Was ist mit dem Titanic-U-Boot passiert? Schiffsexperte zeigt zwei Szenarien auf
VonMoritz Bletzinger
schließen
Plötzlich weg! Die Tauchkapsel „Titan“ ging auf ihrem Weg zur Titanic verloren. Wie kann das sein? Ein Experte schildert zwei Szenarien.
München – Seit Sonntag läuft die Suche nach dem Touristen-U-Boot „Titan“, das fünf Menschen zum Wrack der Titanic bringen sollte. Die Tauchkapsel verschwand im Atlantik. Etwa eine Stunde und 45 Minuten nachdem sie zu Wasser gelassen wurde, empfing das Mutterschiff „Polar Prince“ kein Signal mehr. Die Küstenwache wurde informiert.
Was ist dem kleinen U-Boot passiert? Alistair Greig, Professor für Schiffstechnik, vom Universtiy-College in London, beschreibt in der BBC zwei mögliche Szenarien.
Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer
1. Titanic-Szenario: Stromausfall an Bord des U-Boots
Falls es einen Strom- oder Kommunikationsausfall an Bord gab, könnte die Besatzung Ballast abgeworfen haben. „Dann würde die Tauchkapsel an der Oberfläche herumtreiben und darauf warten, gefunden zu werden“, erklärt Greig.
Kleine U-Boote wie die „Titan“ haben stets Ballast an Bord, der im Notfall zurückgelassen werden kann. So verringert sich das Gewicht der Kapsel und sie treibt auf.
Ein Stromausfall könnte erklären, wieso die Verbindung zum U-Boot plötzlich abgebrochen ist. Für die Besatzung würde das bedeuten, dass sie keinen Kontakt zum Mutterschiff mehr herstellen und auch sonst keine Notrufe senden kann. Treibt die „Titan“ gerade hilflos im Atlantik? Die US-Küstenwache sucht die Meeresoberfläche unter anderem mit zwei Flugzeugen ab, die Überlebenschancen für die Crew scheinen in diesem Szenario am größten.
Diese von OceanGate Expeditions zur Verfügung gestellte undatierte Aufnahme zeigt das Titan-U-Boot des Unternehmens OceanGate Expeditions. Im Nordatlantik suchen Rettungskräfte fieberhaft nach einem Tauchboot, das mit fünf Insassen auf dem Weg zum berühmten Wrack der Titanic war.
Wenn der Rumpf der Tauchkapsel beschädigt sein sollte, „ist die Prognose nicht gut“, fürchtet Greig. Selbst wenn das Leck nicht die Personenkammer beträfe, die Crew also atmen könnte, seien die Optionen begrenzt.
Sollte das U-Boot auf den Meeresgrund gesunken sein und könne nicht mehr aus eigener Kraft aufsteigen, wäre eine Rettung fast unmöglich, sagt Greig. „Wenn es tiefer als 200 Meter liegt, gibt es nur sehr wenige Schiffe, die so tief vordringen können – und schon gar keine Taucher. Marine-Fahrzeuge, die für die U-Boot-Rettung entwickelt wurden, können nicht annähernd auf die Tiefe der Titanic tauchen.“
Das Wrack der Titanic befindet sich in einer Tiefe von 3.803 Metern. Die Tauchkapsel „Titan“ ist darauf ausgelegt, 4.000 Meter tief zu tauchen. Am Meeresgrund würde die Kammer also nicht zerbersten. Aber schon die Suche ist schwierig: Trümmerteile der Titanic erschweren die Ortung. Fünf Menschen sollen sich an Bord befinden und ihnen läuft die Zeit davon. Das Mini-U-Boot bietet ihnen Luft für maximal 96 Stunden. Die Rettungskräfte liefern sich einen Wettlauf mit der Zeit. Es war die einzige Titanic-Fahrt, die 2023 geplant war. (moe)