In römischen Hafen

Sensationeller Fund in der Adria: Archäologen entdecken antike Schiffswracks

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Ein Unterwasserarchäologe birgt bei Portorož einen Schiffsmasten aus der Römerzeit
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Slowenien besitzt nur einen kleinen Abschnitt der Adria, der aber mit idyllischen Urlaubsorten punktet. Vor der Küste haben Forscher jetzt einen römischen Hafen ausgegraben.

Piran – Das Hafenstädtchen Piran mit seinem Strandresort Portorož ist das wichtigste Touristenzentrum Sloweniens an der Adria. Während in Piran die idyllische Altstadt auf einer Halbinsel und einer Burg über den Dächern Idylle pur ist, reiht sich in Portorož Hotel an Hotel.

In den Gewässern vor Piran schlummerten archäologische Schätze aus der Römerzeit.

Was viele Freizeitkapitäne mit Yacht oder Luftmatratze nicht ahnten: In der Bucht von Portorož segelten oder strampelten sie über den Resten eines antiken Hafens aus der Römerzeit. Taucher des Instituts für Unterwasserarchäologie (ZaPa) haben von 2017 bis Februar dieses Jahres die Jahrhunderte alte Anlage freigelegt.

Die Forscher fanden exklusive Keramik und Zeugnisse hoch entwickelter römischer Technologie

„Die intakten römischen Schichten am Standort enthielten eine größere Menge an Keramikfragmenten – nach aktuellen Erkenntnissen handelte es sich überwiegend um importierte spätantike Gefäße wie Amphoren, Grobgeschirr und Sigillaten“, heißt es in einer Pressemitteilung des Instituts. Letzteres ist hochwertige römische Keramik mit roter, glänzender Oberfläche. Doch die eigentliche Sensation ist: „Darüber hinaus wurden an der Stätte Elemente der Takelage, zwei außergewöhnliche Funde von Schiffsmasten und eine größere Anzahl von Holzpfählen freigelegt.“

Das Institut folgert daraus: „Die vorhandenen Funde im Zusammenhang mit der außergewöhnlich geschützten Lage entlang der Küste und anderen nahegelegenen Orten lassen darauf schließen, dass es in der Spätantike einen kleinen Hafen mit Liegeplätzen und Holzkonstruktionen gab.“ Diese Holzanlagen seien entweder als Wellenbrecher oder als Verbindung zum Ufer benutzt worden.

Ein Archäologe präsentiert den Schiffsmasten

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass ihre Zweitverwendung wahrscheinlich als Liegeplatz für ein Schiff oder als Stützbalken einer Holzkonstruktion bestand. Der erste Mast bestand aus Tannenholz. Das Fundstück ist etwa einen Meter lang und verfügte zudem über einen integrierten Flaschenzug aus Eichenholz. Der zweite Mast besteht aus Fichtenholz und ist etwa anderthalb Meter lang.

Forscher sprechen von „weltweit einzigartigen Exemplaren“

Funde von Masten und Masten aus der Antike seien äußerst selten, und Interpretationen seien vor allem an experimentelle Archäologie und visuelle historische Quellen wie Reliefs, Statuen, Zeichnungen, Gemälde, Darstellungen auf Münzen und Mosaiken gebunden, erklärt das Institut weiter. „Wenn sich die Deutung der beiden Funde bestätigt, handelt es sich um weltweit einzigartige Exemplare“, sind die Forscher überzeugt. 

Es seien äußerst seltene Beispiele antiker Masten handele, wenn man die Funde der letzten 20 Jahre im gesamten Mittelmeerraum bedenke. Die Masten sollen laut rtvslo.si im Restaurierungszentrum mit Melaminharz konserviert werden. Anschließend will das Institut alle Funde an das Sergej-Masern-Schifffahrtsmuseum in Piran übergeben.

Eine bewegte Geschichte, in der auch Franken und Bayern mitmischten

Bisher wurden in dieser Gegend zwei weitere römische Stätten entdeckt. Die erste wurde 1998 erkundet und umfasst Reste einer Siedlung mit Nebengebäuden nahe einer heutigen Tankstelle. Außerdem haben die Unterwasserarchäologen bereits 2004 und 2005 die Fundamente einer Fischzuchtanlage unter Wasser erforscht. In diesem Jahr plant das Institut, an ausgewählten Orten ein Monitoring des unterwasserarchäologischen Kulturerbes in der Bucht von Koper einzurichten.

Die Westküste Istriens lag nach dem Ende des westlichen Römischen Reiches im 5. Jahrhundert in der Einflusssphäre des oströmischen bzw. byzantinischen Reiches. Dessen Hauptstadt war Konstantinopel, das 1453 von den türkischen Osmanen erobert wurde und seitdem Istanbul heißt. Das istrische Hinterland wurde nach dem Ende Westroms von Goten, Langobarden und Franken beherrscht, Slawen wanderten ein. Kurzzeitig gehörte es zu Bayern, bevor es ab 976 Teil Kärntens wurde. Bis 1918 teile es das Schicksal mit Österreich, bevor es Slowenien zugeschlagen wurde.

Die Adria birgt noch viele Geheimnisse: Auf der kroatischen Insel Korčula hatten Forscher eine Steinzeitstadt unter Wasser entdeckt. Im Januar war eine Gruppe von Höhlentouristen in Slowenien von einer Flutwelle überrascht worden.

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