St. Kitts und Nevis ist ein föderaler Inselstaat auf den kleinen Antillen. Das Land in der Karibik blickt auf eine wechselvolle Kolonialgeschichte zurück. Heute ist das Land ein beliebter Touristenmagnet für Reisende aus den Vereinigten Staaten.
- St. Kitts und Nevis war einst britische Kolonie.
- Das Land wurde 1983 in die Unabhängigkeit entlassen.
- Der Großteil der Einwohner sind Nachfahren afrikanischer Sklaven.
Basseterre – Mit einer Fläche von 261 Quadratkilometern und einer Einwohnerzahl von etwa 53.000 Menschen zählt St. Kitts und Nevis zu den zwölf kleinsten allgemein anerkannten Staaten der Welt. In Deutschland ist auch die Bezeichnung „Föderation St. Kitts und Nevis“ amtlich. Im 17. Jahrhundert kämpften Briten, Franzosen und Spanier um die Vorherrschaft über die Inseln. Heute zieht es vor allem Touristen aus den USA an die paradiesischen Strände.
St. Kitts und Nevis: Erste Besiedlung und Entdeckung durch Kolumbus
Etwa 3000 vor Christus kamen die ersten Menschen auf die Inseln von St. Kitts und Nevis – vermutlich aus Florida. Sie waren in erster Linie Jäger und Sammler, blieben aber nicht dauerhaft hier. Um 400 vor Christus erreichten von Venezuela aus die Saladoiden das Gebiet. Diese wurden allerdings um 800 nach Christus vom Arawak-Volk der Igneri verdrängt. Um 1300 kam es zu einem weiteren Wechsel der Einwohnerschaft, als die Kalinago hier eintrafen. Sie gaben St. Kitts den Namen Liamuiga (fruchtbare Insel) und tauften Nevis auf den Namen Oualie (Land des schönen Wassers).
1493 wurden die Inseln von Christoph Kolumbus entdeckt und im Namen der spanischen Krone in Besitz genommen. Er taufte St. Kitts auf den Namen Sant Jago. Später wurde sie auf Karten allerdings als San Cristobal verzeichnet, woraus sich auch das St. Christopher ableitete, was heute noch im Englischen ebenfalls als offizielle Bezeichnung der großen Hauptinsel gängig ist. Trotz Inbesitznahme wurden die Inseln von Spanien vorerst nicht besiedelt.
St. Kitts und Nevis: Wechselvolle Kolonialgeschichte
Im Jahr 1623 machten die Briten unter der Führung von Sir Thomas Warner den Anfang, die Inseln zu besiedeln. Zwei Jahre später kamen auch die Franzosen nach St. Kitts (bzw. St. Christopher) und errichteten weitere Siedlungen – darunter auch die spätere Hauptstadt Basseterre. Ein Aufstand der Ureinwohner gegen die europäischen Siedler im Jahr 1626 endete in einem blutigen Massaker, bei dem fast die gesamte ursprüngliche Bevölkerung ums Leben kam.
1629 gelang es den Spaniern unter Admiral Álvarez de Toledo y Mendoza, die Siedler aus dem Vereinigten Königreich und Frankreich zu vertreiben und die Inseln komplett für sich zu erobern. Dennoch kehrten die europäischen Konkurrenten bald wieder zurück und stritten weiter um die Vorherrschaft. Am Ende konnte sich Großbritannien durchsetzen und 1783 die Inseln zur britischen Kolonie erheben. Nachdem der Sklavenhandel verboten war, wurden 1830 allein auf St. Kitts um die 20.000 Sklaven befreit. 1882 erfolgte der Zusammenschluss der Inseln St. Kitts, Nevis und Anguilla zu einem gemeinsamen Überseeterritorium.
St. Kitts und Nevis: Komplizierter Weg in die Unabhängigkeit
Nach einem wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruch der Inseln infolge der Weltwirtschaftskrise 1929/1930 entstanden erste Parteien und Gewerkschaften. 1958 trat St.-Christopher-Nevis-Anguilla der Westindischen Föderation bei, die allerdings 1962 wieder aufgelöst wurde. Im Jahr 1967 wurden die Inseln schließlich der Selbstverwaltung überlassen, waren aber immer noch Teil des Vereinigten Königreichs. Allerdings trat Anguilla aus der Föderation aus und wurde 1971 ein eigenständiges britisches Überseegebiet.
Am 19. September 1983 wurde St. Kitts und Nevis endgültig in die Unabhängigkeit entlassen. Sie verblieben aber im Commonwealth of Nations. Seit den 1990er Jahren bemüht die Insel Nevis sich darum, auch von St. Kitts unabhängig zu werden. Eine Volksabstimmung im Jahr 1998 verfehlte aber dazu knapp die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit. Im Jahr 2008 wurde die Todesstrafe wieder eingeführt, um die hohe Kriminalitätsrate im Land zu bekämpfen. St. Kitts zählt zu den Ländern mit den meisten Tötungsdelikten pro Einwohner.
St. Kitts und Nevis: Das politische System
Bereits drei Monate bevor sich St. Kitts und Nevis 1983 von Großbritannien unabhängig machen konnte, wurde eine Verfassung beschlossen, die das Land als eine parlamentarische Monarchie im Commonwealth of Nations mit föderativer Struktur festlegte. Der Britische Monarch ist Staatsoberhaupt und wird durch einen Generalgouverneur vertreten. Die Regierungsgeschäfte übernimmt der Premierminister.
