Erster Schnee sorgt für Debatte um Jahrhundertwinter: Was dafür spricht
VonDominik Jung
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Schnee bis 600 Meter, Frost und Wintergefühle im Oktober – steckt mehr dahinter? Experten erklären, was für und was gegen einen Jahrhundertwinter spricht. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Kassel – Am Sonntag (26. Oktober) war es soweit: In Harz, Taunus, Sauerland und Erzgebirge fielen die ersten Schneeflocken bis in mittlere Lagen. Teilweise reichte es sogar für eine dünne Schneedecke und leichten Bodenfrost. Damit zeigte sich der Winter überraschend früh – und sofort war in sozialen Netzwerken vom angeblich bevorstehenden „Jahrhundertwinter“ die Rede. Doch so spektakulär das klingen mag: Auch wenn laut Bauernkalender ein Oktober-Tag darüber entscheiden kann – solche frühen Schneefälle sind im Spätherbst nichts Ungewöhnliches.
Denn immer wieder kommt es Ende Oktober zu kurzen Kaltlufteinbrüchen, wenn Polarluft nach Mitteleuropa strömt. Der Wintergruß war also eher ein Wetter-Zwischenspiel als ein Vorgeschmack auf monatelange Kälte.
Früher Schnee sorgt für Aufsehen – doch der Herbst schlägt zurück
Schon zu Wochenmitte (29. Oktober) ändert sich die Wetterlage deutlich. Der Wind dreht auf Südwest, und mit ihm gelangt wieder mildere Luft nach Deutschland. Die Temperaturen steigen Tag für Tag an – zum Monatsende und Start in den November sind lokal bis zu 20 Grad möglich, vereinzelt sogar noch etwas mehr. Selbst wenn in den Nächten noch Bodenfrost droht, bleibt es tagsüber meist herbstlich angenehm. Von einem nachhaltigen Wintereinbruch kann also keine Rede sein. Das aktuelle Wetter zeigt vielmehr, wie wechselhaft der Oktober sein kann: ein kurzer Kälteschub, gefolgt von spätherbstlicher Wärme.
November startet mild statt eisig
Auch die mittelfristigen Prognosen geben Entwarnung. Die ersten Novembertage werden voraussichtlich freundlich und mild verlaufen. Typische Höchstwerte liegen meist zwischen 14 und knapp 20 Grad. Lediglich schwache Kaltfronten könnten vorübergehend für etwas Abkühlung sorgen. Insgesamt dominieren jedoch westliche Winde mit feucht-milder Atlantikluft. Ein früher Wintereinbruch ist damit vorerst vom Tisch – stattdessen stehen uns eher goldene Herbsttage bevor.
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Und nun zur entscheidenden Frage: Gibt es Anzeichen für einen Jahrhundertwinter? Dafür sprechen vor allem statistische Überlegungen – nach mehreren milden Wintern steigt die Wahrscheinlichkeit für eine kältere Saison. Auch ein geschwächter Polarwirbel oder bestimmte Meeresphänomene wie La Niña könnten Kältewellen in Europa begünstigen. Dagegen spricht allerdings die derzeit stabile Westströmung, die milde Atlantikluft nach Mitteleuropa führt. Die Langfristmodelle zeigen bis in den Dezember hinein keine dauerhafte Kältephase. Der frühe Schnee ist also kein Vorbote eines Jahrhundertwinters, sondern eher ein kurzes, winterliches Intermezzo – bevor der Herbst noch einmal richtig aufdreht.