Heimat von High-Tech und K-Pop

Südkorea: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

+
Seoul, Hauptstadt von Südkorea

Südkorea nimmt den südlichen Teil der Koreanischen Halbinsel ein. Das Land blickt im 20. Jahrhundert auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Inzwischen findet die kulturelle Bedeutung der Republik international große Anerkennung.

  • Südkorea wurde durch die Alliierten im Jahr 1948 von Nordkorea getrennt.
  • Über 90 Prozent der Einwohner leben in städtischen Regionen.
  • Das Land ist die Heimat des K-Pop.

Seoul – Noch in den 1960er Jahren zählte Südkorea zu den ärmsten Ländern der Welt. Heute hat sich der Staat zu einer hochmodernen Industrienation entwickelt. Allerdings hat die Republik immer noch mit einer jahrzehntelangen Herausforderung zu kämpfen: die in der Verfassung angestrebten Versöhnung mit dem Nachbarland Nordkorea.

Südkorea: Korea vor der Teilung

Das Gebiet des heutigen Koreas war schon vor rund 12.000 bis 18.000 Jahren von Menschen besiedelt, die wahrscheinlich von der Mongolei und von Sibirien aus hier einwanderten. Da das Land zahlreiche Megalithe (auch Dolmen genannt) aufweist, wird Korea auch als das „Königreich der Dolmen“ bezeichnet. In den Jahrhunderten nach Christi Geburt hielt immer mehr der Buddhismus, aber auch der Konfuzianismus Einzug in die Kultur des Landes.

Viele Dynastien wechselten sich im Lauf der Jahrhunderte ab. Im Jahr 1392 stürzte General Yi Seong-gye das Königreich Goryeo und begründete die Joseon-Dynastie. Diese prägte bis 1910 mehr als ein halbes Jahrtausend lang die Geschichte des Landes. 1905 wurde die koreanische Halbinsel japanisches Protektorat und fünf Jahre später unter dem Namen „Chosen“ in das japanische Kaiserreich eingegliedert. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges verlor Japan seine Kolonie. Der 15. August 1945 wird sowohl in Nord- als auch in Südkorea daher auch als Tag der Unabhängigkeit gefeiert.

Südkorea: Teilung Koreas und Koreakrieg

Nach der Kapitulation Japans wurde Korea entlang des 38. Breitengrades von den Alliierten in Besatzungszonen aufgeteilt. Der Norden des Landes ging an die Sowjetunion, der Süden fiel an Amerika. Am 15. August 1948 wurde die Republik Korea gegründet, welche das heutige Südkorea bezeichnet. Der Norden wurde elf Tage später als „Demokratische Volksrepublik Korea“ ausgerufen. Allerdings erhoben beiden Republiken Anspruch auf den jeweils fehlenden Landesteil.

Nach Abzug der Alliierten im Jahr 1949 verschärfte sich der Nord-Süd-Konflikt. 1950 brach schließlich der Koreakrieg aus, als Nordkorea den Konflikt militärisch lösen wollte. Da sowohl die Sowjetunion als auch die USA ihren jeweils ursprünglich besetzten Landesteile unterstützten, war auch vom sogenannten Stellvertreterkrieg die Rede. 1953 wurde ein Waffenstillstand herbeigeführt. Allerdings hielt der Konflikt beider Länder an.

Südkorea: Militärregierungen, Demokratie und Annäherungsversuche mit Nordkorea

Als nach dem Koreakrieg im Norden in ein kommunistisches Regime überführt wurde, musste Südkorea noch einige Entwicklungen erleben. Da die wirtschaftliche Entwicklung der Republik stockte, wurde der Regierungsstil zunehmend autokratischer. Nach einem Putsch im Jahr 1961 wurde das Land in eine Militärdiktatur geführt. Ab den 1980er Jahren wuchsen die Proteste gegen die Diktatur an und der Ruf nach Demokratie wurde lauter. Es kam immer wieder zu Attentaten auf führende Politiker. Der Ex-General Roh Tae-woo kündigte 1987 eine Verfassungsänderung mit umfangreichen demokratischen Reformen an.

Die Demokratie des Landes zeigte deutliche Fortschritte. 1988 war das Land Gastgeber der Olympischen Sommerspiele und demonstrierte dadurch ein neues Image als demokratische Republik. Selbst wirtschaftliche Krisen konnte es in den Folgejahren gut meistern. Um das Jahr 2000 bemühte man sich um eine Aussöhnung mit Nordkorea. Allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Im Jahr 2013 erreichten nach einem nordkoreanischen Kernwaffentest die diplomatischen Beziehungen beider Länder einen neuen Tiefpunkt. Unter Präsident Moon Jae-in erhöhte sich 2017 allerdings wieder die Dialogbereitschaft mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un.

Südkorea: Das politische System

Obwohl Südkorea bereits 1948 eine Verfassung bekommen hatte, musste diese in den Folgejahrzehnten aufgrund politischer Veränderungen und der zunehmenden Demokratisierung des Landes immer wieder neu überarbeitet werden – zuletzt am 29. Oktober 1987. Unter anderem ist in ihr auch die friedliche und demokratische Wiedervereinigung mit Nordkorea als Ziel enthalten.

