VonMoritz Bletzingerschließen
Nach einem tragischen Segelboot-Unfall vor der Küste Kalabriens ist mindestens eine Person ums Leben gekommen. Der regionale Präsident betont die tiefe Bestürzung in Italien.
Catania – Notfall im Ionischen Meer: 120 Kilometer vor der Küste Italiens verunglückte in der Nacht auf Montag (17. Juni) ein Segelboot. Seitdem läuft ein Großeinsatz der Küstenwache mit zwei Patrouillenbooten, einem ATR42-Flugzeug und der Unterstützung zweier Handelsschiffe, die in der Nähe unterwegs waren. Ein Schiff der Küstenwache Dattilo stieß am späten Montagnachmittag hinzu.
Sportboot entdeckt verunglücktes Segelschiff im Mittelmeer vor Italien
Ein französisches Sportboot hatte den verunglückten Segler entdeckt und einen „May-Day“-Notruf gestartet. Patrouillenboote mit Frontex-Kräften konnten zwölf Menschen aus dem Wasser retten, das Boot war zu diesem Zeitpunkt bereits komplett gesunken. Bilder zeigen das havarierte Segelboot, wie es hilflos in den Fluten treibt.
Proseguono le ricerche di eventuali superstiti del naufragio della barca a vela a 120 miglia dalle coste calabre. In area due motovedette #GuardiaCostiera e un aereo ATR42. Nelle prossime ore giungerà in zona anche nave Dattilo. A bordo delle unità anche team sanitari del @CIS0M pic.twitter.com/HTx2kd5Abq
— Guardia Costiera (@guardiacostiera) June 17, 2024
Wie die Küstenwache mitteilt, handelt es sich bei den Betroffenen um Geflüchtete aus dem Iran, dem Irak, Syrien und Afghanistan. Ein Handelsschiff brachte sie an den Hafen von Roccella Ionica, dort werden die Menschen medizinisch betreut. Ein Mann starb unmittelbar nach der Ausschiffungsaktion.
Große Vermisstensuche im Mittelmeer: Wohl mindestens 66 Personen in Not – darunter 26 Kinder
Jetzt läuft die Suche nach weiteren Vermissten. Es ist unklar, wie viele Menschen nach dem Unfall in Seenot sind. Die britische Zeitung The Guardian spricht von mindestens 66 Personen, darunter vermutlich 26 Kinder. Laut Zeugenaussagen waren auf dem Boot keine Schwimmwesten verfügbar.
„Ich habe mit einem Jungen gesprochen, der seine Freundin verloren hat“, sagt Shakila Mohammadi, Kulturvermittlerin von Ärzte ohne Grenzen in Roccella Ionica bei Rai News. „Ganze Familien aus Afghanistan wären gestorben. Sie sind vor acht Tagen aus der Türkei aufgebrochen und haben drei oder vier Tage auf dem Meer verbracht. Sie sagen, dass einige Boote nicht angehalten hätten, um ihnen zu helfen.“
„Stunden großer Angst“: Kalabrien-Präsident erinnert sich an verheerendes Schiffsunglück von 2023
Der Präsident der Region Kalabrien, Roberto Occhiuto, sagt, die Nachricht vom Schiffsunglück habe sich angefühlt, wie „ein Schlag in die Magengrube“. Er erklärt: „Was wir erleben, sind Stunden großer Angst. Stunden, die uns an das enorme Drama erinnern, das wir vor etwas mehr als einem Jahr in Cutro erlebt haben.“ Im Februar 2023 waren dort 94 Menschen bei einem Schiffsunglück gestorben.
Die Betroffenheit in Kalabrien ist groß. Auch, weil am selben Tag ein weiteres Boot verunglückt ist. Im zentralen Mittelmeer fand die deutsche Hilfsorganisation ResQship ein havariertes Holzboot. Im Unterdeck elf tote Menschen.
Gegen die griechische Küstenwache waren derweil in der vergangenen Woche schwere Vorwürfe laut geworden. Geflüchtete berichteten, dass Polizisten sie gefesselt und ins Meer geworfen haben sollen. Nur wenige sollen überlebt haben. (moe)
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