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Ab April kommenden Jahres fahren nagelneue Züge mit mehr Komfort von München nach Italien. Ab 2025 könnte ein italienischer Superzug noch schneller über den Brenner düsen.
München/Wien/Rom – Mit neuem Design auf der Schiene von Bayern über Österreich nach Italien: Mit zwei Jahren Verspätung wollen die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) ab April 2024 modernes Zugmaterial auf den Eurocity-Strecken von München über Verona nach Bologna und Rimini beziehungsweise von München nach Venedig in Betrieb nehmen. Unter anderem hatte die Corona-Pandemie den Hersteller Siemens in Verzug gebracht.
Die neuen Züge, die jetzt endlich ausgeliefert werden sollen, sind die zweite Railjet-Generation, die von Siemens, ÖBB und dem britischen Designstudio PriestmanGoode entwickelt und designt wurden. Die über 500 Sitzplätze verteilen sich auf Großraumwagen, es gibt auch wieder Abteile.
Ab 2024 mehr Komfort in den neuen Zügen von München nach Italien: Sitze können in ein Sofa verwandelt werden
Acht Züge, die dem deutschen Intercity-Standard entsprechen, wurden bestellt. Die Sitze sind individuell verstellbar, mit Fußstützen ausgestattet und mit einigen Handgriffen lassen sich Doppelsitze zu einer Art Sofa umbauen, versprechen die ÖBB. Dazu wird die Mittellehne entweder hochgeklappt oder versenkt.
Neben Steckdosen und USB Ladesteckern kommt laut ÖBB auch eine Induktionslademöglichkeit für kabelloses Laden von Handys hinzu. In der 1. Klasse sitzen Reisende außerdem auf hochwertigem Leder und umgeben von Echtholz. Das etwas klein geratene Bordrestaurant bietet sechs Sitze auf Bistrobänken und sechs Plätze an der Bar.
Mehreren Snackzonen sollen im Zug die Fahrgäste an Snack- und Heißgetränkeautomaten versorgen, wo auch Reiseutensilien wie Kopfhörer gekauft werden können. Außerdem sind laut ÖBB sechs Radstellplätze vorhanden, auch Ski oder Snowboards lassen sich bequem verstauen. Für Radfahrer ist das allerdings ein Nachteil, denn bislang ist in einem mitgeführten Gepäckwagen des alten Eurocity viel mehr Platz für Drahtesel, als künftig im neuen Railjet.
Neuer österreichischer Zug ersetzt Uralt-Waggons
Am Fahrplan ändert sich zwar nichts, täglich verkehren pro Richtung fünf Direktzüge von München nach Verona, aktuell fahren davon drei weiter nach Bologna, im Sommer sogar bis Rimini. Ein Eurocity fährt nach Venedig. Die Anzahl der Sitzplätze bleibt in etwa gleich. Die jetzigen aus den 70er Jahren stammenden Waggons sind abgenutzt und nicht sehr laufruhig. Die Polster sind teils durchgesessen, die Gepäckablagen klappern.
Der Railjet der ersten Generation verkehrt seit 2008 im österreichischen Fernverkehr und auch zwischen München und Wien. Auch Frankfurt, Berlin, Prag, Budapest, Bozen, Venedig und Zürich werden von Österreich aus damit angefahren. Die komfortablen Railjet-Züge gelten bei den Fahrgästen als sehr beliebt. Die Züge der ersten Generation sollen von Anfang 2024 bis Ende 2028 nach dem Vorbild der zweiten upgegradet werden.
Italienische Staatsbahn steigt in das Rennen über den Brenner ein
Ein Problem werden die neuen Railjets nicht lösen: Die jetzigen Eurocity-Züge sind meist proppenvoll, die Kapazität wird sich jedoch nicht erhöhen. Abhilfe könnte dieser Plan der italienischen Staatsbahnen FS schaffen: Ende 2025 bzw. Anfang 2026 sollen Hochgeschwindigkeitszüge des Typs Frecciarossa von Rom bis München einmal täglich verkehren, eine Verlängerung nach Berlin ist zudem schon geplant.
Auch Mailand soll direkt mit diesen komfortablen Zügen mit München verbunden werden. Da der Superzug in Brixen, Franzensfeste, Jenbach und Wörgl nicht hält und die teils halbstündigen Pausen am Brenner wegfallen, wäre der „Rote Pfeil“ viel schneller zwischen Verona und München unterwegs, als der Eurocity bzw. der Railjet. Die Fahrt von Mailand nach München, die derzeit nur mit Umstieg in Verona möglich ist, soll sich von jetzt zwischen gut sieben bis acht Stunden auf sechseinhalb Stunden reduzieren. Nach Rom wäre man dann gut achteinhalb Stunden unterwegs. Derzeit beträgt die Fahrzeit mit Umsteigen gut neun Stunden.
Brennerbasistunnel spart eine Stunde Fahrtzeit
Wenn der Brennerbasistunnel (frühestens 2030) fertig wird, verkürzt sich die Fahrzeit um eine weitere knappe Stunde. Weitere Tunnels sollen ebenfalls bis dahin in Tirol und Italien fertig werden. Die Umfahrung Trient ist in Bau, beim Tunnel Franzenfeste-Waidbruck steht der Start der Arbeiten kurz bevor. Eine Zugfahrt von München nach Rom könnte nach Inbetriebnahme der Tunnels dann nur noch gut sieben Stunden dauern.
Die Deutsche Bahn (DB) setzt indes wieder auf Nachtzüge und baut Verbindungen nach Österreich deutlich aus. So soll es ab dem DB-Fahrplanwechsel im Dezember 2023 in Zusammenarbeit mit den Kollegen der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) wieder mehr Nachtzüge nach Österreich geben.


