„Steinstadt“

Taschkent: Die Hauptstadt von Usbekistan

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Taschkent, Hauptstadt von Usbekistan.

Die Hauptstadt Usbekistans ist zugleich Provinzhauptstadt der gleichnamigen Provinz und für ihre Mischung aus moderner und sowjetischer Architektur bekannt.

Taschkent trug im Laufe der Jahrhunderte und unter der Herrschaft des Zaren sowie der Sowjetunion viele unterschiedliche Namen wie Chach, Shash oder Binkent. Die Herkunft des Namens der Hauptstadt Usbekistans ist bis heute nicht vollends geklärt, aber vieles deutet auf das Wort „Stein“ oder „Stadt der Steine“ hin, denn Taschkent heißt vom Usbekischen übersetzt so viel wie „Steinstadt“. 

Taschkent, die Hauptstadt und moderne Metropole Usbekistans, ist mit knapp 2,6 Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt des Landes und zugleich Provinzhauptstadt der gleichnamigen Provinz. Sie liegt im Norden des Landes an der Grenze zu Kasachstan und gehört zu den historischen Orten am Schnittpunkt der Alten Seidenstraßen zwischen China und Europa und sie war immer ein bedeutender internationaler Handelsstützpunkt.

Taschkent ist bekannt für ihre vielen Museen der usbekischen und vor-usbekischen Kultur und Moscheen und sie begeistert durch ihre breiten Boulevards, durch moderne Gebäude, aber auch durch ihre islamische und sowjetische Architektur.

Taschkent im 20. Jahrhundert

Infolge der Oktoberrevolution 1917 und einem verheerenden Erdbeben im Jahre 1966, als zahlreiche historische und religiöse Bauwerke zerstört wurden, ist leider nur ein kleiner Teil des architektonischen Erbes erhalten geblieben. Auch etliche historische Gebäude sind in der Altstadt, westlich der Innenstadt, nicht zerstört worden.

Viele kleine und verwinkelte Gassen zeigen hier einen starken Gegensatz zum modernen Taschkent. Die Hauptstadt präsentiert sich außerhalb der malerischen Altstadt als eine sehr modern gebaute Großstadt und als wichtiges Wirtschaftszentrum. Immerhin war Taschkent zu Zeiten der Sowjetunion deren viertgrößte Metropole und die einflussreichste Stadt außerhalb der Republik Russland.

Heute ist sie eine moderne Industriestadt, ein Verkehrsknotenpunkt sowie das Kulturzentrum des Landes. Der Fernsehturm ist ein neuzeitliches Wahrzeichen, das die Silhouette der Stadt dominiert. Alle wichtigen staatlichen Institutionen Usbekistans, ebenso wie der Sitz des Präsidenten und des Parlaments sowie zahlreiche Ministerien und internationale Vertretungen und Botschaften, haben ihren Sitz in Taschkent.

Im April 1966 wurde Taschkent durch ein Erdbeben zerstört. Nach einem sowjetischen Stadtbebauungsplan wurde die Metropole wieder aufgebaut und dies ist der Grund für die nicht zu übersehende sowjetische Architektur und warum die Stadt das Flair einer russischen Großstadt hatte. Seit der Unabhängigkeit von Usbekistan im Jahre 1991 versucht die Stadtverwaltung der Stadt ein modernes Gesicht, verbunden mit usbekischen Einflüssen, zu geben und so wurde Taschkent eine grüne und wasserreiche Stadt mit vielen Parks und Springbrunnen und zu einer der schönsten Städte Zentralasiens.

Die Geschichte Taschkents – der Hauptstadt von Usbekistan

Die Region war bereits im 4. Jahrhundert vor Christus besiedelt und Taschkent fand erstmals im 3. Jahrhundert vor Christus als Stadtsiedlung Erwähnung in antiken chinesischen Schriften. Die Stadt wurde im 8. Jahrhundert von den Arabern erobert und gleichzeitig breitete sich der Islam aus. Im Jahre 1220 wurde Taschkent von dem Mongolenführer Dschingis Khan erobert und die Stadt wurde in das Mongolenreich eingegliedert.

Im 14. Jahrhundert hatte die Stadt unter den Timuriden, einem muslimischen Herrscherhaus in Zentral- und Südwestasien, eine zwischenzeitliche Blütezeit, bevor sie in den folgenden Jahrhunderten dem Streit verschiedener Stämme und Herrscher ausgesetzt war.

Anfangs des 18. Jahrhunderts konnte sich Taschkent vorübergehend als eigener Staat etablieren. Während dieser Zeit wurden, insbesondere von Taschkent aus, Handelsgüter mit Kamelkarawanen auf dem Landweg nach Norden gebracht und es festigten sich die Handels- und diplomatischen Beziehungen, vornehmlich unter dem Zaren Peter I., zwischen Russland und den mittelasiatischen Staaten.

Ungefähr hundert Jahre später wollte der russische Zar Nikolaus I. die weitere Verbreitung der Briten in der Region verhindern und er ließ Taschkent von russischen Streitkräften erobern. 1867 wurde die Stadt dann zum Zentrum des Generalgouvernements Turkestan, einem Teil des russischen Kaiserreichs, ernannt. Im Jahre 1918 wurde Taschkent infolge der Oktoberrevolution von 1917 zur Hauptstadt der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik Turkestan erklärt.

Bei nachfolgenden Aufteilungen wurde Taschkent 1924 Hauptstadt der neu gegründeten Usbekischen Sozialistischen Sowjetrepublik, innerhalb der Sowjetunion und zugleich Grenzstadt, denn das unmittelbar nördlich angrenzende Hinterland gehörte fortan zu Kasachischen Sozialistischen Sowjetrepublik.  

