Erdbeben erschüttern Region

Island: Vulkangefahr steigt – auch in der Hauptstadt Reykjavik

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Zwei Erdbeben haben am Mittwoch die Halbinsel Reykjanes erschüttert. Ein neuer Ausbruch wird befürchtet. Auch in der Hauptstadt selbst steigt die Vulkan-Gefahr.

Reykjavik – Eigentlich wartet man in Island im Süden der Halbinsel Reykjanes auf einen neuen Vulkanausbruch in der Nähe der Eruption von Mitte Dezember. Doch nun sorgen zwei Erdbeben etwa 30 Kilometer näher an der Hauptstadt Reykjavik für Unruhe. Die Erdstöße mit der Magnitude von 4,5 und 3,9 wurden am späten Mittwochvormittag registriert, auch eine Reihe von Nachbeben gab es. Die Beben ereigneten sich im Vulkansystem Krysuvik etwa 25 Kilometer südlich von Reykjavik in einer Tiefe von etwa fünf Kilometern und waren in vielen Teilen Süd- und Westislands zu spüren. Ursache sind Experten zufolge tektonische Bewegungen, die zu Rissen in der Erdkruste führen können, in denen Magma aufsteigt.

Im Dezember öffnete sich nahe der Hafenstadt Grindavik eine Vulkanspalte.

Vulkansystem erstreckt sich bis in Islands Hauptstadt

Das Spaltsystem des Krysuvik-Vulkans erstreckt sich bis an den Raudavatn-See am östlichen Stadtrand von Reykjavik. Der isländische Vulkanologe Haraldur Sigurdsson drängt darum darauf, dass im Hauptstadtgebiet eine Risikobewertung hinsichtlich der Erdkrustenbewegungen vorgenommen wird.

Diese Karten zeigen, dass die Erde zwischen dem vorigen Ausbruch beui Svartsengi und Reykjavik bebte,

„Ich denke, dies ist der Beginn eines mehrjährigen Prozesses der Krustenbewegung“, sagt er in der Zeitung Visir. „Die wird Jahrzehnte lang andauern, schätze ich.“ Der Forscher prognostiziert, dass weitere Gebiete der Reykjanes-Halbinsel bis hin zur Ortschaft Hengill 27 Kilometer östlich von Reyjkavik aktiv sein werden. 

Das Vulkansystem Krysuvík sei ein beachtlicher Vulkanherd. Erst im Sommer war der Vulkankrater Litli-Hrútur unweit der Epizentren der Beben ausgebrochen. Das Krysuvík-System reiche bis vor die Tore Reykjaviks. „Es gibt überall Risse, genau da. Es besteht also im Hauptstadtgebiet eine gewisse Gefahr“, sagt der Vulkanologe. Im Ballungsraum der Hauptstadt leben über 234.000 Menschen. Sogar direkt unter dem Stadtteil Hádegísmóa könne sich in einem Spalt Magma befinden, sagt er.

Vulkanologe: Lava könne bis in Reykjaviks Vororte fließen

Der Vulkanologe Ármann Höskuldsson fürchtet, dass bei einer Eruption des Krysuvík Lava in Richtung des Hauptstadt-Vorortes Hafnarfjördur fließen könne. Daher gelte es bald zu prüfen, welcher Lavaschutz dort eingebaut werden könne. „Es gibt dort zu viel Bebauung, sowohl ein wichtiges Industriegebiet als auch ein so großes Wohngebiet“, so der Wissenschaftler in Visir.

Die Beben ereigneten sich unweit des Vulkans Litli-Hrútur, der erst von Juli bis August Lava spie.

Auch ein weiterer Vulkanologe, Thorvaldur Thórdrson, sagt gegenüber der Zeitung, dass die Beben darauf hindeuten, dass sich die seismische Aktivität langsam Richtung Reykjavik verlagert. „Wir sind in eine Zeit der Vulkanausbrüche auf der Halbinsel Reykjanes eingetreten“, so Thorvaldur.

