Sri Lanka hat zwei Hauptstädte. Sri Jayewardenepura als offizielle Hauptstadt und Colombo als die de facto Hauptstadt des asiatischen Inselstaates.
Sri Jayewardenepura (de jure) und Colombo (de facto) – Die Hauptstädte von Sri Lanka liegen im Westen der Insel und befinden sich sehr nahe beieinander. Die Städte bilden das Zentrum von Geschichte, Kultur und Politik für die Bevölkerung des asiatischen Landes.
Sri Jayewardenepura und Colombo: Geographie und wichtige Daten
Die Stadt Sri Jayewardenepura ist ein Vorort von Colombo. Obwohl die Großstadt Colombo gemeinhin als Hauptstadt des Inselstaates wahrgenommen wird, sitzen Institutionen der Politik wie Parlament und Regierung in Sri Jayewardenepura. Der Grund dafür liegt in der Geschichte des Staates. Alle exekutiven und judikativen Kräfte haben ihren Sitz in Colombo.
Sri Jayewardenepura ist eine Satellitenstadt vor den Toren Colombos und hat lediglich eine Fläche von 17 km², auf der nach Schätzungen etwa 100.000 Menschen leben. In Colombo leben hingegen etwa 650.000 Menschen auf gerade einmal 37km². Beide Städte sind sehr klein und haben eine hohe Bevölkerungsdichte. Die strategische Lage zum indischen Festland hat die Region schon früh ökonomisch wichtig gemacht. Der Hafen von Colombo ist der größte des Landes.
Das Klima in der Region von Sri Jayewardenepura und Colombo ist klassifiziert als ein tropisches Monsunklima. Die Temperaturen und Luftfeuchtigkeit sind ganzjährig hoch bei Durchschnittstemperaturen von 27,4 Grad Celsius und einer durchschnittlichen Luftfeuchte von 75%. Die Bevölkerung ist multiethnisch und multireligiös.
Sri Jayewardenepura und Colombo: Geschichte Sri Jayewardenepura
Der Name der Stadt Sri Jayewardenepura hat eigentlich noch einen weiteren Zusatz. Nämlich ‚Kotte‘, was so viel bedeutet wie Festung. Der komplette Name der Stadt ist also Sri Jayewardenepura Kotte. Das lässt einen Rückschluss auf die Geschichte dieses Ortes zu, denn dieser wurde im 13. Jahrhundert von einem regionalen Herrscher als Festung gebaut. Gelegen war diese Festung am Diyawanna See, wo zwei Flüsse zu einem natürlichen Schutz der Festung zusammenfließen. Die Festung war damals 2,5km² groß. Im Jahr 1391 bekam die Festung den Beinamen Sri Jayawardenepura, bekam von der Politik den Stadtstaus verliehen und wurde Hauptstadt des Königreich Kotte.
Um das Jahr 1505 kamen die Portugiesen nach Sri Lanka und wurden zunächst vom König willkommen geheißen. Die Absichten der Portugiesen waren allerdings kolonialistischer Natur und so ergriffen sie im Jahr 1565 Besitz über die Stadt und ihre Bevölkerung. Später wurde die Stadt allerdings wieder verlassen, da man sich fortwährenden Angriffen eines benachbarten Königreiches ausgesetzt sah. Portugal bestimmte Colombo zur neuen Hauptstadt. Die Kolonialmächte in Sri Lanka sahen allesamt mehr Potenzial in Colombo, sodass Sri Jayawardenepura erst im 19. Jahrhundert wieder aktiv besiedelt wurde. Heute haben die Institutionen der nationalen Politik ihren Sitz in der Stadt.
Sri Jayewardenepura und Colombo: Geschichte Colombo
Der große Vorteil Colombos ist der natürliche Hafen der Hauptstadt. Diesen nutzten in der Geschichte der Stadt bereits viele Völker, um Handel zu treiben. Darunter Inder, Griechen, Perser, Römer und Chinesen. Das erste Volk, welches sich dauerhaft in Colombo niederließ, waren die Araber im 8. Jahrhundert. Noch heute machen deren Nachfahren knapp 10% der Bevölkerung Sri Lankas aus.
Als die Portugiesen im Jahr 1505 in Colombo anlandeten, schlossen sie mit dem lokalen König eine Art regionalen Protektoratsvertrag. Sie sollten die Küste vor Eindringlingen schützen und bekamen im Gegenzug die volle Kontrolle über die Küstenlinie. Die Portugiesen unter Dom Lourenco de Almeida aber verbannten die arabische Bevölkerung aus Colombo und begannen im Jahr 1517 eine Festung zu errichten. Als die europäischen Kolonialisten erkannten, dass sie durch den Besitz Sri Lankas ihre Besitztümer in Indien schützen konnten, beschlossen sie die Insel komplett zu kolonialisieren. Der Plan war, die Führer der Politik, die lokalen Könige, gegeneinander auszuspielen. Diese Taktik funktionierte zunächst sehr gut, sodass man große Teile Sri Lankas einnehmen konnte. Das Königreich Sitawaka schaffte es allerdings dem übermächtigen Angreifer standzuhalten und sogar Landesteile zurückzugewinnen. Zuletzt war der Einfluss Portugals auf Colomo und die Küstenregion beschränkt.