Das Land ist eine präsidentielle Republik und verfügt über eine Gewaltenteilung. Staatsoberhaupt ist der Präsident, der alle fünf Jahre direkt vom Volk gewählt wird. Eine Wiederwahl ist ausgeschlossen. Ihm zur Seite steht der Premierminister, der die Regierung leitet. Der Präsident ernennt außerdem das Kabinett – bestehend aus 15 bis maximal 30 Mitgliedern. Das Parlament – auch Gukhoe genannt – besteht nur aus einer Kammer. Es setzt sich aus 299 Abgeordneten zusammen, von denen 243 alle vier Jahre direkt gewählt werden. Die restlichen Sitze werden unter den Parteien verteilt. Von großer Bedeutung ist auch das Verfassungsgericht, das die Arbeit der Regierung überwacht und auch Entscheidungsbefugnis bei Misstrauensanträgen hat.

Südkorea: Fakten im Überblick

  • Hauptstadt: Seoul
  • Amtssprache: Koreanisch
  • Fläche: 100.210 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 51,8 Millionen (Stand 2020)
  • Währung: Won (KRW)
  • Verwaltungsgliederung: 1 besondere Stadt (Teukbyeolsī), 1 besondere autonome Stadt (Teukbyeol-jachi-sī), sechs Großstädte (Gwangyeoksī), acht Provinzen (Do), 1 besondere autonome Provinz (Teukbyeol-jachi-do)
  • Religion: Bekenntnislos (56 %), Christen (28 %), Buddhisten (16 %)

Südkorea: Sprachen und Bevölkerung

Die koreanische Sprache ist die offizielle Amts- und Schriftsprache in Südkorea. Weitere Minderheitensprachen existieren kaum. Von einigen Sprachwissenschaftlern wird Koreanisch zu den Altaisprachen gezählt und ist möglicherweise auch mit Japanisch-Ryūkyū verwandt. Andere Forscher sehen es eher als isoliert entwickelte Sprache an. Allerdings erfreut sich auch Englisch großer Beliebtheit und wird bereits von Grundschule an als Fremdsprache unterrichtet. In letzter Zeit ist auch ein erhöhtes Interesse an Chinesisch zu verzeichnen, was auf den wachsenden Einfluss der Volksrepublik China zurückzuführen ist.

Derzeit leben gut 50 Millionen Menschen in Südkorea. Die Bevölkerungsdichte beträgt etwa 513 Personen pro Quadratkilometer. Die Bevölkerung ist ethnisch weitgehend homogen. Grund dafür ist auch die über Jahrhunderte hinweg anhaltende politische Einheit Koreas (angefangen vom Silla-Reich im Jahre 668 bis zur Teilung 1945).

Südkorea: Geografie und Städte

Südkorea nimmt den südlichen Teil der koreanischen Halbinseln ein. Mit seinem Nachbarland Nordkorea teilt sich die Republik eine 243 Kilometer lange Grenze. Zum Staatsgebiet gehören noch einige vorgelagerte Inseln. Im Westen grenzt der Staat an das Gelbe Meer, im Süden an das Ostchinesische Meer und im Westen an das Japanische Meer. Das Land selbst ist sehr hügelig und besteht zu etwa zwei Dritteln aus Gebirge. An der Westküste und im Südosten ist die Landschaft etwas ebenmäßiger. Hier lebt auch die Mehrheit der Einwohner.

Rund 92 Prozent aller Südkoreaner leben in Städten bzw. in den Ballungsräumen rund um die Metropolen. Seoul ist mit rund 10 Millionen Einwohnern auch die mit Abstand größte Stadt des Landes. Aber auch Busan im Südosten der Halbinsel besitzt einen der umschlagstärksten Häfen der Welt.

Die größten Städte Südkoreas im Überblick

  • 1 Seoul: 9.586.195 Einwohner, Region Seoul
  • 2 Busan: 3.349.016 Einwohner, Region Busan
  • 3 Incheon: 2.945.454 Einwohner, Region Incheon
  • 4 Daegu: 2.410.700 Einwohner, Region Daegu
  • 5 Daejeon: 1.488.435 Einwohner, Region Daejeon
  • 6 Gwangju: 1.477.573 Einwohner, Region Gwangju
  • 7 Suwon: 1.210.150 Einwohner, Region Gyeonggi-do
  • 8 Ulsan: 1.135.423 Einwohner, Region Ulsan
  • 9 Yongin: 1.066.975 Einwohner, Region Gyeonggi-do
  • 10 Goyang: 1.045.497 Einwohner, Region Gyeonggi-do

Südkorea: Wissenswertes zum Land

Südkorea ist mit Marken wie Samsung, Hyundai und LG nicht nur ein bekannter Hersteller von hochtechnischen Produkten, sondern hat sich mit der Entwicklung technischer Geräte eine führende Stellung auf dem Weltmarkt erkämpft. Neben Flachbildschirmen, Smartphones, Computern und Autos sind aber auch Schiffe wichtige Exportgüter. Allein im Jahr 2005 stammten etwa 40 Prozent aller weltweit gehandelten Schiffe aus Südkorea.

Doch das Land hat in den letzten Jahren auch in kultureller Hinsicht wahre Exportschlager hervorgebracht. Im Zuge der Koreanischen Welle erfreut sich der K-Pop nicht nur im asiatischen Raum, sondern auf der ganzen Welt großer Beliebtheit. Aushängeschild dieser Musikrichtung sind die vielen Boy- und Girlgroups wie BTS, Twise, IU, Wanna One, Red Velvet oder Blackpink, die nicht nur als absolute Teenie-Idole bei ihren Fans Kult-Status genießen, sondern auch Südkorea zum sechstgrößten Musikmarkt weltweit verholfen haben.

Kommentare