- VonBettina Menzelschließen
Laut einer neuen Studie muss sich Europa warm anziehen. Ein Zusammenbruch wichtiger Meeresströmungen könnte einen zweistelligen Temperaturabfall zur Folge haben.
Utrecht – Die globalen Temperaturen waren im Januar 2024 höher als je zuvor in diesem Monat seit Beginn der Aufzeichnungen, wie der EU-Klimawandeldienst Copernicus am Donnerstag (8. Februar) mitteilte. Erstmals lagen die Temperaturen über einen Zeitraum von zwölf Monaten durchschnittlich über 1,5 Grad höher als im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter. Klimaforscher warnen seit Jahrzehnten vor den Konsequenzen der globalen Erwärmung. Ein Forscherteam der Universität Utrecht untersuchte nun mithilfe komplexer Computermodelle die Veränderungen der Meeresströmungen – mit einem beunruhigenden Ergebnis, vor allem für Europa.
Atlantische Meeresströmungen als Klimaanlage Europas: „Schwächster Zustand seit über einem Jahrtausend“
Die atlantische meridionale Umwälzzirkulation (“Atlantic meridional overturning circulation“, kurz Amoc) gilt als Klimaanlage Europas. Meeresströmungen wie etwa der Golfstrom transportieren Wärme, aber auch Nährstoffe und Salz wie ein Förderband um den Globus. Dadurch ist das Klima in Europa vergleichsweise mild. Die Wassermassen bewegen sich durch die sogenannte thermohaline Zirkulation, welche aufgrund der Unterschiede in Salzgehalt und Temperatur funktioniert. Diese Faktoren beeinflussen die Dichte des Wassers und damit dessen Bewegung: je kälter und salzhaltiger, desto schwerer. Niederschläge und Eisschmelze wiederum beeinflussen den Salzgehalt der Ozeane. Die Klimaerwärmung trägt ihren Teil zur Beschleunigung der Schmelze bei, etwa beim grönländischen Eisschild. Mit offenbar dramatischen Konsequenzen.
Forscher der Universität Utrecht haben nun mithilfe eines Computermodells erstmals ein Frühwarnsignal für den Zusammenbruch der atlantischen meridionalen Umwälzzirkulation (Amoc) entwickelt. Die Daten zeigen, dass sich Amoc derzeit im „schwächsten Zustand seit über einem Jahrtausend befindet“, so die Wissenschaftler. „Dieses Ergebnis unterscheidet sich erheblich von früheren Modellsimulationen.“ Das sei „eine schlechte Nachricht für das Klimasystem und die Menschheit, denn bisher konnte man davon ausgehen, dass das AMOC-Kippverhalten nur ein theoretisches Konzept ist und das Kippverhalten verschwinden würde, sobald das gesamte Klimasystem mit all seinen zusätzlichen Rückkopplungen berücksichtigt wird“, hieß es in der Studie.
Über die Studie
Datengrundlage der Studie „Physics-based early warning signal shows that AMOC is on tipping course“ (zu Deutsch etwa: „Physikalisch basiertes Frühwarnsignal zeigt, dass die AMOC auf Kippkurs ist“) war der Salzgehalt des Atlantischen Ozeans und eine Simulation der Veränderungen über einen Zeitraum von 2000 Jahren anhand von Computermodellen.
Die Studie der Autoren René M. Van Westen, Michael Kliphuis und Henk A. Dijkstra, wurde am 9. Februar 2024 im wissenschaftlichen Fachmagazin Science Advances veröffentlicht.
Forscher warnen vor Amoc-Kipppunkt: Extremer Temperatursturz in Europa möglich
Die Auswirkungen eines Kollapses der Meeresströmungen wären stark und würden das Klima auf der ganzen Welt beeinflussen. Besonders wäre allerdings Europa betroffen. Dort käme es zu einer schnellen Abkühlung, mit sinkenden Temperaturtrends von mehr als drei Grad pro Jahrzehnt. In mehreren europäischen Städten könnten die Temperaturen um 5 bis 15 Grad Celsius pro Dekade fallen. Auf eine so rapide Änderung ließe sich schwer reagieren. „Im Vergleich zum heutigen Trend der globalen mittleren Oberflächentemperatur (aufgrund des Klimawandels) von etwa 0,2 Grad pro Jahrzehnt können keine realistischen Anpassungsmaßnahmen mit derart schnellen Temperaturänderungen umgehen“, so das Fazit der niederländischen Forscher.
Wann der Kipppunkt eintreten wird, lässt sich laut Studie nicht exakt bestimmen, da nicht genügend Daten vorliegen. Ob im kommenden Jahr oder im nächsten Jahrhundert: Schnelles Handeln ist erforderlich, da die Geschwindigkeit, mit der der Wandel eintritt, laut Studie „überraschend“ ist. Die Warnung der Wissenschaftler ist eindeutig: Die Konsequenzen werden „verheerend sein“, mahnt das niederländische Forscherteam. Zusätzlich zu den fallenden Temperaturen könnte der Meeresspiegel in einigen Küstenregionen am Atlantik über mehr als 70 Zentimeter ansteigen.
Die Redakteurin hat diesen Artikel verfasst und anschließend zur Optimierung nach eigenem Ermessen ein KI-Sprachmodell eingesetzt. Alle Informationen wurden sorgfältig überprüft. Hier erfahren Sie mehr über unsere KI-Prinzipien.