Chr. durch das Abrutschen eines Berghanges an einem verschwundenen Ort namens Tauredunum am östlichen Ende des Genfersees verursacht. Die riesige Mure an der Rhonemündung verursachte eine bis zu 15 Meter hohe Welle, die sich entlang des Sees ausbreitete. Sie spülte ganze Dörfer am Ufer hinweg. Die Stadt Genf wurde mit solcher Kraft getroffen, dass die Welle über die Stadtmauern schwappte und viele Einwohner tötete. © IMAGO/xcm2012x
Von der roten Wand am Dobratsch in den Gailtaler Alpen löste sich ein gigantischer Bergsturz.
Am Berg Dobratsch in Kärnten löste sich 1348 nach einem Erdbeben im benachbarten Friaul ein riesiger Bergsturz, bei dem bis zu 17 Dörfer begraben worden sein sollen. Die Felsmassen stauten die Gail auf, bis der durch den Bergsturz aufgeschüttete Damm brach und eine Flutwelle durch das Gailtal donnerte. Insgesamt sollen das Beben und die Flutwelle 23 Dörfer und 34 Burgen in Kärnten, dem Friaul und Slowenien zerstört haben. Auch in Bozen und Trient gab es Schäden, sogar im weit entfernten Passau stürzten zwei Kirchen teilweise ein, in München fielen Ziegel von den Dächern. Auch in Bologna und Mailand wurde das Beben gespürt. Insgesamt ist die Rede von rund 5000 Toten. Da gleichzeitig die Pest wütete, ist die Zuordnung der Todesursachen schwierig.  © IMAGO/Zoonar.com/Karin Jaehne
Der Bergbau hatte den Bergsturz vom Monte Conto verursacht. Das Dorf Piuro wurde verschüttet.
Das Bergdorf Piuro in der norditalienischen Lombardei wurde 1618 von einem Bergsturz verschüttet. Der unkontrollierte Abbau von Speckstein hatte den Berg Conto unterhöhlt. Zehn Tage Regen führten am 25. August, nach anderen Angaben am 4. September 1618 zu einem mächtigen Bergsturz, der das Dorf Piuro und den etwa 500 Meter höher liegenden Weiler Scilano unter hohen Gesteinstrümmern begrub. Der Fluss Mera wurde vorübergehend zu einem See gestaut. Die Angaben der Todesopfer schwanken zwischen 930 und 1200. Der Kupferstecher und Verleger Matthäus Merian hatte mit dem Schriftsteller Martin Zeiller die Situation vor und nach dem Bergsturz in einem Kupferstich festgehalten. ©  via www.imago-images.de
Am Lauerzersee blieben die herabgestürzten Felsmassen liegen.
Der Bergsturz von Goldau im Schweizer Kanton Schwyz verschüttete 1806 die Dörfer Goldau, Röthen und kleinere Orte. 457 Menschen kamen ums Leben. Es war nach dem Basler Erdbeben 1356 mit bis zu 2000 Toten die bislang größte Naturkatastrophe der Schweiz in historischer Zeit. 40 Millionen Kubikmeter Nagelfluhgestein hatten sich von der Gnipenspitze gelöst und stürzten rund 1000 Meter ins Tal. Der Bergsturz breitete sich im Tal fächerförmig aus, brandete an der gegenüberliegenden Rigikette 100 Meter hoch und verschüttete insgesamt eine Fläche von rund 6,5 Quadratkilometern. 457 Menschen kamen ums Leben, 323 Stück Vieh wurden getötet, 111 Wohnhäuser, 220 Ställe und Scheunen sowie zwei Kirchen und zwei Kapellen wurden zerstört. Der Lauerzersee schrumpfte um ein Siebtel seiner Fläche. © Franz Xaver Triner / Gabriel Lory - helveticarchives.ch; Swiss National Library, Prints and Drawings Department/Wikipedia
Wikipedia/C. Koch, Schaffhausen - Ursprung unbekannt
