VonYannick Hankeschließen
Corona ist nach wie vor präsent. Immer neue Varianten treten auf. Wie lange bieten Impfung und Infektionen da Schutz? Forscher aus Südkorea klären auf.
Daejeon – Winterzeit ist bekanntlich auch Grippezeit. Und seit 2020 geht der Blick zusätzlich verstärkt auf die Entwicklung vom Coronavirus. Die Pandemie wirkt abgeschwächt, präsent ist sie aber nach wie vor. Das gilt nicht zuletzt, da immer neue Varianten vom Erreger Sars-CoV-2 auftreten – und bis hin zu Long Covid führen können. Aufgrund ihrer Mutation am Spike-Protein können sie dem Immunsystem immer effizienter ein Schnippchen schlagen.
Wie das Robert Koch-Institut (RKI) bereits mitteilte, würde sich JN.1, ein Abkömmling der Omikron-Variante BA.2.86, in vielen Ländern zunehmend ausbreiten. In Deutschland würde dieser das Infektionsgeschehen sogar mit einem Anteil von 71 Prozent dominieren. Das wirft zwangsläufig die Frage, wie gut Impfungen, aber auch bereits erfolgte Corona-Infektionen überhaupt vor den neuen Varianten schützen.
Neue Corona-Studie: Forscher aus Südkorea untersuchen, wie lange der Immunschutz gegen neue Varianten anhält
Um sich diesem Thema anzunähern, haben Forscher aus Südkorea eine Studie erhoben. Diese wurde im Januar 2024 in der Fachzeitschrift Science Immunology veröffentlicht – und macht hinsichtlich der Immunität gegen neue Corona-Varianten zumindest Mut.
Konkret haben die Wissenschaftler vom Korea Virus Research Institute Center for Viral Immunology in Daejeon Blutproben von Geimpften sowie ehemals Infizierten untersucht. Im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Methodik wurden 28 Personen drei Dosen vom mRNA-Impfstoff von Pfizer/Biontech verabreicht.
22 Personen wiederum, die eine Infektion mit dem ursprünglichen Virusstamm Wuhan-Hu-1 durchgemacht hatten, erhielten zwei Dosen vom mRNA-Impfstoff. Drei mRNA-Impfdosen erhielten zudem insgesamt 68 Personen, die anschließend eine sogenannte Durchbruchsinfektion erlitten.
Corona-Impfung und -Infektion bewirken breites Immungedächtnis des Körpers
Welche Rückschlüsse konnten die Forscher aus Südkorea dadurch ziehen? Für alle drei Versuchsgruppen erzeugten die mRNA-Impfstoffe sogenannte Helfer- und Killer-Zellen. Diese wären Teile der Immunantwort, welche das Spike-Protein der Omikron-Subvarianten BA.4 und BA.5 angriffen. Das hätte auch für die Testpersonen zugetroffen, die sich mit dem ursprünglichen Corona-Stamm infiziert hatten.
Zudem entdeckten die Wissenschaftler, dass bestimmte gebildete Zellen, die sogenannten CD8+ T-Zellen, die durch eine Durchbruchsinfektion mit der Omikron-Variante BA.2 ausgelöst wurden, nicht nur mit dem BA.4/5-Spike-Protein reagierten. Obendrein hätten sie dies nämlich auch mit den aktuell zirkulierenden Corona-Varianten getan, beispielsweise den XBB-Linien.
Heißt zusammengefasst: Impfung sowie Infektion bewirken ein breites Immungedächtnis des Körpers. Das Risiko der Ansteckung besteht dennoch weiter. Doch auch bei neuen Corona-Varianten ist der Körper vor einem schweren Verlauf bis hin zu Long Covid und extremen Symptomen geschützt. De facto nehmen die Antikörper mit der Zeit ab, ehe sie sogar verschwinden. Aber andere Teile des Immunsystems wehren schädliche Erreger weiterhin ab – und verhindern auf diesem Wege eine schwere Erkrankung.
„Normalerweise besteht die Immunität viele Jahre“: Einschätzung durch neue Corona-Varianten nicht komplett valide
Doch wie lange hält der entsprechende Schutz gegen Corona überhaupt an? „Normalerweise besteht die Immunität der T-Zellen viele Jahre. Momentan können wir in Bezug auf Corona aber noch nicht beantworten, wie lange dieser Schutz anhalten wird“, heißt es in diesem Kontext von Jan Rybniker gegenüber dem Kölner Stadt Anzeiger. Das Medium hatte den Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie an der Uniklinik Köln um eine Einordnung der Studienergebnisse aus Südkorea gebeten.
Was es über den Immunschutz gegen das Coronavirus zu wissen gilt
Trotz der Unterschiedlichkeit der Impfstoffe ist das Grundprinzip, wie Covid-19-Impfstoffe vor dem Coronavirus schützen, gleich: „Dem Immunsystem werden ein oder mehrere Bestandteile des Coronavirus Sars-CoV-2 oder das gesamte Virus präsentiert“, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf der Homepage infektionsschutz.de erklärt.
Diese als Antigene bekannten Bestandteile werden vom Immunsystem als fremd erkannt – und somit als Bedrohung klassifiziert. In der Konsequenz entwickelt das Immunsystem einen entsprechenden Schutz gegen diese Antigene und damit auch gegen das Coronavirus.
„Unterschiedlich ist bei den verschiedenen Impfstoffen die Zusammensetzung und auf welche Art und Weise sie dafür sorgen, dass das Antigen oder die Antigene dem Immunsystem präsentiert werden, um den Immunschutz aufzubauen“, fügt das BZgA an. Generell gelte: die verfügbaren Covid-19-Impfstoffe schützen gut vor einem schweren Verlauf nach einer Corona-Infektion.
Rybniker verweist darauf, dass man sich erst im vierten Jahr der Pandemie befinde – und es bislang jährlich eine neue Variante gab. Generell müsse man davon ausgehen, dass die Menschheit dem Coronavirus durch Impfung oder Infektion in den nächsten Jahrzehnten immer wieder ausgesetzt sei. „Das Virus wird uns noch viele Jahre begleiten. Wir werden uns weiter infizieren und das Virus auch weiter verbreiten, so wie das auch mit vielen anderen saisonalen Virus-Erkrankungen ist“, so der Facharzt.
Für wen weiterhin Corona-Auffrischungsimpfungen empfohlen werden – und wie oft pro Jahr
Seine grundsätzliche Empfehlung: „Für immungeschwächte Personen und Menschen über 60 Jahren kann es immer noch zu schweren Erkrankungen kommen. Deshalb sollten sie sich nach der aktuellen Empfehlung einmal pro Jahr weiter impfen lassen und sich zu Zeiten hoher Infektionszahlen lieber mit einer Maske schützen“. Dasselbe gelte übrigens auch für medizinisches Fachpersonal. (han)
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