Zu den Zeiten der sowjetischen Herrschaft entfaltete sich Taschkent zu einem bedeutenden Mittelpunkt islamischer Aktivitäten, auch wenn die bedeutendsten Vertreter des gelehrten Islam in den folgenden Jahrzehnten immer wieder verhaftet und hingerichtet wurden.

Taschkent unter Stalin

Im Jahre 1943 beschlossen Stalin und seine politischen Kreise, die Beziehungen des sowjetischen Staates zu Religionsgemeinschaften zu erneuern und zu verbessern. Es wurden übergeordnete Institutionen von Rechtsgelehrten, sogenannte Muftiate, beauftragt, sich fortan um die geistlichen Angelegenheiten der Muslime in der Sowjetunion zu kümmern. Eines dieser Muftiate hatte ihren Sitz in Taschkent. Sie beschloss die Eröffnung von religiösen Schulen, die sogenannten Madrasas, die Islamwissenschaften unterrichteten. 1971 wurde in Taschkent dann das islamische Institut Iman al-Buchari gegründet, das heute noch besteht.

In Taschkent befanden sich zwei sowjetische Arbeitslager, sogenannte Gulags und von 1930 bis 1943 gab es hier zwei Straflager mit zeitweise 38.000 Gefangenen, die Zwangsarbeit in verschiedenen Produktionsbereichen, im Kohletagebau, beim Warentransport sowie im Industrie-, Straßen- und Wohnungsbau leisteten. Während des Zweiten Weltkriegs lag ebenfalls ein Kriegsgefangenenlager für deutsche Kriegsgefangene in Taschkent. 

Nach dem Erdbeben 1996, bei dem weite Teile der Stadt zerstört wurden, sahen die Stadtentwickler die Möglichkeit, ihre Vision einer neuen Metropole als Symbol sowjetischer Modernität in Asien zu verwirklichen. Es wurden auch nur geringfügig beschädigte Gebäude der historischen Viertel abgerissen, Straßen wurden verbreitert, Parks erweitert und Verkehrswege neu festgelegt. Durch vorfabrizierte Materialien, sowjetischen Designs und umfassenden Hilfen von Partei und Regierung in Moskau wurde eine U-Bahn und größere und höhere Gebäude als zuvor errichtet. Auf diese Weise konnte der zerstörte Wohnraum bis 1970 ersetzt werden. Die Expansion von Wohngebieten setzte sich auch in den 1980er Jahren fort und nach sowjetischem Vorbild entstanden Einkaufszentren und eine Vielzahl öffentlicher Gebäude.

Für die sowjetische Armee war Taschkent während des Sowjetisch-Afghanischen Krieges der wichtigste Stützpunkt. Die 40. Armee, die 1979 nach 34 Jahren neu aufgestellt wurde, hatte ihr Hauptquartier in Taschkent und viele in Afghanistan verwundete Soldaten wurden in Krankenhäusern der Stadt versorgt.

In Taschkent wurde 1991 die Unabhängigkeit Usbekistans ausgerufen und Taschkent wurde zur Hauptstadt des neuen Staates ernannt. Seitdem wird die Stadt umgebaut, renoviert und neugestaltet, um ein einflussreiches Regierungszentrum für einen modernen unabhängigen Staat mit usbekischen Einflüssen zu schaffen.

Die Bevölkerung Taschkents und die Einwohnerentwicklung

Die Usbeken stellen die Mehrheit der Bevölkerung in Taschkent. Darüber hinaus leben auch viele Einwohner in der Stadt, die zu den Minderheiten der Volksgruppen der Tataren, Tadschiken und Uiguren gehören. Bereits in den 1960er Jahren lag die Einwohnerzahl über der Millionengrenze. Laut Prognosen der Vereinten Nationen zur Bevölkerungsentwicklung wird mit drei Millionen Einwohnern im Jahre 2035 gerechnet.

Die Sprache in der Hauptstadt Usbekistans

Da die meisten Einwohner Taschkents Usbeken sind, ist Usbekisch nicht nur die Muttersprache der meisten Einwohner, sondern auch die offizielle Amtssprache. Bis 2025 soll das usbekische Alphabet von Kyrillisch auf Lateinisch umgestellt werden. Nur in Karakalpakistan, einer autonomen Republik im Westen Usbekistans am Aralsee, gilt auch Karakalpakisch als weitere Amtssprache. Im Übrigen ist die usbekische Sprache, die zu den türkischen Sprachen oder zu den Turksprachen gehört, die am weitesten verbreitete Turksprache Zentralasiens.

Religion und Glauben in Taschkent

Die Usbeken, die die Mehrheit der Bevölkerung in Taschkent stellen, sind sunnitische Muslime und gelten als die gläubigsten Muslime in ganz Zentralasien. Auch die in der Stadt vertretenen Minderheiten der Volksgruppen der Tataren, Tadschiken und Uiguren bekennen sich gewöhnlich zur Glaubensrichtung des sunnitischen Islam. Etwa drei Viertel der Bevölkerung sind Muslime. Deshalb gibt es unzählige Bauwerke und Denkmäler islamischer Architektur. Darüber hinaus ist Taschkent der Sitz des Statthalters der Russisch-Orthodoxen Kirche in Usbekistan sowie des Bischofs der usbekischen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Da Taschkent lange Jahre zur Sowjetunion gehörte, leben in der Hauptstadt Usbekistans auch zahlreiche Einwohner, die keiner Konfession angehören. 

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