„Unbewusst gelenkt“

Bademeister nennt Warnsignal, bei dem Freibadbesucher lieber gehen sollten

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Der Sommer ist wieder da: Wer zur Erfrischung ins Freibad geht, sollte diese Dinge über Bademeister, Schwimmbecken und die Standorte der Imbissbuden beachten.

Der Duft von Pommes, das Lachen der Kinder und der unverkennbare Chlorgeruch. Bademeister wie Peter Harzheim erleben das im Sommer jeden Tag. Als Präsident des Bundesverbands deutscher Schwimmmeister (BDS) blickt er auf jahrzehntelange Erfahrung in Freibädern und Schwimmbädern zurück und weiß: „Es geht längst nicht mehr nur um Aufsicht am Beckenrand“, sagt er BuzzFeed News Deutschland von Ippen.Media.

In den letzten Jahrzehnten habe sich das Berufsbild des Bademeisters „extrem verändert“. Die Ausbildung sei heute umfassender und dauere drei Jahre, mit Schwerpunkten in Technik, Biologie und Chemie. „Die meisten Leute wissen gar nicht, was ein Bademeister eigentlich alles macht“, betont er.

Bademeister verrät, wie Freibad-Besucher „unbewusst gelenkt“ werden

Heutzutage übernehmen Bademeister viele Rollen: Sie sind nicht nur Aufseher, sondern auch Animateure, Seelsorger und manchmal DJs bei Veranstaltungen. „Neben unserer Aufsichtspflicht motivieren wir die Leute und sorgen dafür, dass alles reibungslos läuft“, so Harzheim. Auch die Gestaltung der Freibäder selbst beeinflusst Badegäste bei ihrem Freibaderlebnis.

Ein Bademeister verrät, mit welchen emotionalen Tricks er Badegäste im Freibad betreut. (Symbolbild)

„Was viele nicht wissen, ist, wie viel Technik in einem Schwimmbad steckt“, erläutert Harzheim. Das Wasser wird durch Sandschichten gefiltert und regelmäßig auf Chlor, pH-Wert und Säurekapazität geprüft. Wenn das Wasser stark nach Chlor rieche, sei das ein Warnsignal, denn was da rieche, sei das an Schmutz gebundene Chlor, sagt er BuzzFeed News Deutschland. In solchen Fällen müsse sofort mehr freies Chlor hinzugefügt werden.

Hygiene sei ein wichtiges Thema in Freibädern. Um Verunreinigungen zu vermeiden, werden Besucher durch „Zwangsführungen unbewusst gelenkt“, wie der Bademeister erklärt. Zäune, Hecken und strategisch platzierte Duschen sorgen dafür, dass Gäste sich reinigen, bevor sie ins Becken gehen. „Durchschreitebecken sind ein gutes Beispiel dafür, wie wir unauffällig Einfluss nehmen: Jeder läuft durch und alle Füße werden sauber.“

Wie Bademeister auf die Emotionen der Badegäste Einfluss nehmen

„Die meisten Wege im Freibad sind bewusst gestaltet“, sagt Harzheim. Snacks und Getränke werden oft weit entfernt vom Beckenrand angeboten. „Es gibt klare Zonen für Essen und Trinken“, erklärt er BuzzFeed News Deutschland. Dies trage dazu bei, die Liegeflächen sauber zu halten.

Auch auf die Emotionen der Badegäste nehmen Bademeisterinnen und Bademeister Einfluss. „Wir Bademeister greifen oft subtil ein, um Konflikte zu entschärfen“, berichtet Harzheim. Bei Unruhen unter Jugendlichen spricht er gezielt den Anführer an, um die Situation zu beruhigen. „Das beruhigt die ganze Gruppe, ohne dass ein großer Aufstand entsteht.“

Wenn jemand im Wasser Panik bekommt, beruhige er die Person durch Zuspruch. „Oft muss sie dann gar nicht mehr gerettet werden und ich bleibe trocken“, scherzt Harzheim. Sollte es dennoch nötig sein, ist er natürlich bereit, ins Wasser zu springen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Panama Pictures

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