Bei Bauarbeiten für ein neues Bahngleis auf einem Kai am Zugersee in Zug in der Zentralschweiz geriet am 5. Juli 1887 der ganze aus instabiler Seekreide bestehende Uferbereich ins Rutschen. Am Nachmittag stürzten am Ufer einige Gebäude in den See. Ein zweiter Uferabbruch ereignete sich am Abend, weitere Gebäude stürzten ins Wasser. Elf Menschen starben, etwa 650 Personen wurden obdachlos und 35 Gebäude wurden zerstört. Es entstand eine 150 Meter lange Bucht, die 70 Meter ins Land hinein reichte. Wenige Tage später ließen sich Schaulustige auf Schiffen zur Abbruchzone fahren. © Bei Arbeiten am Kai für eine Bahnlinie rutsche die ganze Vorstadt in den Zuger See.
Verschüttete Häuser in Blons im Lawinenwinter von 1953/54
Mitte Januar 1954 wurde das österreichische Bundesland Vorarlberg von einem Lawinenwinter heimgesucht. Ab dem 8. Januar fielen binnen 24 Stunden bis zu zwei Meter Neuschnee. Die großen Mengen konnten sich wegen der zuvor herrschenden hohen Temperaturen nicht mit dem Untergrund verbinden. In den drei Tagen gingen etwa 400 Lawinen ab, davon 150 Schadlawinen ab. Alleine in Blons im Großen Walsertal wurden 14 Höfe mit ihren 82 Bewohnern von von einer Staublawine verschüttet. 34 von ihnen starben. Auch im Montafon, im Klostertal und im Bregenzerwald gab es Tote. Insgesamt wurden 280 Personen verschüttet, von denen 125 ihr Leben verloren. © Helmut Klapper, Vorarlberger Landesbibliothek/wikipedia
Suchmannschaften suchen nach dem Staudammbruch von Vajont nach Überlebenden.
Der Dammbruch von Longarone am 9. Oktober 1963 wurde durch einen Bergrutsch verursacht, der in den Stausee der Vajont-Staumauer rutschte. Auf zwei Kilometer Länge brachen 270 Millionen Kubikmeter Gestein vom Monte Toc in Richtung See ab rutschten in den Stausee, der nur etwa die Hälfte des Volumens an Wasser fasste, das vom Berg als Gestein herab kam. Es gab eine gigantische Flutwelle, die mindestens 1917 Menschenleben vor allem im Dorf Longarone (Foto) forderte. Bereits am 4. November 1960 war es zu einem ersten Bergsturz gekommen, bei dem 700 000 Kubikmeter Lockergestein und Fels in den See stürzten, ohne große Schäden anzurichten. Proteste der Anwohner und Warnungen von Experten vor dem Vollstau des Sees wurden dennoch missachtet. © imago/United Archives International
Suchmannschaften graben im Schnee nach Überlebenden.
Eine Lawine überrollte am 15. Mai 1965 das damals noch als Hotel fungierende Schneefernerhaus an der Zugspitze. Zehn Menschen starben. Oberhalb des Hotels hatte sich sich eine Großlawine gelöst, deren Ausbruch sich von der oberen Stütze der Gipfelbahn in einem Bogen bis zum Grenzhäuschen und einer Länge von 300 bis 400 Metern erstreckte. Neun Personen wurden von den Aussichtsterrassen des Hotels bis zum Zugspitzplatt geschleudert. Sieben von ihnen starben, eine Person wurde von einem umgestürzten Kamin erschlagen. In der Bergbahn wurden zwei weitere Tote gefunden. 21 Menschen wurden schwer und etwa 80 mittel bzw. leicht verletzt. © Sammlung Blumenthal, Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen
Bei dem Erdbeben wurde mehrere Dörfer bei Udine verwüstet.
Am 6. Mai 1976 erschütterte um 20.59 Uhr ein mächtiges Erdbeben mit der Magnitude 6,5 die norditalienische Region Friaul-Julisch Venetien. Die Erdstöße dauerten eine Minute lang und waren bis nach Bayern zu spüren. Das Epizentrum des Bebens lag nördlich der Stadt Udine am Monte San Simeone, es forderte 989 Menschenleben. Etwa 80 000 Menschen in 77 Gemeinden waren von Zerstörungen betroffen, 45 000 Menschen wurden obdachlos. Die Orte Gemona, Venzone und Osoppo wurden zerstört. Im Dom von Gemona stürzten das rechte Seitenschiff und der Campanile ein, noch heute stehen die Säulen etwas schief und erinnern an den Wiederaufbau. Der Dom von Venzone wurde völlig zerstört. Ein zweites Beben am 15. September 1976 ließ viele zuvor beschädigte Häuser einstürzen. © imago stock&people