Die Legislative wird von der Nationalversammlung ausgeübt, bestehend aus elf gewählten Repräsentanten und drei vom Generalgouverneur ernannten Senatoren. Acht von den elf Sitzen sind für St. Kitts reserviert, drei für Nevis. Allerdings besitzt Nevis noch ein eigenes – halb autonomes – Parlament. Dieses setzt sich aus drei ernannten und fünf gewählten Mitgliedern zusammen.
St. Kitts und Nevis: Fakten im Überblick
- Hauptstadt: Basseterre
- Amtssprache: Englisch
- Fläche: 261 Quadratkilometer
- Einwohnerzahl: 53.000 (Stand 2020)
- Währung: Ostkaribischer Dollar (XCD)
- Verwaltungsgliederung: 14 Verwaltungsbezirke (Parishes)
- Religion: Anglikaner (36 %), Methodisten (32 %), Katholiken (12 %), Herrnhuter (9 %)
St. Kitts und Nevis: Sprachen und Bevölkerung
Auf den Inseln leben derzeit etwa 53.000 Menschen, von denen die Schwarzen mit etwa 90 Prozent die größte der heimischen Ethnien stellen. Sie sind die Nachkommen der von den Kolonialmächten ursprünglich auf die Inseln gebrachten Sklaven, die einst auf den Zuckerrohrplantagen arbeiten mussten. Etwa fünf Prozent der Einwohner weisen einen gemischtethnischen Hintergrund auf. Südasiaten sind zu etwa drei Prozent vertreten und die Weißen (einschließlich der Briten, Libanesen und Portugiesen) umfassen gerade mal noch ein Prozent. Amtssprache des Landes ist Englisch. Allerdings werden häufig kreolische Dialekte gesprochen.
St. Kitts und Nevis: Geografie und Städte
St. Kitts und Nevis ist Teil der kleinen Antillen, gehört zur Untergruppe der Inseln über dem Winde bzw. der nördlichen Untergruppe der Leeward Islands. Im Nordwesten befinden sich Sint Eustatius, Anguilla, die Jungferninseln und Puerto Rico. Südöstlich liegen Antigua und Barbuda, Montserrat und Guadeloupe. St. Kitts selbst besitzt eine Fläche von 168,4 Quadratkilometern. Nevis umfasst 93,2 Quadratkilometer. Die beiden Inseln sind durch einen drei Kilometer breiten Kanal voneinander getrennt.
Der Inselstaat liegt am östlichen Rand der Karibischen Platte in der sogenannten Subduktionszone, in der die Südamerikanische Platte unter die Karibische geschoben wird. Aus diesem Grund kommt es auf den kleine Antillen auch immer wieder zu vulkanischer Aktivität und Erdbeben. Auch der Inselstaat ist vulkanischen Ursprungs.
Nur etwa ein Drittel der Einwohner wohnt in einem der beiden großen Städten von St. Kitts (Basseterre) und Nevis (Charlestown). Der Rest der Einwohner verteilt sich auf die umliegenden Dörfer.
Die größten Städte und Orte von St. Kitts und Nevis im Überblick
- 1 Basseterre: 12.920 Einwohner, Region Saint George Basseterre
- 2 Charlestown: 1.538 Einwohner, Region Saint Paul Charlestown
- 3 Saint Paul’s: 1.183 Einwohner, Region Saint Paul Capisterre
- 4 Saddlers: 986 Einwohner, Region Saint John Capisterre
- 5 Middle Island: 887 Einwohner, Region Saint Thomas Middle Island
- 6 Tabernacle: 789 Einwohner, Region Saint John Capisterre
- 7 Cayon: 788 Einwohner, Region Saint Mary Cayon
- 8 Sandy Point: 780 Einwohner, Region Saint Anne Sandy Point
- 9 Mansion: 690 Einwohner, Region Christ Church Nichola Town
- 10 Nichola Town: 650 Einwohner, Region Christ Church Nichola Town
St. Kitts und Nevis: Wissenswertes zum Land
Bis 1970 war der Anbau von Zucker noch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Inzwischen ist die Zuckerproduktion völlig zum Erliegen gekommen. Stattdessen boomt der Tourismus. Jährlich kommen fast zehnmal so viele Touristen ins Land als St. Kitts und Nevis Einwohner haben. Die meisten davon kommen aus den USA – viele per Kreuzfahrtschiff – und genießen die paradiesischen Strände des Landes.
Aber auch die Flora und Fauna hat einiges zu bieten. So bestimmen auf den Vulkaninseln tropische Regenwälder und Königspalmen das Landschaftsbild. Zu den beeindruckenden Gewächsen zählt der Flammenbaum mit seinen roten Blüten. Die Tierwelt weist zahlreiche Vogelarten auf. Eine Besonderheit sind aber auch die Südlichen Grünmeerkatzen. Diese Affenart wurde im 17. Jahrhundert von Franzosen importiert und hat sich schnell vermehrt. Inzwischen gibt es mehr Affen als Einwohner im Land.