Sri Lanka war bis 1972 noch als die Insel Ceylon international bekannt. Die Republik hatte in den letzten Jahrzehnten stark mit innenpolitischen Konflikten zu kämpfen. 2022 wurde aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise der Notstand ausgerufen.
- Sri Lanka war noch bis ins 20. Jahrhundert hinein britische Kolonie.
- Das Paradies im Indischen Ozean wurde immer wieder von schweren Umweltkatastrophen heimgesucht.
- Obwohl der Regierungssitz in Jayewardenepura liegt, gilt Colombo als die heimliche Hauptstadt des Landes.
Sri Jayewardenepura/Colombo – Mit einer Fläche von 65.610 Quadratkilometern ist Sri Lanka nicht ganz so groß wie das Bundesland Bayern, besitzt aber mit einer Einwohnerzahl von 22 Millionen Menschen etwa neun Millionen Einwohner mehr als der deutsche Freistaat. Das Land blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück – angefangen von der Kolonialzeit bis in die Gegenwart mit den anhaltenden Konflikten zwischen den Singhalesen und den Tamil. 2022 stürzte die Republik in eine schwere Wirtschaftskrise und rief den Notstand aus. Die Hauptstadt ist Jayewardenepura.
Sri Lanka: Frühgeschichte und Königreiche
Noch bis etwa 5000 vor Christus bestand zwischen Sri Lanka und dem indischen Subkontinent eine Landbrücke. Man geht davon aus, dass bereits vor 28.000 Jahren hier der moderne Mensch ansiedelte. Aber es gibt noch Spuren von Primaten, die bis 125.000 Jahre alt sind. Es ist nur wenig über die indigene Bevölkerung Sri Lankas bekannt. Laut alter Schriften sollen die Nagas und Yakkas die ersten Einwohner des Landes gewesen sein. Von den Letzteren stammen die sogenannten Veddas ab, die es noch heute gibt. Diese vermischten sich mit den Singhalesen und Tamilen, die später einwanderten. Um 250 vor Christus kam auch der Buddhismus nach Sri Lanka.
Im Mittelalter entstanden immer wieder neue singhalesische und tamilische Königreiche, die auch Handel und kulturellen Austausch mit großen Weltreichen pflegten. Bis ins 15. Jahrhundert hinein unternahm vor allem China immer wieder Versuche, sich den strategisch günstigen Handelsknotenpunkt einzunehmen – allerdings ohne Erfolg.
Sri Lanka: Kolonialzeit Ceylons und Weg in die Unabhängigkeit
Im Jahr 1518 kamen die Portugiesen als erste Europäer nach Sri Lanka und eroberten die Küstenregion der Insel. Lediglich im Hochland konnte sich das Königreich Kandy gegen die kolonialen Eroberer behaupten. Im 17. Jahrhundert kamen die Niederländer an die Macht und schlossen Sri Lanka an die Niederländische Ostindien-Kompanie an. 1796 übernahmen schlussendlich die Briten als letzte Kolonialmacht das damalige Ceylon, das 1803 den Status einer Kronkolonie erhielt. 1815 wurde schließlich auch das Königreich Kandy erobert. Unter britischer Herrschaft wurde vor allem der Anbau von Kaffee und Tee in Plantagen gefördert.
Schon während des Ersten Weltkrieges kämpften nationale Bewegungen um Unabhängigkeit, die immerhin eine Verfassungsreform auf den Weg brachten, welche den Einheimischen allerdings wenig politisches Mitspracherecht gewährte. Erst 1948 wurde Ceylon unabhängig innerhalb des Britischen Commonwealth. Dennoch hielten in den Folgejahrzehnten die Konflikte gerade zwischen den Tamilen und Singhalesen weiterhin an – mitunter, weil Singhalesisch 1956 zur offiziellen Amtssprache erklärt wurde. 1972 wurde eine neue Verfassung verabschiedet: Aus Ceylon wurde die Republik Sri Lanka.
Sri Lanka: Bürgerkrieg und Staatskrise
Die anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen den Tamilen und der singhalesischen Regierung gipfelten 1983 in einem Bürgerkrieg. Während tamilische Rebellen der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) einen eigenen Staat forderten, erhielt die Regierung von Sri Lanka Unterstützung von Indien. Der ethnische Konflikt setzte sich trotz zahlreicher Friedensbemühungen noch bis ins 21. Jahrhundert hinein fort. Erst im Mai 2009 konnte die LTTE für besiegt erklärt werden. Unter anderem soll die gesamte Führungselite der LTTE von einer Sondereinheit erschossen worden sein. Bis heute sind die Menschenrechtsverbrechen des Bürgerkriegs nicht vollständig aufgearbeitet.
Die Covid-19-Pandemie hatte Sri Lanka schwer zugesetzt. Nicht nur der ausbleibende Tourismus, auch die steigenden Ölpreise sowie der russische Überfall auf die Ukraine stürzten das Land in eine Wirtschaftskrise. Seit Mai 2022 ist die Republik vom Staatsbankrott bedroht. Es kam zu landesweiten Protesten, bei denen Präsident Gotabaya Rajapaksa aus dem Land floh und sich auf den Malediven absetzte.
Sri Lanka: Das politische System
Der derzeit noch gültigen Verfassung von 1977 nach ist Sri Lanka eine Präsidialdemokratie. Der Präsident regiert auf eine Amtszeit von sechs Jahren und wird direkt vom Volk gewählt. Er ernennt den Premierminister, der die Regierungsgeschäfte übernimmt. Die Legislative liegt beim Parlament, das aus 225 Abgeordneten besteht und ebenfalls alle sechs Jahre in einer Mischung aus Verhältnis- und Mehrheitswahlrecht gewählt wird.
