Ein Land an der Seidenstraße, Städte wie aus „Tausendundeiner Nacht“, aber auch eines der repressivsten Regime der Welt. Wissenswertes über Usbekistan.
Taschkent - Usbekistan ist eine von fünf Republiken in Zentralasien, die früher Teil der Sowjetunion waren. Usbekistan liegt an der historischen Seidenstraße und weist eine Unzahl kultureller und architektonischer Schätze auf. Ergänzt werden Usbekistans lebendige Städte durch Moscheen und Koranschulen aus dem Mittelalter. Landschaftlich bietet Usbekistan weite Wüsten und Steppen im Westen, Hochgebirge und fruchtbare Landschaften im Osten.
Das Land grenzt an Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Afghanistan und Turkmenistan. Aufgrund der Nähe zu diesen Krisenregionen wird aktuell von nicht unbedingt notwendigen Reisen in diese Gebiete dringend abgeraten: in den Grenzregionen v. a. zu Afghanistan wegen dort operierenden Schmugglerbanden und islamischer Extremisten und nach Tadschikistan und Kirgisistan wegen teilweiser Verminungen, v. a. im Fergana-Tal.
Usbekistan – die wichtigsten Zahlen, Daten & Fakten des Landes
- Hauptstadt: Taschkent
- Staats- und Regierungsform: präsidentielle Republik
- Staatsoberhaupt (Stand: November 2022): Präsident Shavkat Mirziyoyev
- Regierungschef (Stand: November 2022): Premierminister Abdulla Aripov
- Amtssprache: Usbekisch
- Einwohnerzahl: 35,4 Millionen (April 2022)
- Bevölkerungsdichte: 78 Einwohner pro km²
- Fläche: 448.978 km²
- Währung: Soʻm (UZS)
- Bruttoinlandsprodukt: 69 Milliarden US-Dollar (2021)
Usbekistan – die Geschichte des Landes
Usbekistan liegt an der historischen Seidenstraße von Europa nach China und hat ein reiches kulturelles Erbe zu bieten. Im 4. Jahrhundert vor Christi wurde Usbekistan von Alexander dem Großen erobert. Danach beherrschten wechselnde Fremdherrschaften, zuerst die Araber (8. Jh. n. Chr.), danach die Mongolen (13. Jh. n. Chr.) Usbekistans Geschichte. Die usbekischen Staaten waren aufgrund ihrer Lage weit im Landesinneren kaum in der Lage an den alten Wohlstand anzuknüpfen, sodass das Land sich im 19. Jahrhundert den Russen ergeben musste und zu einem russischen Protektorat wurde.
Mit der Ausrufung der UdSSR wurde Usbekistan auch formell eingegliedert. Die UdSSR entschied sich, die wasserintensive Baumwollindustrie in Usbekistan anzusiedeln und leitete hierzu mehrere Zuflüsse des Aralsees zur Bewässerung der Baumwollplantagen um. Die darauffolgende Austrocknung des Aralsees gehört zu den größten Umweltkatastrophen der modernen Menschheitsgeschichte. Nach dem Zerfall der Sowjetunion erklärte sich Usbekistan im Jahr 1991 für unabhängig, 1992 trat Usbekistan den Vereinten Nationen bei.
Usbekistan – das politische System des Landes
Nach dem Tod des langjährigen Diktators Karimov hat Präsident Shavkat Mirziyoyev seit 2017 zwar einige politische Reformen eingeleitet. Ob diese im islamistisch geprägten und autoritär regierten Staat weitgreifend sind, ist allerdings unklar. Konkret bedeutet das u. a.: Die Menschenrechtssituation im Land ist schwierig. Folter und Gewaltanwendung durch die Staatssicherheitsorgane ist nicht nur bei Staatsschutzverbrechen (Islamismusverdacht) Routine, Haftstrafen sind oft drakonisch.