Die Lawinenkatastrophe von Galtür war eines der größten Unglücke seiner Art in Österreich.
Eine riesige Lawine zerstörte 20. Februar 1999 im Tiroler Ort Galtür mehrere Gebäude, 38 Menschen kamen ums Leben. Es hatte zuvor fast einen Monat ununterbrochen geschneit. Ab dem 27. Januar herrschten im Paznauntal Lawinenwarnstufen bis zur Stufe 5, die Silvretta Bundesstraße zwischen Pians und Galtür wurde ab dem 6. Februar immer wieder aus Sicherheitsgründen geschlossen. Hubschrauber brachten Lebensmittel. Neben den etwa 850 Einwohnern ungefähr 5000 Urlaubsgäste im Tal. Die Gemeinde Galtür lehnte eine Evakuierung ab. Gegen 16 Uhr überrollte eine große Lawine zahlreiche Häuser. Über 50 Menschen wurden verschüttet, von denen etwa 20 relativ rasch geborgen werden. Die Bergungsarbeiten waren sehr schwierig, sie dauerten eine Woche lang. © Hbf Minich/dpa
Ein gigantischer Steinschlag am Gotthard tötete zwei Autofahrer
Ein deutsches Ehepaar wurde am 1. Juni 2006 auf der Gotthard-Autobahn im Kanton Uri in der Zentralschweiz von einem gewaltigen Felsbrocken erschlagen, der auf ihr Auto stürzte. Der Wagen des aus Pforzheim stammenden Ehepaars ging in Flammen auf. Weitere Felsbrocken trafen mehrere Lastwagen, die auf einem Rastplatz standen. Deren schlafende Fahrer wurden jedoch nicht verletzt. Schweizer Fachleute vermuten, dass möglicherweise die lange Kälteperiode des vorangegangenen Winters ein Grund für das Unglück gewesen sein könnte. Drei Wochen später wurde die 40 mal 15 Meter große Felswand bei Gurtnellen, aus der sich die Brocken gelöst hatten, gesprengt. 5500 Kubikmeter Fels wurden dabei in Geröll verwandelt. © epa Keystone Sigi Tischler
Am unteren Ende des Gipfel-Gletschers der Punta Rocca brach eine Eislawine heraus
Ein Gletschersturz an der Marmolata riss am 3. Juli 2022 in den Dolomiten elf Bergsteiger in den Tod, acht weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Am Gipfelgletscher des zweithöchsten Gipfels der Marmolata, der Punta Rocca (3309 Meter), riss vermutlich aufgrund außergewöhnlich hoher Temperaturen und eindringenden Wassers ein Eisblock auf etwa 200 Meter Breite ab. Die Eis- und Gesteinsmassen stürzten auf die darunterliegende Normalroute zur Punta Penia, auf der zu diesem Zeitpunkt mehrere Seilschaften unterwegs waren. Bei den Toten handelt es sich um sechs Männer und drei Frauen aus Italien sowie zwei tschechische Bergsteiger. Unter den Verletzten befanden sich ein 67-jähriger Mann und eine 58-jährige Frau aus Deutschland. © IMAGO/Andrea Solero
Eine Mure hat die Karwendelbahn von Mittenwald nach Scharnitz bei Seefeld (Tirol) verschüttet.
Eine gewaltige Mure schloss am 1. September 2023 bei Seefeld (Tirol) den Zug der Mittenwaldbahn ein. Niemand wurde verletzt. Der Starkregen hatte an einem Geröllhang zwischen Scharnitz und Seefeld die Gesteinslawine ausgelöst. Der Zugführer der S6 Mittenwald-Innsbruck konnte nicht mehr stoppen und fuhr in die sich noch bewegende Mure hinein. Der Triebwagen der ÖBB wurde dabei gegen 19.30 Uhr aus dem Gleis geschoben und blieb stehen, er wurde fast komplett von den Geröllmassen eingeschlossen. Auch die Seefelder Bundesstraße wurde verschüttet. Die Aufräumarbeiten dauerten eine Woche lang. © ÖBB