Im Süden der isländischen Halbinsel könnte es bald den nächsten Ausbruch geben

Als Nächstes erscheint jedoch ein neuer Ausbruch in der Nähe der Eruptionen im Dezember in Svartsengi und Grindavík als wahrscheinlich: „Die Landhebung verlangsamt sich, und das könnte ein Hinweis darauf sein, dass wir dort unten einen so hohen Druck erreicht haben, dass die Kruste so stark gedehnt wurde, dass sie möglicherweise fast den Bruchpunkt erreicht hat. Wenn es bricht, entsteht ein Riss, um den Riss herum kann Magma aufsteigen und es kann ausbrechen“, sagt Thorvaldur.

Vulkanausbruch nach Erdbeben auf Island – Bilder vom Naturspektakel

Der Himmel färbt sich orange: Der Vulkanausbruch auf der Reykjanes-Halbinsel ist von der isländischen Hauptstadt Reykjavik aus zu sehen. Zahlreiche Menschen fotografierten das Naturspektakel.
Der Himmel färbt sich glühend hell: Der Vulkanausbruch auf der Reykjanes-Halbinsel ist von der isländischen Hauptstadt Reykjavik aus zu sehen.  © Brynjar Gunnarsson/dpa
Dichte Rauchsäulen und glühende Lava: Das Bild zeigt sich auf der Halbinsel Reykjanes drei Kilometer nördlich von Grindavik im Westen Islands. Der Vulkan ist am 18. Dezember nach einer Erdbebenserie ausgebrochen.
Dichte Rauchsäulen und glühende Lava: Das Bild zeigt sich auf der Halbinsel Reykjanes drei Kilometer nördlich von Grindavik im Westen Islands. Der Vulkan ist am 18. Dezember ausgebrochen. © ICELANDIC COAST GUARD/AFP
Rettungskräfte und Forschende beobachten den gigantischen Ausbruch aus einem Flugzeug heraus, nur drei Kilometer nördlich von der Hafenstadt Grindavik.
Rettungskräfte und Forschende beobachten den gigantischen Ausbruch aus einem Flugzeug heraus, nur drei Kilometer nördlich von der Hafenstadt Grindavik.  © ICELANDIC COAST GUARD/AFP
Ein Mitglied eines Sicherheitsteams steht an einem Einsatzfahrzeug und blickt in Richtung eines Vulkans.
Ein Mitglied eines Sicherheitsteams steht an einem Einsatzfahrzeug und blickt in Richtung eines Vulkans. © Marco Di Marco/dpa
Nach einer Erdbebenserie auf Island droht ein Vulkan auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Reykjavik auszubrechen. Geologen installieren deshalb zahlreiche Seismografen auf der Nordatlantik-Insel. Die Erschütterungen hatten vor knapp zweieinhalb Wochen begonnen. Seitdem kam es zu Tausenden Beben, die am Freitagnachmittag nochmals an Stärke und Häufigkeit zunahmen.
Nach einer Erdbebenserie in Island drohte ein Vulkan auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Reykjavik auszubrechen. Geologen installierten deshalb zahlreiche Seismografen auf der Nordatlantik-Insel. Die Erschütterungen hatten Ende Oktober begonnen. Seitdem kam es zu Tausenden Beben. © Raul Moreno/dpa
Der Berg Thorbjörn ist ein vulkanischer Berg, der die Stadt Grindavik von der Blauen Lagune trennt. Die Erschütterungen in Island könnten noch heftiger werden und letztlich zu einem Ausbruch führen.
Der Berg Thorbjörn ist ein vulkanischer Berg, der die Stadt Grindavik von der Blauen Lagune trennt. Die Erschütterungen in Island führten nun zu einem Ausbruch. © Raul Moreno/dpa
Neben der Blauen Lagune steigt Dampf vom geothermischen Kraftwerk Grindavik auf. Das Kraftwerk versorgt den Hauptflughafen Keflavik und die Region im Süden mit Strom. Ein Vulkanausbruch könnte die Infrastruktur lahmlegen.
Neben der Blauen Lagune stieg im November Dampf vom geothermischen Kraftwerk Grindavik auf. Das Kraftwerk versorgt den Hauptflughafen Keflavik und die Region im Süden mit Strom. Der Vulkanausbruch könnte die Infrastruktur lahmlegen. © Raul Moreno/dpa
