Silvester verläuft verhältnismäßig ruhig

Schlimmste Silvester-Befürchtungen bleiben aus: Polizei meldet rund 300 Festnahmen – Drei Tote bestätigt

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  • Teresa Toth
    Teresa Toth
  • Kathrin Reikowski
    Kathrin Reikowski

Behörden befürchteten Krawalle zu Silvester, die Feuerwehr gibt am frühen Neujahrsmorgen jedoch Entwarnung. Ein schrecklicher Todesfall schockiert jedoch, ein 18-Jähriger starb beim Zünden eines Böllers.

  • Ausschreitungen befürchtet: Berlin wartete gespannt und mit Sorge auf Silvester.
  • Nancy Faeser (SPD): Auch die Innenministerin ist alarmiert.
  • Ein Sprecher der Feuerwehr gibt am frühen Neujahrsmorgen Entwarnung.

Update vom Montag, 1. Januar, 11.10 Uhr: Insgesamt drei Personen starben in der Silvester-Nacht, darunter ein 22-jähriger Mann aus dem ostsächsischen Boxberg. Der junge Mann sei beim Zünden einer verbotenen Kugelbombe getötet worden. Auch zwei 18-Jährige wurden durch Böller so schwer verletzt, dass für sie jede Hilfe zu spät kam.

Befürchtete Silvester-Krawalle bleiben aus: Rund 300 Festnahmen – Teenager stirbt beim Zünden eines Böllers

Update vom 1. Januar, 6.05 Uhr: Etwa 300 Menschen sind in der Silvesternacht in Berlin vorläufig festgenommen worden - viele wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz. „Wir sind zufrieden mit unserem Einsatz, wir haben die Feuerwehr erfolgreich geschützt“, sagte ein Polizeisprecher gegen 3.00 Uhr am Neujahrsmorgen. Bislang seien keine Feuerwehrleute verletzt worden. Ein Sprecher der Feuerwehr sprach von einem „normalen Silvester“. Es habe keine größeren Einsätze für die Berliner Feuerwehr gegeben.

Bei der Polizei wurden bis 3.00 Uhr 15 Einsatzkräfte verletzt, eine Person davon so schwer, dass sie den Dienst beenden musste, wie der Polizeisprecher sagte. Dennoch sei der Silvesterabend insgesamt für die Polizei bis nach Mitternacht besser gelaufen als im Vorjahr.

Am Neptunbrunnen unweit des Alexanderplatzes bewarfen sich bereits vor Mitternacht 500 Menschen mit Pyrotechnik. Als Beamte der Polizei einschritten, wurden sie eigenen Angaben zufolge von einer 200-köpfigen Gruppe mit Feuerwerkskörpern beschossen. Mehrere Menschen wurden laut der Berliner Polizei festgenomme. In Gropiusstadt im Bezirk Neukölln wurde Polizeiangaben zufolge ein geparkter Einsatzwagen mit einer Kugelbombe beschossen und so stark beschädigt, dass er aus dem Einsatz genommen werden musste. Ebenfalls in Neukölln kam es zu neun Festnahmen, nachdem Menschen versucht hatten, aus Glasflaschen, Stofffetzen und Benzin Molotow-Cocktails zu basteln.

Silvester: Jahresverwechsel verläuft verhältnismäßig ruhig

In anderen deutschen Städten verlief der Jahreswechsel im Vergleich zum vergangenen Jahr verhältnismäßig ruhig. In Stuttgart zog die Polizei mit Blick auf ihren Einsatz rund um den Schlossplatz eine erste positive Bilanz. Bis um 04.00 Uhr am Montag nahmen die Beamten eigenen Angaben zufolge rund 30 Anzeigen auf, darunter vor allem Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz. Laut Polizeiangaben kam es zu keinen „schwerwiegenden Vorkommnissen“.

Ähnlich äußerten sich die Einsatzkräfte in Städten wie Mainz und Bochum. In Koblenz wurde laut Polizeiangaben ein Beamter durch Pyrotechnik getroffen, blieb jedoch unverletzt. Jedoch kam es im Koblenzer Stadtteil Rübenach zu einem tragischen Unfall: Ein 18-Jähriger wurde beim Zünden eines Böllers tödlich verletzt und starb trotz Reanimationsversuchen.

