„Unheimlich schwer“

Sommerferien zeigen, wie es um die Erziehung 2025 steht

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Sommerferien fühlen sich für Eltern deutlich anders an als für Kinder. Warum eine Gruppe besonders leidet, weiß eine Soziologin.

Lange schlafen, ins Freibad gehen und mit Freunden spielen: Klingt nach einem perfekten Tag in den Sommerferien. Die dauern in manchen Bundesländern noch bis Mitte September. Sechs Wochen am Stück keine Schule – für die Kinder und Jugendlichen ein Traum. Doch für Eltern kann diese fehlende Betreuung zur Herausforderung werden, vor allem, weil auch Kitas und andere Betreuungseinrichtungen in dieser Zeit zum Teil geschlossen haben.

„Schulferien sind der ultimative Test für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, sagt die Soziologin Jutta Allmendinger vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Sie zeigen, in welchen Beziehungen die „gemeinsame Erziehung durch Väter und Mütter“ funktioniere und wie es in unserer Gesellschaft um Vereine und Organisationen bestellt sei, die sich Kindern und deren Betreuung widmen.

Sommerferien sind für Eltern eine „endlose Planerei“, sagt Soziologin

„Zwei Herzen in meiner Brust: Sommerferien als getrennt erziehende Mama“, schreibt die zweifache Mutter Stella S. auf LinkedIn. „Die Sommerferien sind gestartet, und ich merke mal wieder, wie sehr meine Gefühle in diesen Wochen Achterbahn fahren.“ Besonders getrennt erziehenden Eltern oder Alleinerziehenden können die Sommerferien aus zwei Gründen Unbehagen bereiten. Erstens, weil Sommerferien eine „endlose Planerei“ für berufstätige Eltern bedeuten, sagt die Soziologin Allmendinger. „Meist schon Monate vor den Ferien“.

Der Mindestanspruch an Urlaubstagen für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen liegt in Deutschland bei 20 Werktagen. Schulpflichtige Kinder haben 75 Werktage Ferien im Jahr. Seit 1964 sei das im „Hamburger Abkommen“ geregelt, erklärt Allmendinger BuzzFeed News Deutschland. Damals seien nur etwa 20 Prozent der Mütter erwerbstätig gewesen. „Die große Mehrheit war zu Hause, kümmerte sich um Haushalt und Kinder. Die Ferien der Kinder waren kein großes Problem.“

Auch die Mütter standen etwas später auf, lasen mit den Kindern Sommerferien-Bücher oder machten Besuche. Dann fuhr die Familie vielleicht zwei Wochen weg. „Es passte“, sagt die Soziologin. Heute sind 70 Prozent der Mütter mit Kindern unter 18 Jahren erwerbstätig. „Besonders in den Sommerferien reißen Betreuungslücken auf, selbst dann, wenn die Mütter in Teilzeit arbeiten.“ Feiertage gebe es im Sommer keine. „Eltern können sich also nicht einfach durchhangeln“, wie es an Ostern oder an Weihnachten möglich sei.

Sommerferien in Deutschland: Was einer Gruppe besonders „schmerzt“

Stella S. nennt den zweiten Grund, warum Sommerferien gerade bei der Gruppe der getrennt lebenden Eltern ein ungutes Gefühl auslösen können. In den nächsten Wochen stünden bei ihr Ausflüge, Spielplätze und ein kleiner Kurztrip an, auf diese „intensive Familienzeit“ freue sie sich „unendlich“, schreibt sie auf LinkedIn. „Doch danach werden die Jungs für fast drei Wochen zum Papa gehen. Sie fliegen sogar in den Urlaub, und ich freue mich von Herzen für sie, denn das wird ein echtes Abenteuer! Doch gleichzeitig schmerzt der Gedanke, dass sie so weit weg sind.“

Sie bekomme oft zu hören, wie schön diese „Auszeit“ doch sei und dass sie die „kinderfreie Zeit doch mal so richtig genießen soll“. „Ehrlich gesagt, fällt mir das unheimlich schwer“, gibt sie zu. Auch Allmendinger kennt dieses „schlechte Gewissen“, das Eltern in den Sommerferien bekommen könnten, wenn sie die Zeit nicht mit ihren Kindern verbringen. Dieses Gefühl sei weit verbreitet, etwa dann, wenn Eltern ihre Kinder an die Großeltern abgeben.

Besonders Frauen würden sich deswegen wie „Rabenmütter“ fühlen, ihre Kinder nicht in Sommerferienfreizeiten schicken, weil es sich „nicht richtig anfühle“, sagt Allmendinger. „Schulferien sind in der Tat eine riesige Herausforderung, gerade für Mütter. Noch immer tragen sie die Hauptverantwortung für die Erziehung der Kinder, sind die primäre Bezugsperson. Auch Alleinerziehende sind überwiegend Frauen“, sagt die Soziologin.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Connect Images

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