Wichtige Urlaubsroute seit Felssturz noch monatelang gesperrt – Österreicher toben nach „trauriger Gewissheit“
VonJohannes Welte
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Ein riesiger Felssturz hat im Dezember den Plöckenpass an der Grenze von Österreich und Italien schwer beschädigt. Einheimische kämpfen jetzt für eine schnelle Wiedereröffnung.
Villach/Udine – Der 1357 Meter hohe Plöckenpass (italienisch: Passo di Monte Croce Carnico) führt über den Karnischen Hauptkamm vom österreichischen Kärnten ins italienische Friaul und stellt die kürzeste Straßenverbindung zwischen München und der Adria dar. Nach 390 Kilometern erreicht man hier über die Felbertauernstraße die Küstenstadt Monfalcone westlich von Triest.
Auf der Tauernautobahn sind es 90 Kilometer mehr. Die von Kötschach-Mauthen im Gailtal (Kärnten) nach Timau in Friaul (Italien) führende Straße hat aber vor allem für die Einheimischen auf beiden Seiten der Grenze eine große Bedeutung.
Heftiger Felssturz in Italien zermalmt die Straße kurz vor der Passhöhe
Am 2. Dezember 2023 beschädigte ein schwerer Felssturz auf italienischer Seite die Straße im Bereich der zwölf Serpentinen unterhalb der Passhöhe, wo die Straße auch durch mehrere Tunnels führt. Die Bauwerke stammen noch großteils aus der Zeit zwischen Ende des Ersten Weltkriegs im Jahr 1918 und 1938, als die durch Kampfhandlungen entstandenen Schäden des schon von Kelten und Römern genutzten Übergangs beseitigt wurden.
40.000 Kubikmeter Material stürzten herab. Die italienische Straßenbaubehörde ANAS kommentierte: „Das Gesicht des Berges hat sich für immer verändert.“Seitdem ist die Straße gesperrt. Auf beiden Seiten der Grenze konnten sich die beteiligten Stellen bislang nicht auf eine Lösung einigen.
Italien: Mehrere Tunnelprojekte sollen den Plöckenpass umgehen
Es existieren schon länger Planungen für einen 7,8 km langen Basistunnel als Verlängerung der Felbertauernstraße, dessen Nordportal etwa sechs Kilometer östlich des Plöckenpasses liegen soll. Es gibt auch den Vorschlag, einen 3,5 Kilometer langen Scheiteltunnel unter dem karnischen Hauptkamm zu graben. Doch die Tunneloptionen scheinen beiden Seiten aufgrund der hohen Kosten, die je nach Lösung bei zwischen 250 und 700 Millionen Euro liegen, nicht realisierbar zu sein. Vor allem würden sie Jahre an Planungs- und Bauzeit benötigen.
Bergstürze, Erdbeben, Lawinen: Die größten Naturkatastrophen der Alpen
Anfang Februar 2024 kündigte die friaulische Landesrätin für Infrastruktur, Christina Amirante, nach einem Treffen mit den Kärntner Kollegen an, dass der Plöckenpass noch „in diesem Jahr“ wieder für den Verkehr freigegeben werden soll. Nach einer Genehmigungsphase bis März soll weiteres loses Gestein entfernt, der Steinschlagschutz verbessert, beschädigte Tunnel und die Fahrbahn repariert werden. Eine provisorische Ausweichroute, um den Plöckenpass während der Bauarbeiten befahrbar zu machen, ist aber nicht vorgesehen.
Politiker wettert über Dauersperre: „Schlag ins Gesicht der Bevölkerung“
„Nach der heutigen Regierungssitzung wird es immer mehr zur traurigen Gewissheit, dass die Sperre der Plöckenpass-Straße auch über den Sommer hinaus andauern wird“, wetterte danach der FPÖ-Landtagsabgeordnete und zweite Landtagspräsident Christoph Staudacher im Gailtal-Journal. „Das ist ein Schlag ins Gesicht der Bevölkerung und aller Unternehmer im Oberen Gailtal sowie in den Osttiroler Regionen.“ Die Befahrbarkeit der Plöckenpass-Straße sei ein wesentlicher Faktor dafür, dass die Wirtschaft und der Tourismus in den betroffenen Regionen funktioniere. „Dass hier über die touristisch wichtigen Sommermonate hinweg nichts geschehen soll, ist inakzeptabel.“
Eine Bürgeraktion versucht jetzt, mit einer Unterschriftensammlung Druck zu erzeugen. Der Verein „So viel mehr. Kötschach-Mauthen“ startete am Ostermontag (1. April) eine Online-Petition. Die Aktivisten fordern einen „unverzüglichen Bau einer Notstraße“ sowie den „Start von raschen Verhandlungen zwischen Friaul und Kärnten für eine definitive und zukunftsfähige Lösung“.
Nach Felssturz: Unterschriftensammlung fordert schnellen Bau einer Notstraße
Die Initiatoren der Unterschriftensammlung sehen in der Dauersperre „eine existenzielle Krise“ für „die Menschen dies- und jenseits der Karnischen Alpen“. Für die Einheimischen bedeutet sie Umwege von bis zu 90 Kilometern. „Der Sommerreiseverkehr, die Motorradsaison in den Alpen, das Harley-Treffen stehen bevor“, berichtet Organisator Ingo Ortner.
Anfang September findet rund um den Faaker See in Kärnten die European Bike Week mit tausenden Teilnehmern statt, vor allem die italienischen Fans der Kult-Marke reisen gerne über den Plöckenpass an. Und Orte wie Greifenburg an Ausweichrouten etwa über das Nassfeld fürchten eine sommerliche Verkehrslawine. Bis Mittwochnachmittag (3. April) hatten 2564 Menschen die Petition unterzeichnet.
Auch andernorts schaffen Felsstürze und Muren in den italienischen Alpen große Probleme. In der Karwoche und an den Feiertagen sorgten heftige Überschwemmungen und Muren zwischen Montblanc und Friaul für Probleme. In Südtirol donnerten mehrere Felsen auf die Straßen.