VonChristoph Gschoßmannschließen
In Hagen in Nordrhein-Westfalen sind die wohl bisher ältesten Überreste von Menschen gefunden worden. Rätsel gibt es um den Tod des dabei gefundenen Kindes.
Hagen – Sensationsfund in Nordrhein-Westfalen: Bei Ausgrabungen an der Blätterhöhle in Hagen haben Archäologen menschliche Überreste aus der späten Altsteinzeit entdeckt. Es handelt sich um ein Unterkieferfragment, Zähne und Zahnfragmente eines etwa sieben Jahre alten Kindes sowie den Zahn eines Erwachsenen – das berichtete Georg Lunemann, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), am Freitag (26. Mai 2023) bei der Vorstellung der Funde. Diese „grenzen an eine Sensation“, sagte Lunemann. Mit einem Alter von etwa 12.000 Jahren handelt es sich nach Angaben des LWL um die ältesten Homo-sapiens-Funde in Westfalen.
Sensationsfund in Hagen: Menschen lebten wohl vor der Blätterhöhle – nicht darin
Die Höhle im Sauerland diente den Menschen wohl nicht als Behausung: Die Forscher gehen davon aus, dass die Menschen nicht in der Höhle lebten, sondern sich auf dem Vorplatz der Höhle aufhielten. Ob das Kind dort beerdigt wurde oder bei einem Unfall ums Leben kam, sollen weitere Untersuchungen zeigen. Die Grabungen an der Blätterhöhle sollen im August fortgesetzt werden. Auch bei Bauarbeiten im Landkreis Rotenburg in Niedersachsen war zuletzt eine bisher unbekannte vorgeschichtliche Siedlung ans Tageslicht gekommen.
Der Klimawandel beeinflusst nicht nur unsere Gesellschaft aktuell, sondern wohl auch die von vor 12.000 Jahren. Die neuen Funde deuten demnach darauf hin, dass es vor 12.000 Jahren innerhalb kurzer Zeit zu einem Klimawandel kam, wie Michael Baales, Archäologe des LWL, berichtete. „Dieser Wandel hat zu einer Migration von Tier und Mensch aus benachbarten Gegenden in unsere Region geführt. Das belegen auch die zahlreichen Steingeräte, die wir gefunden haben.“
So seien Steinspitzen entdeckt worden, die man bislang nur aus dem heutigen Frankreich kannte. Dies führe ihn einmal mehr zu der Erkenntnis, „wie mobil die damaligen Menschen in Europa waren und wie rasch sie sich an neue Gegebenheiten anpassen konnten“. Laut Erkenntnissen der Wissenschaft begann die Besiedlung Europas durch die Gattung Homo sapiens vor etwa 45.000 Jahren, zunächst noch gemeinsam mit der aussterbenden Gattung der Neandertaler.
Erster Fund in der Blätterhöhle in NRW im Jahr 2004
Im Jahr 2004 wurden zum ersten Mal menschliche Knochen an der 91,5 Meter langen Blätterhöhle gefunden. Angeregt von diesem Fund, führen Forscher dort regelmäßig Grabungen durch. Bislang waren bereits Überreste aus einem frühen Abschnitt der Mittelsteinzeit sowie aus der späten Jungsteinzeit geborgen worden. Die Blätterhöhle wurde 1983 entdeckt. Auch bei Ausgrabungen an der 5000 Jahre alten Moorsiedlung Hunte 1 machten Forscher eine spektakuläre Entdeckung. (cgsc mit dpa)
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