Forscher zur schweren Erdbeben: „Man muss auch in Zukunft damit rechnen.“

Insgesamt fanden die Geologen die Spuren von zehn prähistorischen Erdbeben zwischen Ötztal und Zugspitze - mit Magnituden zwischen 5,5 und 6,5. Das Beben an Eibsee und Fernpass hatte eine Magnitude zwischen 6,1 und 6,5, das am Tschirgant und bei Haiming zwischen 5,8 und 6,3. Man kann davon ausgehen, dass diese prähistorischen Katastrophen auch Menschenleben forderten. Damals siedelten die Angehörigen der Urnenfelder- und der frühen Hallstattkultur in Österreich, Norditalien und Bayern.

Auch am Achensee entdeckten die Forscher Spuren eines Bebens vor etwa 8300 Jahren. Moernaut: „Hier haben wir einen Geländesprung von eins bis zwei Metern in den Sedimenten entdeckt.“ Die Forscher gehen hier von einer Magnitude von 6,3 aus.

Geologe Jasper Moernaut bei der Probenentnahme von Sedimenten am Achensee.

Ist die Zeit dieser großen Beben in den nördlichen Alpen vorbei? Moernaut: „Man muss auch in Zukunft damit rechnen.“ Ein schweres Beben wie im Friaul 1976 ist also auch in Tirol und in den Bayerischen Alpen jederzeit möglich.

Sogar in München würde ein starkes Beben für Gebäudeschäden sorgen

Ein neues Starkbeben könnte schwere Schäden verursachen. „Würde sich das Beben vom Achensee wiederholen, wäre München von einer Erdbebenintensität von sieben betroffen“, erklärt der Wissenschaftler. Das heißt laut Mercalliskala: „Selbst in fahrenden Autos spürbar, das Stehen wird schwierig. Schäden an Möbeln, lose Mauersteine fallen herab. Gebäude in unzureichender Bauweise oder mit fehlerhaftem Bauentwurf werden stark beschädigt, leichte bis mittlere Schäden an normalen Gebäuden.“

Der Blindsee am Fernpass entstand in Folge eines Erdbebens, das einen riesigen Bergsturz auslöste.

Die Vorhersage solcher Beben ist laut Moernaut in den Alpen sehr schwer: „Erdbebenereignisse sind in dem sehr stark zerklüfteten Gebirge schwer vorherzusagen - im Gegensatz zu Anatolien, oder Kalifornien, wo es Zyklen gibt.“ Doch Moernaut weiß: „In 10000 Jahren gibt es etwa vier schwere Beben zwischen Ötztal und Zugspitze.“ Den Innsbrucker Forschern zufolge kommt es alle 1000 bis 2000 Jahre zu einem schweren Erdbeben mit einer Magnitude von über 6. Das letzte ist schon 3000 Jahre her. Ein neues schweres Beben wäre demnach also überfällig.

Rubriklistenbild: © Institut für Geologie der Universität Innsbruck

Kommentare