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Mit Zug und Rad nach Italien: Dieses beliebte Angebot der österreichischen Bahnen wird im kommenden Frühjahr drastisch eingeschränkt.
München – Mit der Bahn zur Fahrradtour durch die Dolomiten oder rund um den Gardasee oder gar an der italienischen Adria: Tausende Urlauber nutzen jedes Jahr die Möglichkeit der Fahrradmitnahme in den Eurocity-Zügen der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Zwischen München, Bologna und Rimini bzw. Venedig passen in jedem der acht Waggons je zwei Fahrräder hinein.
Bislang Platz für über 40 Fahrräder im Zug
Außerdem wird im Sommer ein Gepäckwaggon mitgeführt, in den laut Allgemeinen Fahrradclub Deutschland (ADFC) nochmals 20 bis 30 Drahtesel passen. Die ÖBB schreiben auf ihrer Homepage: „Auf der Strecke Bologna-Bozen-Innsbruck-München herrscht ein hohes Aufkommen von Fahrradmitnahmen.“
Doch im April 2024 wird es für Radfahrer eine drastische Änderung geben: Dann sollen die neuen Railjet-Züge die Strecken bedienen. Die sollen durch mehr Komfort glänzen, haben dann aber im ganzen Zug nur Platz für insgesamt sechs Fahrräder.
Laura Ganswindt, Pressesprecherin des ADFC-Bayern, ist entsetzt: „Ein deutlicher Rückschritt, was die Fahrradmitnahme betrifft!“ Die Nachfrage sei riesig: Die Radreiseanalyse des ADFC habe 2022 ergeben, dass Italien und Österreich die beliebtesten Ziele für mehrtägige Radreisen im Ausland gewesen seien. Insgesamt gesehen sei von 2019 bis 2022 die Zahl der Fahrräder in Fernverkehrszügen um 15 Prozent gestiegen.
Ab 2024 nur noch sechs Fahrräder im nagelneuen Railjet-Zug
Die ÖBB verteidigt ihre Entscheidung, die Fahrradplätze in den Railjets nach Italien kräftig zusammenzustreichen: „Bei Fahrradplätzen geht es immer um eine Abwägung, ob es mehr Sitz oder Fahrradplätze gibt. Fahrradplätze sind an nur sehr wenigen Tagen im Jahr voll gebucht, die restliche Zeit ungenützt“, so eine ÖBB-Sprecherin. Die Sitzauslastung sei das gesamte Jahr über auf dieser Strecke sehr hoch.
Wieso man nicht einfach weiter den Gepäckwagen im Sommer mitführt? „Beim Railjet mit einer Geschwindigkeit von bis zu 230 km/h können nicht einfach Gepäckwagen angehängt werden, Gepäckwagen sind auch beim ICE nicht möglich.“ Was seltsam erscheint: Auf der Brennerbahn dürfen die Züge laut Wikipedia maximal 180 km/h fahren, im Inntal nur 160 km/h im Tiroler Teil und in bayerischen sogar nur 140 km/h. Das gilt auch für den Railjet.
Als Alternativen für den Fahrradtransport verwiesen die ÖBB gegenüber dem Portal cycle-around-europe.de auf den Nahverkehr oder die Möglichkeit, Fahrräder als Gepäckstück zu versenden. Das bedeutet aber: Eine bis zweieinhalb Stunden längere Fahrzeit und drei bis vier Mal Umsteigen, was mit Rad und Gepäck nicht gerade komfortabel ist. Und der Versand scheint nicht ganz unkompliziert zu sein und ist laut ÖBB-Homepage nur bis bzw. nach Südtirol möglich (drei Tage Lieferzeit, Verpackung nötig). Eine Nachfrage zum Versand ließen die ÖBB bis zur Veröffentlichung des Textes unbeantwortet.
„Das war eine echte Alternative zum Auto“
Die User von cycle-around-europe.de sind enttäuscht: „Für uns war das eine echte Alternative zur Anfahrt per Auto.
Gerade in der Hochsaison waren die Stellplätze doch voll“, so eine Annette. Ein Walter antwortet: „Ich bin auch schon mehrfach mit dem Rad mitgefahren. Und es war immer schon schwierig mit der Rückfahrt, wenn man nicht vorher von Deutschland oder Österreich aus vorgebucht hatte. In Zukunft sehe ich da ganz schwarz.“ Die Nahverkehrszüge am Brenner seien ohnehin ständig überfüllt.
Frank Wessel, bayerischer Landes-Beauftragter des ADFC für „Fahrrad & ÖV“, vergleicht die Situation bei der ÖBB mit der bei der Deutschen Bahn: „Auch bei der DB gab es früher IC-Züge mit Platz für bis zu 16 Fahrräder.“ Die jetzigen Waggons der Brennerbahn seien noch aus dieser Phase.
Fahrrad-Lobby gibt Hoffnung nicht auf
Bei den deutschen ICE-Zügen habe es lange Zeit gar keine Radmitnahme gegeben, die neuen ICE-Züge hätten nun Platz für acht Fahrräder, andere für drei. Wessel: „Zynisch gesagt: Immerhin hat diese Zugverbindung nach Bologna/Rimini die Phase ,keine Radmitnahme‘ überspringen können.“
Doch Wessel hat noch Hoffnung: „Bleibt festzustellen, dass die ÖBB erfahrungsgemäß schneller und besser auf Trends wie ,Urlaub mit Rad‘ reagiert als die DB. Gerade die Railjets sind ein Beispiel dafür.“ Die erste Generation hatte zunächst gar keine Radmitnahme, wurde aber recht bald auf fünf bis sieben Räder pro Zug nachgerüstet und das könnte ja auch bei der 2. Generation geschehen. „Das gibt Grund zu der Hoffnung, dass die ÖBB die Zahl der Radstellplätze irgendwann erhöhen wird.“
Für Bahnreisende gibt es aber auch eine erfreuliche Nachricht: Die Deutsche Bahn und Österreichische Bundesbahnen kündigen neue Verbindungen für Nachtzüge an. Derweil sorgte kürzlich ein 25.000 Euro teures Nachtzug-Ticket in Italien für Diskussionen.


