Tropische Traumstrände, opulente Tempel

Thailand: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Großer Palast und Tempel des Smaragd-Buddha (Wat Phra Kaeo) in Bangkok, Hauptstadt von Thailand

Thailand ist eines der Traumziele für viele Touristen. Doch das Urlaubsparadies musste in jüngerer Zeit einige schwierige Phasen über sich ergehen lassen. Neben Naturkatastrophen hat es auch mit politischer Instabilität zu kämpfen.

  • Thailand ist de jure eine konstitutionelle Monarchie.
  • Das Königreich war bis ins 20. Jahrhundert noch unter dem Namen Siam bekannt.
  • Zum Staatsgebiet gehören etwa 500 Inseln.

Bangkok – Die Landfläche des gut 513.000 Quadratkilometer großen Thailands ähnelt in ihrem Umriss dem Kopf eines Elefanten. Das Land steht aufgrund seiner traumhaft schönen Strände sowie den alten Palästen und Tempeln bei vielen Urlaubern und Touristen an oberster Stelle. Allerdings hat das Königreich mit der Hauptstadt Bangkok seit einigen Jahren verstärkt mit einer instabilen politischen Situation zu kämpfen.

Thailand: Die Reiche der Thai

Die ersten Reiche auf dem Gebiet des heutigen Thailands wurden von den sogenannten Mon-Völkern gegründet, die noch unter dem Einfluss des indisierten Funan-Reiches standen. Diese Reiche wurden später von den Reichen der Thai, die ab dem 11. Jahrhundert einwanderten abgelöst. Eines der ersten bedeutenden Reiche war Sukhothai, das auch schon einen weiten Teil des heutigen Thailands umfasste.

Ab dem 14. Jahrhundert baute das Reich Ayutthaya seine Macht aus. Der Theravada-Buddhismus wurde zur beherrschenden Religion und auch das Königtum wurde zu einer Form des Absolutismus ausgebaut. Ab 1511 kamen Seefahrer aus Portugal als erster Europäer in das Reich und eroberten Malakka. Allerdings konnte Ayutthaya einer Kolonialisierung entgehen. Das Reich hatte in der Mitte des 17. Jahrhunderts seine Blütezeit. Erst innenpolitische Instabilität und Konflikte mit Nachbarländern sorgten Mitte des 18. Jahrhunderts für den Untergang des bis dahin vorherrschenden Königtums.

Thailand: Aufstieg der Chakri-Dynastie

Im ausgehenden 18. Jahrhundert kam die Chakri-Dynastie an die Macht, auf der noch das heutige Königshaus fußt. König Mongkut gestand den europäischen Kolonialmächten Handelsniederlassungen zu und brachte auch einige Reformen auf den Weg, um nicht von einer der Kolonialmächte erobert zu werden. Aus Thailand wurde so 1855 das Land Siam.

Unter seinem Nachfolger Chulalongkorn setzte eine umfangreiche Modernisierung des Landes ein. Es wurde in die Infrastruktur und in eine zentrale Verwaltung investiert, ein Steuersystem eingeführt, Schulen gebaut, die Sklaverei abgeschafft und die Wehrpflicht eingeführt. Siam konnte sich so seine Unabhängigkeit bewahren, ohne zum Spielball der Kolonialmächte zu werden. Im Ersten Weltkrieg blieb das Land zunächst neutral und stellte sich erst 1917 auf die Seite der Alliierten.

Aufgrund fortschrittlicher, europäischer Kräfte kam es 1932 zu einem Wandel des Königtums. Die absolute Monarchie wurde in eine konstitutionelle überführt. In der Verfassung von 1932 wurde auch das Frauenwahlrecht eingeführt. Siam hatte sich zu einem Nationalstaat entwickelt und wurde schließlich in Thailand (was „Land der Freien“ bedeutet) umbenannt. Gleichzeitig ging das Land 1938 bezüglich seiner Grenzen und Gebietsansprüche in Verhandlungen mit Frankreich. Aus dem Französisch-Thailändischen Krieg (1940/41) ging Thailand als Sieger hervor und erhielt Laos und Kambodscha aus den französischen Kolonien.

Thailand: Nachkriegszeit und Gegenwart

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Thailand über eine neue Verfassung eine Demokratie bekommen. Allerdings wurde die neue Zivilregierung schnell gestürzt und in eine Militärregierung überführt. Unter König Bhumibol Adulyadej, der von 1946 bis zu seinem Tod 2016 der Monarch des Landes war und somit der bisher am längsten herrschende König weltweit, wechselten sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer wieder Militärregierungen ab.

Thailand pflegte ein enges Verhältnis zu den USA und unterstützte die westliche Macht auch im Vietnamkrieg. Das Land legte einen rasanten wirtschaftlichen Boom hin und wurde zu einem der Pantherstaaten. Nach einigen Militärputschs und Bürgerkriegen stabilisierte sich die Wirtschaft im Laufe der 1990er Jahre. Allerdings kommt es seit Anfang der 2000er Jahre wieder zu starken innenpolitischen Unruhen. Grund sind gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen separatistischen muslimischen Malaien und der Zentralmacht. Seit 2014 ist das Land wieder in militärischer Hand. Die neue Regierung trägt stark autoritäre Züge. Das Land ist inzwischen politisch gespalten.

Thailand: Das politische System

Seit 1932 ist Thailand eine konstitutionelle Monarchie. Der König ist Staatsoberhaupt und oberster Schirmherr des Buddhismus im Land. Seine Thronfolge ist erblich. Er hat allerdings vorwiegend repräsentative Funktion und kann in Krisenzeiten deutlich Stellung beziehen. Ursprünglich teilte sich der König mit einem Zwei-Kammer-Parlament die Macht. 2014 wurde die bis dato gültige Verfassung außer Kraft gesetzt und durch eine Interimsverfassung ersetzt.

