U-Boot-Unglücke

U-Boot-Friedhof tief im Meer: Neben der „Titan“ kam es zu weiteren Implosionen

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Die „Titan“ ist nicht das erste U-Boot, das implodierte. In der Vergangenheit gab es bereits einige U-Boot-Unglücke – eine Bergung ist kaum möglich.

München – Fünf Menschen sind bei der Implosion des U-Boots „Titan“ ums Leben gekommen. Mehrere Tage galt das U-Boot als verschollen, bis schließlich Einzelteile auf dem Meeresboden nahe dem Schiffswrack der Titanic gefunden wurden. Das Touristen-U-Boot „Titan“ ist damit das erste kommerzielle U-Boot, das implodierte. Ähnliche Fälle gab es in der Vergangenheit; allerdings mit Marine-U-Booten.

Implosion von U-Boot: Versagen des Druckbehälters ist „wie eine kleine Bombe“

Eine Implosion kommt dann zustande, wenn der Druck innerhalb eines Gefäßes niedriger ist als außerhalb, wie das Wissenschaftsmagazin Spektrum der Wissenschaft erklärt. Infolge dieser Druckdifferenz werden die Außenwände des Gefäßes zerstört: Bruchstücke davon fliegen zuerst in den Innenraum und schleudern danach nach außen.

Um dem enormen Unterwasserdruck standhalten zu können, verfügen Tauchboote daher über einen Druckbehälter, der den Wasserdruck von der Besatzung fernhält. Bei dem Defekt dieses Behälters droht die Implosion des U-Boots. „Wenn der Druckbehälter katastrophal versagt, ist das wie eine kleine Bombe, die explodiert. Dabei könnten alle Sicherheitsvorrichtungen zerstört werden“, erklärte Stefan Williams, Professor für Meeresrobotik an der Universität Sydney, gegenüber The Guardian.

Implosion von U-Boot: Vor „Titan“ kam es zu Unglücken bei der argentinischen Marine

Die letzte Implosion eines U-Boots ereignete sich 2017. Das U-Boot „ARA San Juan“ der argentinischen Marine verschwand vor der argentinischen Küste im Südatlantik auf dem Weg von Ushuaia zu ihrem Heimathafen Mar del Plata. Sechs Schiffe und drei Flugzeuge mit speziellen Suchgeräten waren in einem Gebiet mit einem Durchmesser von etwa 125 Kilometern im Südatlantik im Einsatz, um das Tauchboot mit den insgesamt 44 Insassen zu suchen.

Ähnlich wie beim „Titan“-Unglück bestand nach dem Kontaktabbruch Hoffnung, die Besatzung lebend bergen zu können. Nach rund zwei Wochen erklärte die argentinische Marine die Suche allerdings für beendet und erklärte die Insassen für tot. Erst ein Jahr später, im November 2018, wurde das Wrack „ARA San Juan“ in 907 Meter Tiefe gefunden. Experten gehen davon aus, dass ein Technikfehler des in Deutschland gebauten U-Boots Schuld an der Implosion war.

Neben „Titan“ sind bereits U-Boote der US-Marine implodiert

Auch U-Boote der US-Marine sind in der Vergangenheit bereits verunglückt. Im April 1963 führte US-Atom-U-Boot Tieftauchversuche durch, als der Funkkontakt plötzlich abbrach. Wie das Marinemuseum National Museum of the U.S. Navy berichtet, stellte sich heraus, dass das Schiff gesunken und schließlich implodiert war. 129 Offiziere, Besatzungsmitglieder und zivile Techniker kamen dabei ums Leben. Nach einer Überprüfung der Beweise kam der Untersuchungsausschuss zu dem Schluss, dass das Schiff wahrscheinlich durch einen Rohrleitungsausfall gesunken war.

Unter Wasser wirken enorme Kräfte auf das U-Boot ein.

Wenige Jahre später, im Mai 1968, verunglückte ein weiteres US-Atom-U-Boot. Mit 99 Besatzungsmitgliedern sank das Tauchboot „Scorpion“ auf rund 3000 Meter Tiefe und implodierte. Ende Oktober fand ein ozeanografisches Forschungsschiff der Marine Teile des Rumpfes der „Scorpion“, wie das National Museum of the U.S. Navy auf seiner Website informiert.

Bergung von U-Booten nach einer Implosion in der Regel unmöglich

Eine Bergung implodierter U-Boote gestaltet sich aufgrund der großen Tiefe, in denen sich die Wracks befinden sowie dem hohen Gewicht der Marine-U-Boote – sie bestehen in der Regel aus Stahl und wiegen mehrere Tausend Tonnen – meist schwierig. Auch eine Bergung der Leichen ist nach einer Implosion beinahe unmöglich, denn die Kräfte wirken nicht nur auf das U-Boot, sondern auch auf die Körper der Insassen. (tt)

Rubriklistenbild: © Oceangate/dpa

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