Für Touristen bedeutet das: In der Öffentlichkeit sollte jegliche Äußerung gegenüber Einheimischen zur politischen Situation vermieden werden, auch um diese nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Aktuell (Stand: 24. November 2022) wird von Reisen in die autonome Provinz Karakalpakstan dringend abgeraten. Nach Unruhen war bis 21. Juli 2022 über die Region der Ausnahmezustand verhängt worden, es galt eine nächtliche Ausgangssperre.
Usbekistan – die Wirtschaft des Landes
Usbekistan ist reich an fossilen und mineralischen Ressourcen. Dazu zählen z. B. die Erdöllager des Ferganabeckens. Deshalb gehörte das Land zu den wichtigen Rohstofflieferanten Russlands und der UdSSR. Die wichtigste Erdgaslagerstätte befindet sich in Gasli. Braunkohle und Kupfer sind weitere Bodenschätze.
Von größerer Bedeutung sind die Goldvorkommen, vor allem in den Bergregionen und in der Wüste Kysylkum, wo in zehn Goldminen das begehrte Edelmetall gewonnen wird. Die sowjetische Planwirtschaft wurde nie ernsthaft reformiert, alle wichtigen Wirtschaftszweige sind deshalb auch weiterhin in Staatshand, hohe Strafzölle halten die Konkurrenz aus dem Ausland fern.
Die wichtigsten Exportgüter Usbekistans sind Baumwolle, Dienstleistungen, Energie und Energieträger, Metalle, Nahrungsmittel, Maschinen und Ausrüstungen sowie chemische Erzeugnisse. Russland, China, Südkorea, Deutschland und Kasachstan sind die fünf wichtigsten Lieferländer Usbekistans. Da Usbekistans Boden zum größten Teil aus Wüste besteht, werden nur zehn Prozent der Landfläche für die Landwirtschaft genutzt.
Trotzdem ist die Landwirtschaft mit 35 % Anteil an den Wirtschaftssektoren (Industrie 23 %, Dienstleistungen 42 %) von hoher wirtschaftlicher Bedeutung für Usbekistan. In der Viehzucht konzentriert man sich auf die Haltung von Schafen – u. a. Karakulschafe – Rinder und Ziegen sowie Geflügel.
Usbekistan – die Bevölkerung des Landes
73,7 % der Bevölkerung sind Usbeken. Nach dieser stärksten Bevölkerungsgruppe ist das Land auch benannt. Die anderen Nationalitäten haben folgende Anteile:
- 5,5 % Russen
- 5,1 % Tadschiken
- 4,2 % Kasachen
- 2 % Krimtataren
- 2 % Karakalpaken
- 1,1 % Koreaner.
63 % der Einwohner Usbekistans leben in ländlichen Gebieten, nur 37 % in Städten wie z. B. Taschkent, Buchara, Samarkand, Urgentsch etc. Das Bevölkerungswachstum lag zwischen 1990 und 1999 im Durchschnitt bei ca. 2,3 % pro Jahr, in der Zeit zwischen 2012 und 2021 lag der Durchschnittswert bei 1,5%. Die Russen in Usbekistan leben fast ausschließlich in der Hauptstadt Taschkent und in anderen Industriegebieten.
Eine größere tadschikische Minderheit hat sich in den Gebieten um Samarkand und Buchara angesiedelt. Die Karakalpaken leben in erster Linie in ihrem Heimatgebiet, der Karakalpakischen Autonomen Republik. Eine Besonderheit ist: Neunzig Prozent der usbekischen Bevölkerung sind Muslime, trotzdem wird oft und gerne Alkohol getrunken, meist Wein oder Wodka. Kommt ein Geistlicher in die Nähe oder ertönt der Ruf des Muezzins, verstecken die Usbeken ihre Gläser oft unter der Tischplatte, denn: „Allah kann nicht durch den Tisch schauen.“
Usbekistan – die wichtigsten Städte des Landes
- Taschkent („Stadt aus Stein“) ist seit 1930 die Hauptstadt Usbekistans und mit 2,5 Mio. Einwohnern auch die größte Stadt des Landes. Bei einem Erdbeben wurde 1966 viel der historischen Substanz zerstört. Trotzdem zählt die Altstadt, darunter auch der Marktplatz Registan zum UNESCO-Weltkulturerbe. Aus sowjetischer Zeit existieren kommunistische Prachtbauten und seit der Unabhängigkeit wird vermehrt versucht den Gebäuden einen usbekischen Baustil zu verpassen.