Silvester in Deutschland: Mann verkauft illegal Feuerwerkskörper aus Kofferraum

Update vom 31. Dezember, 18.49 Uhr: Eine verdächtige Meldung über einen zwielichtigen Böller-Händler in Berlin führte die Polizei zu weitreichenderen kriminellen Aktivitäten. Der Mann, der illegalerweise Feuerwerkskörper aus dem Kofferraum seines Autos im Stadtteil Charlottenburg verkaufte, betrieb zudem ein eigenes Dopinglabor. Darüber informierte die Berliner Polizei am Sonntagnachmittag via X (früher Twitter).

Mit einem Durchsuchungsbeschluss inspizierten die Polizisten die Wohnräume und Kellerräume des selbstproklamierten Pyrotechnik-Händlers und stießen dort auf „Unmengen illegaler Pyro“ und „Dopinglabor inklusive Tablettenpresse“, wie es in dem Tweet verlautbart wurde. Der Verdächtige wurde daraufhin in Gewahrsam genommen.

Verstöße gegen die Sprengstoffgesetze können laut Bundesinnenministerium mit einer Geldbuße von bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Für die illegale Produktion und den Verkauf von Drogen könnte dem Mann eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren drohen.

SEK-Einsatz vor Silvesternacht in Berlin: Mann feuert Pyrotechnik von Balkon ab

Update vom 31. Dezember, 15.42 Uhr: Ein 33-jähriger Mann löste in Berlin einen SEK-Einsatz aus, wie die Polizei am Sonntag (31. Dezember) mitteilte. Der Verdacht: Er soll von seinem Balkon aus Pyrotechnik mit einer Waffe abgeschossen haben, was zur Folge hatte, dass er am Samstagabend in Gewahrsam genommen wurde.

Die Einsatzkräfte des SEK durchkämmten die Wohnung des Mannes, die sich im 9. Stock eines Mehrfamilienhauses in Berlin befindet. Bei der Durchsuchung konnten sie eine Schreckschusswaffe, ein Gewehr, acht Softairwaffen samt Munition und ein Messer sicherstellen. Über diesen Vorfall berichtete zuerst die B.Z.

Die Polizei bereitet sich in diesem Jahr auf ähnliche Ausschreitungen vor wie Silvester vergangenen Jahres.

Die Polizei wurde gegen 20 Uhr alarmiert. Mehrere Augenzeugen hatten beobachtet, wie ein Mann Pyrotechnik von seinem Balkon abfeuerte. Der 33-Jährige war offenbar alkoholisiert: Ein Atemalkoholtest ergab einen Wert von über 1,4 Promille. Nach einer gewissen Zeit im Polizeigewahrsam wurde der Mann wieder auf freien Fuß gesetzt. Gegen ihn wird nun wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt, teilte die Polizei mit.

Ein Mann in Berlin verliert bei der Explosion eines Großfeuerwerkskörpers seine Hand

Update vom 31. Dezember, 12.46 Uhr: Seit Tagen warnen Behörden, Polizei und der Rettungsdienste erneut vor dem unsachgemäßen Gebrauch von gefährlicher Feuerwerkskörper. Sie befürchten Ausschreitungen und Verletzungen in der Silvesternacht. Doch auch schon im Vorlauf nehmen die Einsätze zu.

Demnach hat ein Mann in Berlin seine Hand durch die Explosion eines Großfeuerwerkskörpers verloren. Laut Polizeiangaben versuchte der 40-Jährige, die Rakete von der Terrasse eines Bungalows zu starten, doch unmittelbar nach der Zündung detonierte der Sprengkörper in seiner Hand.

Die Polizei und Rettungskräfte sehen wieder eine arbeitsreiche Silvesternacht auf sich zukommen. Schon im Vorlauf mussten sie einige Einsätze fahren. Ein verlor bei lizenzpflichtiger Pyrotechnik seine Hand. (Symbolfoto)

Die Polizei geht nach ersten Untersuchungen davon aus, dass es sich bei dem Feuerwerkskörper um eine Signalrakete der Kategorie F4 handelt. Diese dürfen in Deutschland ausschließlich von professionell ausgebildeten Pyrotechnikern verwendet werden. Ob der Verletzte eine solche Lizenz besitzt, wird derzeit geprüft. Bei einer anschließenden Durchsuchung wurden weitere solche Pyrot-Artikel gefunden und konfisziert.

