Im Atlantik verschwunden

Was ist mit dem Titanic-U-Boot passiert? Schiffsexperte zeigt zwei Szenarien auf

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Plötzlich weg! Die Tauchkapsel „Titan“ ging auf ihrem Weg zur Titanic verloren. Wie kann das sein? Ein Experte schildert zwei Szenarien.

München – Seit Sonntag läuft die Suche nach dem Touristen-U-Boot „Titan“, das fünf Menschen zum Wrack der Titanic bringen sollte. Die Tauchkapsel verschwand im Atlantik. Etwa eine Stunde und 45 Minuten nachdem sie zu Wasser gelassen wurde, empfing das Mutterschiff „Polar Prince“ kein Signal mehr. Die Küstenwache wurde informiert.

An Bord des Titanic-Bootes sollen sich vier Touristen und ein Kapitän befinden – unter ihnen offenbar auch der milliardenschwere britische Geschäftsmann Hamish Harding.

Was ist dem kleinen U-Boot passiert? Alistair Greig, Professor für Schiffstechnik, vom Universtiy-College in London, beschreibt in der BBC zwei mögliche Szenarien.

Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer

Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“
Sie schufen den Mythos um die 1912 gesunkene „Titanic“: Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“. Der Film gewann elf Oscars. 130 Millionen Besucher zog es in den USA ins Kino, immerhin 18 Millionen in Deutschland. © imago/EntertainmentPictures
Titanic
Die überreste des gesunkenen Luxusdampfers „Titanic“ liegen in rund 3800 Metern Tiefe (undatiertes Archivfoto). © epa PA/epa/dpa
Das Wrack der Titanic.
Titanic Wrack U-Boot.jpg © Atlantic Productions/Magellan/Imago
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.  © Atlantic Productions/dpa
Atlantik
Hier liegt das Wrack der „Titanic“ im Atlantik. © Google/dpa
Titan
Dieses vom American Photo Archive herausgegebene Foto zeigt das Tauchboot „Titan“ von OceanGate Expeditions, das zur Besichtigung der Wrackstelle der „Titanic“ eingesetzt wurde. © American Photo Archive/Alamy/PA Media/dpa
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus.
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus: Eine Reise zur Titanic kostet Privatpersonen mit dem U-Boot rund 250.000 Dollar. © OceanGate Expeditions / AFP
Dieses Archivbild zeigt das Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik.
Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik verschollen (Archivfoto). Das kleine U-Boot ist knapp sieben Meter lang und fünf Personen bis in eine Tiefe von 4.000 Metern befördern.  © OceanGate Expeditions/AP/dpa
Der Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“.
Dieses von American Photo Archive zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“ von OceanGate Expeditions mit den damals reisenden Passagieren. Im Inneren des Tauchboots hat die Besatzung wenig Platz und nur eine bestimmte Menge Sauerstoff, wie eine ältere Fotoaufnahme zeigt. © American Photo Archive Alamy
Hamish Harding
Hamish Harding im Juni 2023 in London. Der britische Geschäftsmann und Abenteurer ist an Bord des Tauchboots, das in der Nähe des „Titanic“-Wracks im Atlantik vermisst wird. © Dirty Dozen Productions/PA Media/dpa
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde.
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde. © Greg Gilbert/dpa/Archivbild
U-Boot wird nahe Titanic-Wrack vermisst
Das U-Boot Titan ist auf dem Weg zur untergegangenen Titanic verschollen. © Dirty Dozen Productions/dpa
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt.
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt. © FP PHOTO / DIRTY DOZEN PRODUCTIONS / HANDOUT
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache, leitet die Suche nach dem verschwundenen U-Boot. Ein Wettlauf gegen die Zeit. © Joseph Prezioso / AFP
Karte wo das Tauchboot vermisst wurde
Die Trümmer des Tauchbootes auf dem Weg zur Titanic wurden gefunden. Eine Karte zeigt, wie nahe es dem versunkenen Schiff gekommen ost.  © Google/dpa
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes.
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes. © AFP PHOTO/DAWOOD HERCULES CORPORATION
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben.
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben. © imago
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks.
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks. © Paul Daly/dpa

1. Titanic-Szenario: Stromausfall an Bord des U-Boots

Falls es einen Strom- oder Kommunikationsausfall an Bord gab, könnte die Besatzung Ballast abgeworfen haben. „Dann würde die Tauchkapsel an der Oberfläche herumtreiben und darauf warten, gefunden zu werden“, erklärt Greig.

Kleine U-Boote wie die „Titan“ haben stets Ballast an Bord, der im Notfall zurückgelassen werden kann. So verringert sich das Gewicht der Kapsel und sie treibt auf.

Ein Stromausfall könnte erklären, wieso die Verbindung zum U-Boot plötzlich abgebrochen ist. Für die Besatzung würde das bedeuten, dass sie keinen Kontakt zum Mutterschiff mehr herstellen und auch sonst keine Notrufe senden kann. Treibt die „Titan“ gerade hilflos im Atlantik? Die US-Küstenwache sucht die Meeresoberfläche unter anderem mit zwei Flugzeugen ab, die Überlebenschancen für die Crew scheinen in diesem Szenario am größten.

Diese von OceanGate Expeditions zur Verfügung gestellte undatierte Aufnahme zeigt das Titan-U-Boot des Unternehmens OceanGate Expeditions. Im Nordatlantik suchen Rettungskräfte fieberhaft nach einem Tauchboot, das mit fünf Insassen auf dem Weg zum berühmten Wrack der Titanic war.

2. Titanic-Szenario: U-Boot hat ein Leck

Wenn der Rumpf der Tauchkapsel beschädigt sein sollte, „ist die Prognose nicht gut“, fürchtet Greig. Selbst wenn das Leck nicht die Personenkammer beträfe, die Crew also atmen könnte, seien die Optionen begrenzt.

Sollte das U-Boot auf den Meeresgrund gesunken sein und könne nicht mehr aus eigener Kraft aufsteigen, wäre eine Rettung fast unmöglich, sagt Greig. „Wenn es tiefer als 200 Meter liegt, gibt es nur sehr wenige Schiffe, die so tief vordringen können – und schon gar keine Taucher. Marine-Fahrzeuge, die für die U-Boot-Rettung entwickelt wurden, können nicht annähernd auf die Tiefe der Titanic tauchen.“

Das Wrack der Titanic befindet sich in einer Tiefe von 3.803 Metern. Die Tauchkapsel „Titan“ ist darauf ausgelegt, 4.000 Meter tief zu tauchen. Am Meeresgrund würde die Kammer also nicht zerbersten. Aber schon die Suche ist schwierig: Trümmerteile der Titanic erschweren die Ortung. Fünf Menschen sollen sich an Bord befinden und ihnen läuft die Zeit davon. Das Mini-U-Boot bietet ihnen Luft für maximal 96 Stunden. Die Rettungskräfte liefern sich einen Wettlauf mit der Zeit. Es war die einzige Titanic-Fahrt, die 2023 geplant war. (moe)

Rubriklistenbild: © OceanGate Expeditions/dpa

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