Südtirol-Anwohner wüten über Urlauber – und hinterlassen blutrote Nachricht im Schnee
VonDiana Serbe
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Nicht nur in Spanien protestieren Einwohner gegen die Kehrseiten des Tourismus. Auch in den idyllischen Dolomiten wird der Ton schärfer.
Seiser Alm – Das englische Wort „Overtourism“ (dt. Übertourismus) hat mittlerweile Einzug in den europäischen Wortschatz genommen. Während südeuropäische Destinationen im Sommer unter der Last von Touristen ächzen, weil Wohnraum und Wasser knapp werden, merken auch die nördlichen Nachbarn, dass eine Regulierung für den Dienstleistungssektor kommen muss. Aktuell verbreiten Unbekannte auf der Seiser Alm Botschaften an Besucher.
Wie Blut im Schnee: Unbekannte senden Botschaft an Südtirol-Touristen
Die Seiser Alm rund 20 Kilometer nordöstlich des italienischen Ferienorts Bozen ist für ihre herrliche Berglandschaft in den Dolomiten bekannt. Ganzjährig finden dort Erholungssuchende auf der größten Hochalm Europas ihre Auszeit. Erst vor wenigen Tagen alarmierte ein Brand in einem international bekannten Luxusresort die Anwohner. Nun reicht es einigen Südtirolern mit dem Tourismus und seinen Schattenseiten.
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In der Nacht auf Dienstag (4. Februar) haben Unbekannte Seilbahnbenutzern gezeigt, was sie von der Vielzahl an Urlaubern halten. Unterhalb der Seiseralmbahn war in roten Großbuchstaben „too much“ (dt. zu viel) in den Schnee geschrieben. Der Schriftzug sei laut stol.it gut sichtbar gewesen für alle, die mit der Umlaufbahn auf die Hochebene fahren. Wie Blut im Schnee ist die Botschaft mit der leicht verlaufenen Farbe zu lesen.
Derzeit herrscht Hochbetrieb bei Wintersportlern in Südtirol. Rund um die Seiser Alm ziehen 63 Pistenkilometer Ski- und Snowboardfans an, die auch für Anfänger und Familien geeignet sind. Der Tourismus in der Region begann sanft und sah sich im Gegensatz zu benachbarten, von der High Society angesteuerten Tälern immer als bodenständig. Der aktuelle Zulauf und die Zunahme großer Hotelkomplexe widerspricht den Einheimischen offenbar. In einem anderen Fall wurden sogar Klettersteige sabotiert, um Touristen zu vertreiben.
Südtirol und die Touristen: Nicht die erste Protest-Aktion auf der Seiser Alm
Anwohner und Pendler würden seit einiger Zeit über zu lange Wartezeiten wegen der Vielzahl an Touristen beim Zugang zur Seilbahn klagen. Das betreffe auch Arbeiter, die in Pausen schnell hoch und runter müssten sowie Schüler, die die Überquerung benötigen. Deshalb ist nun eine Überholspur für Anwohner eingerichtet worden, so stol.it. Für einige scheint das Maß schon seit längerem voll zu sein.
Erst im August 2024 hatten Unbekannte an den Eingang der Bergstation der Seilbahn, die Bozen mit Oberbozen verbindet, beschmiert. Darauf zu lesen: „Priorität“. Auch der aus Spanien bekannte Slogan „Tourist go home“ (dt. Geh nach Hause, Urlauber) zierte schon Wanderwege und Informationstafeln in dem beliebten Ferienort.
Dabei macht sich der Tourismusverband Seiser Alm bereits Gedanken über die Problematik. Rund um die Region, zu der auch die Gemeinden Kastelruth, Völs am Schlern und Tiers am Rosengarten gehören, plane man nachhaltigen Tourismus, um das UNESCO Weltrerbe Dolomiten zu schützen. Dabei zielt man vor allem auf Sportler und Genießer und will Regionalität und authentische kulturelle Erlebnisse setzen.
Um Touristenströme besser zu entzerren, setzen die Verantwortlichen verstärkt auf öffentliche Verkehrsmittel. An menschenreichen Orten und Dorfzentren sei eine Verkehrsberuhigung in Aussicht. Die Alm selbst ist bereits seit 2004 für den privaten Autoverkehr gesperrt. Manche Aktionen in Südtiroler Gastbetrieben sorgen für Entsetzen bei Urlaubern – wie dieser unverschämte Extra-Aufpreis. (diase)