Die Gesetzgebung liegt daher derzeit in der Hand der Nationalen Legislativversammlung, die aus 220 Mitgliedern des Militärs besteht. Hinzu kommt ein Nationaler Reformrat, der aus 250 Mitgliedern besteht und sich ebenfalls aus Mitgliedern des Militärs zusammensetzt. Dieser gibt Vorschläge zu politischen Veränderungen. Überwacht wird das politische Geschehen zusätzlich vom „Nationalen Rat zur Erhaltung des Friedens“, dessen Vorsitzender der Premierminister ist.

Thailand: Fakten im Überblick

  • Hauptstadt: Bangkok
  • Amtssprache: Thai
  • Fläche: 513.115 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 69,95 Millionen (Stand 2021)
  • Währung: Baht (THB)
  • Verwaltungsgliederung: 76 Provinzen
  • Religion: Theravada-Buddhismus (94 %), Muslime (5 %), Christen (0,6 %), Hindus (0,1 %)

Thailand: Sprachen und Bevölkerung

Die offizielle Amtssprache des Landes ist Thai. Allerdings existieren noch 73 weitere Sprachen in Thailand. Die Tai-Kadai-Sprachen werden von etwa 94 Prozent der Bevölkerung gesprochen. Der Rest verteilt sich auf die austroasiatischen, austronesischen, tibetobirmanischen und Hmong-Mien-Sprachen auf. Englisch wird vom gebildeten Teil der Bevölkerung als Zweitsprache gesprochen. Es sind auch noch südchinesische Dialekte im Umlauf, die von Thailändern chinesischer Abstammung gesprochen werden. In Südthailand wird von der malaiischen Minderheit auch Malaiisch gesprochen.

Mit einer Einwohnerzahl von etwa 70 Millionen Menschen ist Thailand einer der 20 bevölkerungsreichsten Staaten der Welt. Da die Thailänder keine Daten zur ethnischen Zusammensetzung erheben, lässt sich der prozentuale Anteil der einzelnen Volksgruppen nur schätzen. Forscher gehen davon aus, dass etwa 75 Prozent der Bevölkerung ethnische Thai sind. Etwa 14 Prozent sind ethnische Chinesen, vier Prozent entfallen auf die Malaien und die restlichen sieben Prozent verteilen sich auf Khmer, Bergvölker, Flüchtlinge sowie Migranten und Einwanderer aus aller Welt.

Thailand: Geografie und Städte

Thailand grenzt an Myanmar, Laos, Kambodscha, Malaysia, das Andamanische Meer im Indischen Ozean und den Golf von Thailand im Pazifischen Ozean. Der Umriss des Landes ähnelt im Ansatz dem Kopf eines Elefanten. Der Norden Thailands ist gebirgig – mit dem 2.565 Meter hohen Doi Inthanon als höchste Erhebung. Die Zentralregion und der Osten sind das wirtschaftliche Herzstück des Landes. Zum Staatsgebiet gehören noch um die 500 Inseln, von denen Phuket eine der bekanntesten ist.

Gut die Hälfte der Einwohner des Landes lebt in Städten. Der Großraum Bangkok gilt mit seinen 4.000 Einwohnern pro Quadratkilometer als die am dichtesten besiedelte Region des Landes.

Die größten Städte Thailands im Überblick

  • 1 Bangkok: 5.696.409 Einwohner, Verwaltungseinheit Bangkok
  • 2 Nonthaburi: 256.960 Einwohner, Verwaltungseinheit Nonthaburi
  • 3 Pak Kret: 187.239 Einwohner, Verwaltungseinheit Nonthaburi
  • 4 Hat Yai: 159.687 Einwohner, Verwaltungseinheit Songkhla
  • 5 Nakhon Ratchasima: 133.005 Einwohner, Verwaltungseinheit Nakhon Ratchasima
  • 6 Chiang Mai: 132.556 Einwohner, Verwaltungseinheit Chiang Mai
  • 7 Udon Thani: 132.106 Einwohner, Verwaltungseinheit Udon Thani
  • 8 Surat Thani: 129.484 Einwohner, Verwaltungseinheit Surat Thani
  • 9 Chao Phraya Surasak: 124.266 Einwohner, Verwaltungseinheit Chon Buri
  • 10 Khon Kaen: 119.537 Einwohner, Verwaltungseinheit Khon Kaen

Thailand: Wissenswertes zum Land

Thailand entwickelt sich wirtschaftlich immer weiter weg vom Schwellenland mittleren Einkommens hin zu einer Industrienation. Die Landwirtschaft trägt nur noch ein Zehntel zum Bruttoinlandsprodukt bei. Auf die Industrie entfallen mittlerweile etwa 40 Prozent und auf Dienstleistungen sogar 50. Gerade in der Autoindustrie, aber auch in der Elektro- und Textilindustrie ist das Label „Made in Thailand“ inzwischen gängig geworden.

Der wichtigste Wirtschaftszweig dürfte der Tourismus sein, der inzwischen auf eine lange Geschichte zurückblickt. Bereits in den 1970er Jahren wurde Thailand im Zuge des Vietnamkriegs ein Ort der Erholung für US-amerikanische Streitkräfte. Zeitgleich setzte auch der Sextourismus ein. Nach der verheerenden Tsunami-Katastrophe an Weihnachten 2004 brach der Tourismus für einige Zeit ein. Inzwischen haben sich die Zahlen wieder erholt. Allein 2018 kamen über 38 Millionen Touristen ins Land und sorgten für Einnahmen in einer Höhe von 65,2 Milliarden US-Dollar.

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