Polizei und Behörden befürchten Silvester-Krawalle: „Wird eine Herausforderung“

Update vom 31. Dezember, 9.31 Uhr: Der Bundesvorsitzende der Polizeigewerkschaft (GdP), Jochen Kopelke, erwartet für die kommende Silvesternacht eine erneute starke Beanspruchung der Polizeikräfte. Er äußerte gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Wie in den Vorjahren wird der Jahreswechsel eine Herausforderung für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste darstellen“. Dabei rief er zur Mäßigung auf und warnte vor übermäßiger Hysterie. „Es ist nicht so, dass unsere Gesellschaft zunehmend gewalttätiger wird“, betonte er und fügte hinzu: „Allerdings gibt es Gruppen, in denen schwere Gewalt als normal angesehen wird.“

Kopelke ist der Überzeugung, dass weder Verbote noch strengere Strafen eine geeignete Antwort auf solche Übergriffe auf Einsatzkräfte, wie sie letztes Silvester der Fall waren, sind. „Repression ist nicht der Weg, auf dem der Staat gewinnt“, unterstrich er. Die Bewältigung des Problems der Gewalt gegen Polizeibeamte sieht er als eine Aufgabe, die die gesamte Gesellschaft betrifft. „Hier sind Schulen, Justiz, Sozialarbeit, lokale Politik und Nachbarschaftsinitiativen gefordert, gemeinsam an einem Strang zu ziehen“, sagte der Gewerkschaftsführer.

Spürhunde und Hubschrauber sollen dieses Jahr an Silvester zum Einsatz kommen

Erstmeldung vom 30. Dezember, 13.41 Uhr: Berlin – Die Ausschreitungen zu Silvester aus dem vergangenen Jahr in Berlin sollen sich nicht wiederholen. Einsatzkräfte waren von Jugendlichen gezielt mit Feuerwerkskörpern angegriffen worden. Die Hauptstadt bereitet sich mit einem Polizei-Großeinsatz auf den letzten Tag des Jahres vor, es sollen auch Spürhunde und Hubschrauber zum Einsatz kommen.

Auch, weil die Gemüter allerorts wegen des Kriegs in Gaza und Israel besonders erhitzt sind, geht Innenministerin Nancy Faeaser (SPD) von erhöhter Gewaltbereitschaft aus. Im Vorfeld waren über die Schulen bereits Eltern in die Pflicht genommen, ein Auge auf ihre Söhne und Töchter zu haben. Auch Einsatzkräfte waren bereits mit Appellen an die Öffentlichkeit gegangen. Doch nach dem Verkaufsstart von Silvesterraketen sind auch in Berlin vielerorts bereits Böllerschüsse und Silvesterraketen zu hören.

Silvester in Berlin wirft Schatten voraus: Feuerwehrleute mit Pyrotechnik beschossen

Einige Szenen erinnern an die Vorfälle im vergangenen Jahr: Schon vor Silvester wurden Feuerwehrleute und Passanten in Berlin mit Feuerwerkskörpern beschossen. Am Donnerstagabend wollte die Feuerwehr eine brennende Feuerwerksbatterie in Kreuzberg löschen, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Währenddessen kamen den Angaben zufolge drei Männer und schossen Feuerwerk auf sie ab. Die Feuerwehrleute flüchteten in ihr Auto und alarmierten die Polizei. Die Täter flohen.

Wie der Spiegel berichtet, zündeten in Charlottenburg mehrere Jugendliche Feuerwerkskörper und wurden von Passanten ermahnt. Daraufhin schlugen sie die Passanten - bis eine Frau und ein Mann mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus mussten. Ebenfalls in Kreuzberg sollen am Donnerstagabend laut dpa drei junge Männer einen Bus und Fahrgäste am Oranienplatz aus einem Auto heraus mit Pyrotechnik beschossen haben. Die Polizei fasste den 19-jährigen Fahrer des Wagens und einen weiteren 20 Jahre alten Verdächtigen. Im Kofferraum fanden Polizisten weitere Pyrotechnik. Vom Freitag waren zunächst keine Vorfälle bekannt geworden. (dpa/kat)

Rubriklistenbild: © Jörg Halisch/dpa

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