Die Niederländer kamen im Jahr 1638 und versprachen der Bevölkerung, die besetzten Gebiete von den Portugiesen zurückzuerobern. Dafür forderte man ein Monopol auf die Handelsgüter der Insel. Man kam allerdings seinem Versprechen nicht nach, sondern behielt Colombo für sich, nachdem man Portugal vertrieben hatte.
Im Jahr 1796 schließlich trat die nächste große Kolonialmacht auf den Plan. Die Briten eroberten Colombo zurück und besetzten zunächst die europäischen Gebiete Sri Lankas. Das letzte Königreich Sri Lankas war das Königreich Kandy. Waren die Niederländer keine Gefahr gewesen, waren es die Briten umso mehr. Nachdem Kandy einen Protektoratsvertrag ausgeschlagen hatte, verleibte man sich deren Land mit Waffengewalt ein und beherrschte ab dem Jahr 1815 die gesamte Insel und machte sie zur Kronkolonie Britsch-Ceylon. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts trainierten die Briten die Einheimischen in Prozessen der Politik, sodass sie sich selbst verwalten konnten. Außerdem investierte man in Infrastruktur und Wohnraum. Die Unabhängigkeit von Großbritannien wurde im Jahr 1948 friedlich beschlossen und umgesetzt. Im Jahr 1980 beschloss man die Rückverlegung der Hauptstadt nach Sri Jayawardenepura.
Sri Jayewardenepura und Colombo: Politik
Das Zentrum der Politik Sri Lankas ist Sri Jayawardenepura. Im Jahr 1982 zog das Parlament von Colombo zurück nach Sri Jayawardenepura. Die Stadt war in der Geschichte Sri Lankas bis 1565 die Hauptstadt des Landes gewesen. Alle anderen Institutionen der Politik, der Judikative und Exekutive finden sich bis heute in Colombo.
Das Parlament Sri Lankas hat 225 Mitglieder, die für fünf Jahre von der Bevölkerung gewählt werden können. Klassischerweise hat das Parlament den Auftrag, Gesetze für das Land zu entwerfen und zu diskutieren. Es ist nach dem Modell des britischen Parlaments angelegt.
Zusätzlich gibt es in der präsidentiellen Republik einen Präsidenten. Dieser wird in direkter Wahl für 6 Jahre gewählt und ist der Ersatz für das ehemalige Staatsoberhaupt: den britischen Monarchen.
Sri Jayewardenepura und Colombo: Wirtschaft
Im Gegensatz zur Politik ist Colombo seit jeher in der Geschichte Sri Lankas das Zentrum für Wirtschaft und Handel. 40% des Bruttoinlandsproduktes von Sri Lanka wird in Colombo erwirtschaftet. Der Hauptumschlagplatz für Güter aller Art ist der Hafen der Stadt, der der Bevölkerung seit den Anfängen der Stadt im 8. Jahrhundert relativen Wohlstand bietet. Die Haupthandelswaren der Stadt sind Chemieprodukte, Textilien, Glas, Zement, Leder, Möbel und Schmuck.
Sri Jayewardenepura und Colombo: Traditionelle Speisen
Durch die vielen kulturellen Einflüsse der Geschichte auf die Stadt, die nicht bei der Politik Halt gemacht haben, ist die Küche Sri Lankas sehr ausgereift und speziell. Hunderte Jahre Einfluss aus Portugal, Indien, Großbritannien, den Niederlanden und der arabischen Halbinsel vergehen nicht spurlos. Dazu kommen die exotischen Gewürze und Zutaten der Insel selbst. Zu den beliebtesten Gerichten der Insel zählen:
- Rotis: Dies sind Fladen aus Weizenmehl, die entweder pur oder gefüllt gegessen werden. Der Ursprung dieses Grundnahrungsmittels liegt in Indien.
- Puttu: Ein gedämpfter Reiskuchen, der traditionell in der Bevölkerung zum Frühstück gegessen wird. Dazu gibt es entweder Zucker und Bananen, oder Curry.
- Rice and Curry: Kann man fast als die universelle Hauptspeise Sri Lankas betrachten. Dabei kann es auch mal sein, dass man ein Curry mit arabischen Gewürzen bekommt.
- Wadis: Der beliebteste Snack in der Bevölkerung ist kein gesundes Essen, sondern ein fettiges Vergnügen für Zwischendurch. Eine Art Donuts, die entweder süß oder mit eingebackenen Shrimps serviert wird.
- Tee: Als einer der größten Teeproduzenten der Welt, bekommt man in Sri Lanka natürlich auch vor Ort köstlichen Tee.