Dass dem Präsidenten eine besonders starke Stellung zukommt, haben die letzten Jahre eindrücklich gezeigt. Unter Präsident Mahinda Rajapaksa wurde das Land von 2005 bis 2015 autoritär regiert. Von 2015 bis 2019 übernahm Maithripala Sirisena das Präsidentenamt und wollte vom autoritären Kurs seines Vorgängers wegkommen. Jedoch ohne Erfolg. Denn schon 2019 wurde Mahindas Bruder Gotabaya Rajapaksa neuer Präsident und Mahinda selbst Regierungschef. Im Juli 2022 wurde der Präsidentenpalast von Demonstranten besetzt und die Führungsriege in die Flucht geschlagen.
Sri Lanka: Fakten im Überblick
- Hauptstadt: de jure: Sri Jayewardenepura, de facto: Colombo
- Amtssprache: Sinhala, Tamil
- Fläche: 65.610 Quadratkilometer
- Einwohnerzahl: 21,9 Millionen (Stand 2020)
- Währung: Sri-Lanka-Rupie (LKR)
- Verwaltungsgliederung: 9 Provinzen, 25 Distrikte
- Religion: Buddhisten (70,2 %), Hindus (12,6 %), Muslime (9,7 %), Christen (7,4 %)
Sri Lanka: Sprachen und Bevölkerung
Die größte ethnische Bevölkerungsgruppe bilden die Singhalesen mit knapp 75 Prozent. Die größte Minderheit stellen die Tamilen mit etwa 15,4 Prozent. Diese unterteilen sich in Sri-Lanka-Tamilen und indische Tamilen. Hinzu kommen noch 9,2 Prozent Moors (tamilischsprachige Muslime). Kleinere Minderheiten bilden die Malaien mit etwa 40.000 Menschen und Burgher mit 37.000 Menschen. Von der indigenen Bevölkerung Sri Lankas existieren nur noch einige wenige hunderte Veddas.
Nach dem Amtssprachen-Streit ist seit 1987 neben dem Sinhala (Singalesisch) auch Tamil offiziell anerkannt. Das Sinhala ist eine indoarische Sprache, das Tamil gehört zu den dravidischen Sprachen. Aber auch Englisch ist als Verkehrs- und Bildungssprache weit verbreitet und ist ebenfalls als Verbindungssprache anerkannt.
Sri Lanka: Geografie und Städte
Sri Lanka befindet sich südöstlich vom indischen Subkontinent, mit dem es vor Tausenden von Jahren noch über eine Landbrücke verbunden war. Davon zeugt auch noch die sogenannte „Adamsbrücke“ – eine Inselgruppe zwischen Talaimannar und Rameswaram in Indien. Neben der Hauptinsel gehören noch 23 weiter Inseln zum Staatsgebiet. Die Nord-Süd-Achse beträgt etwa eine Länge von 435 Kilometern. Die West-Ost-Achse dehnt sich über 225 Kilometer aus.
Das Land gliedert sich in drei geografischen Zonen, von denen die Tiefebenen den größten Teil der Landschaft ausmachen. Die zweite Landschaft umfasst die zahlreichen schönen Küstenregionen. Und die dritte Zone wird bestimmt vom zentralen Hochland, in welchem auch der berühmte „Ceylon“-Tee angebaut wird. Die höchste Erhebung ist der Pidurutalagala – auch Mount Pedro genannt – mit einer Höhe von 2.534 Metern.
Der Regierungssitz von Sri Lanka liegt in Jayawardenepura. Allerdings ist Colombo die größte Stadt der Inselnation. Aus diesem Grund wird es auch als die „geheime Hauptstadt“ Sri Lankas bezeichnet.
Die größten Städte Sri Lankas im Überblick
- 1 Colombo: 561.314 Einwohner, Region Westen
- 2 Kaduwela: 252.041 Einwohner, Region Westen
- 3 Maharagama: 196.423 Einwohner, Region Westen
- 4 Kesbewa: 185.122 Einwohner, Region Westen
- 5 Dehiwala-Mount Lavinia: 184.468 Einwohner, Region Westen
- 6 Moratuwa: 168.280 Einwohner, Region Westen
- 7 Negombo: 142.449 Einwohner, Region Westen
- 8 Sri Jayawardenepura: 107.925 Einwohner, Region Westen
- 9 Kalmunai: 99.893 Einwohner, Region Osten
- 10 Kany: 98.828 Einwohner, Region Zentrum
Sri Lanka: Wissenswertes zum Land
Obwohl die Insel von paradiesischer Schönheit ist, wurde es in den letzten Jahren Opfer verheerender Umwelt- und Naturkatastrophen. Am 26. Dezember 2004 erreichte – ausgelöst durch ein Seebeben im Indischen Ozean – ein riesiger Tsunami den Inselstaat und richtete an der Ost- und Südküste sowie an der Westküste südlich von Colombo ein Bild der Verwüstung an. Dabei wurden über 45.000 Menschen in den Tod gerissen.
Vom 20. Mai bis 01. Juni 2021 stand vor Sri Lanka das Containerschiff X-Press Pearl in Flammen. Acht Container mit Polyethylen-Pellets waren dabei vom Schiff gefallen. Als Folge wurden Öl, Schutt und Plastikteile an die Strände gespült. Die Behörden von Sri Lanka sprachen von der schlimmsten Strandverschmutzung in der Geschichte des Staates.