Angesichts der anhaltenden Erdbebenserie und eines möglicherweise bevorstehenden Vulkanausbruchs ist auf Island eine der größten Touristenattraktionen des Landes vorübergehend gesperrt worden. Das Geothermalbad Blaue Lagune bleibt voraussichtlich bis zum 16. November geschlossen.
Angesichts der anhaltenden Erdbebenserie und eines des bevorstehenden Vulkanausbruchs wurde auf Island eine der größten Touristenattraktionen des Landes vorübergehend gesperrt: Das Geothermalbad Blaue Lagune blieb geschlossen. © Blue Lagoon Iceland/dpa
Die Hafenstadt Grindavik auf der Halbinsel Reykjanes im Südwesten des Landes wird von dem möglichen Vulkanausbruch bedroht. Sicherheitshalber haben die isländischen Behörden die rund 3700 Anwohnerinnen und Anwohner in der Nacht zu Samstag (11. November) evakuiert.
Die Hafenstadt Grindavik auf der Halbinsel Reykjanes im Südwesten des Landes wird von dem Vulkanausbruch bedroht. Sicherheitshalber hatten die isländischen Behörden die rund 3700 Anwohnerinnen und Anwohner bereits in der Nacht zu Samstag (11. November) einmal evakuiert. © Raul Moreno/dpa
Nach seismischer Aktivität stieg Dampf aus einer Spalte in einer Straße. Infolge des Erdbebenschwarms teilten breite Risse regelrecht ganze Straßen.
Nach seismischer Aktivität stieg Dampf aus einer Spalte in einer Straße. Infolge des Erdbebenschwarms teilten breite Risse regelrecht ganze Straßen. © Brynjar Gunnarsson/dpa
Zahlreiche Straßen in Grindavik sind durch die Erschütterungen in gerissen und in sich zusammengesackt. Unterhalb der Stadt verläuft ein 15 Kilometer langer Magma-Tunnel bis unter den Meeresboden. Die ersten Spalten werden bereits wieder zugeschüttet.
Zahlreiche Straßen in Grindavik sind durch die Erschütterungen gerissen und in sich zusammengesackt. Unterhalb der Stadt verläuft ein 15 Kilometer langer Magma-Tunnel bis unter den Meeresboden. Die ersten Spalten wurden bereits wieder zugeschüttet. © imago
Bei den Erdbeben ist auch ein Riss in der Fassade eines Hauses entstanden. Die seismische Aktivität beschädigte Straßen und Gebäude in der Stadt. Nach Angaben des Zivilschutzchefs Vídir Reynisson seien die Schäden größer als bisher angenommen.
Bei den hunderten Erdbeben ist auch ein Riss in der Fassade eines Hauses entstanden. Die seismische Aktivität beschädigte Straßen und Gebäude in der Stadt. Nach Angaben des Zivilschutzchefs Vídir Reynisson seien die Schäden größer als bisher angenommen.  © Kjartan Torbjoernsson/AFP
Eine kilometerlange Schlange von Autos hatte sich vor Grindavik gebildet. Die Einwohnerinnen und Einwohner durften am Montag (13. November) und Dienstag (14. November) kurz in ihre Häuser zurückkehren und wichtige Dinge in Sicherheit bringen. Die Lage auf der von einem Vulkanausbruch bedrohten isländischen Halbinsel Reykjanes hatte sich in der Nacht zu Montag etwas beruhigt.
Eine kilometerlange Schlange von Autos hatte sich vor Grindavik gebildet. Die Einwohnerinnen und Einwohner durften am Montag (13. November) und Dienstag (14. November) kurz in ihre Häuser zurückkehren und wichtige Dinge in Sicherheit bringen. © Brynjar Gunnarsson/dpa

Am Abend des 18. Dezember 2023 brach nördlich von Grindavik eine rund drei Kilometer lange Lava-Spalte auf. Die Küstenwache musste wegen Schaulustiger eingreifen. Die Intensität des Ausbruchs ließ schnell nach, die Lava floss lediglich in unbewohntes Gebiet. Auch in Italien gab es lange Befürchtungen, dass der Supervulkan der phlegräischen Felder ausbrechen könnte. Derzeit ist die Lage dort relativ ruhig. Wie gefährlich Vulkanausbrüche seien können, zeigte Anfang Dezember die Eruption des Marapi in Indonesien, die 23 Menschenleben forderte.

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