- Nukus ist eine Musterstadt sowjetischer Stadtplanung mit weiten Straßen, großen Plätzen und Wohnanlagen. Die Stadt ist auch Hauptstadt der autonomen Republik Karakalpakstan. Über die Grenzen Usbekistans hinaus bekannt ist die Stadt für das Kunstmuseum, das eine exklusive Sammlung russischer Avantgardekünstler enthält, die in Usbekistan in Verbannung lebten.
- Chiwa ist eine alte Oasenstadt wie aus „Tausendundeiner Nacht“ und wartet mit einer autofreien, weitestgehend intakten Altstadt mit unzähligen Moscheen und Medresen auf. Die Altstadt zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe.
- Samarkand bietet verteilt über die Stadt architektonische Kleinode aus der Zeit der Timuriden von Weltrang, allen voran der Registan, ein Platz mit drei großen Medresen.
- Buchara, deren Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, ist wie Chiwa eine historische Oasenstadt, die über 140 Baudenkmäler aufweist. Die Stadt gilt als eine der ältesten Mittelasiens.
- Termiz ist – an der Grenze zu Afghanistan – die südlichste Stadt Usbekistans. Die Stadt zeichnet sich besonders durch das buddhistische Erbe aus.
Usbekistan – die Geografie des Landes
Usbekistans Staatsgrenze hat eine Gesamtlänge von 6893 km. Davon entfallen 144 km auf Afghanistan, 2330 km auf Kasachstan, 1314 km auf Kirgisistan, 1312 km auf Tadschikistan und 1793 km auf Turkmenistan. Geografisch ist Usbekistan zweigeteilt: Während der Westen größtenteils aus unwirtlicher Steppenlandschaft besteht, befinden sich in den Ausläufern des Pamirgebirges im Osten alle größeren Städte inklusive die Hauptstadt Taschkent.
Die komplizierte Grenzziehung als Erbe der Sowjetzeit sorgt dort bis heute für große Probleme, weil viele noch zu Sowjetzeiten errichtete Verkehrswege teils mehrfach die Staatsgrenzen kreuzen und dadurch kaum sinnvoll benutzbar sind. Administrativ gegliedert ist Usbekistan in zwölf Gebiete und die autonome Republik Karakalpakstan. Für Touristen haben diese Regionen allerdings wenig Bedeutung, von größerem Interesse sind eher diese Regionen:
- Nördliches Usbekistan, das geprägt ist von Wüsten und weiten Steppen. In der Region befindet sich die autonome Republik Karalpakstan, der ausgetrocknete Aralsee und die Oasenstadt Chiwa.
- Buchara und Samarkand, das historische Kernland direkt an der Seidenstraße mit den beiden Städten Buchara und Samarkand
- Zentralusbekistan, heute das politische und wirtschaftliche Zentrum rund um Taschkent.
- Südliches Usbekistan, das etwas abseits der üblichen Reiserouten liegt. Die wichtigste Stadt der bergigen Region ist Termiz.
- Ferganatal, die dichtbesiedelte Region Usbekistans und die Korn- und Obstkammer des Landes.
Usbekistan – das Klima des Landes
Usbekistan ist geprägt von kontinentalem Klima. Es ist neben Liechtenstein weltweit der einzige Binnenstaat, der ausschließlich von Binnenstaaten (= Länder, die keinen Meeresanschluss besitzen) umgeben ist. Deshalb wird es im Sommer sehr heiß (mehr als 40°C), während die Winter sehr kalt sind (bis zu -40°C). Die Durchschnittstemperatur in Taschkent beträgt im Januar -1 Grad und im Juli +27 Grad. Die angenehmste Reisezeit sind April und Mai sowie September und Oktober, wenn die mittlere Temperatur um die 15 bis 20 Grad liegt.