Windgeschwindigkeiten bis 200 km/h

Weggespülte Brücken, umgestoßene Güterzüge, Todesopfer: Die Folgen der Unwetter in Norditalien

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Überschwemmungen in Norditalien (Archivbild aus Mailand, 31. Oktober 2023).
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Die Folgen der jüngsten Unwetter in Norditalien waren verheerend: Starke Windböen warfen einen Güterzug um, Wassermassen rissen Brücken mit sich.

Malo – Unwetter sorgten in Norditalien in den vergangenen Tagen für Verwüstungen. Wassermassen spülten zwei Brücken in dem kleinen Ort Malo zwischen Venedig und Mailand weg, zeitweise waren Viertel ohne Wasser und Strom. In der Lombardei ließen starke Windböen sogar einen Güterzug entgleisen. Dort forderten die Unwetter auch ein Todesopfer.

Unwetter in Norditalien: Zwei Brücken stürzen innerhalb einer Stunde ein

Kurz nach Mitternacht in der Nacht zum Donnerstag (16. Mai) brach die Brücke über den Livergon zwischen Via San Giovanni und Via Chenderle in Malo in Venetien zusammen. „Zum Glück war zum Zeitpunkt des Einsturzes niemand in der Nähe, sonst würden wir jetzt von einer Katastrophe sprechen“, sagte der Bürgermeister Moreno Morsetti, wie Corriere del Veneto berichtete. Kurz darauf stürzte eine weitere Brücke in der Nähe ein. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden, allerdings waren Verkehrsbehinderungen sowie eine zeitweilige Unterbrechung der Strom- und Wasserversorgung in Teilen der Stadt die Folge.

In Venetien zählten die Einsatzkräfte in zwei Tagen rund 1800 Einsätze. „Generell ist die Situation hier in Malo aber durchaus kritisch“, so der Bürgermeister. Auch mehrere Häuser seien von Überschwemmungen betroffen. Im etwa 100 Kilometer entfernten Borgo Mantovano in der Lombardei entgleiste wegen der schweren Unwetter sogar ein Güterzug. „In all meinen Jahren als Bürgermeister hatte ich noch nie gesehen, wie Züge vom Wind umgeworfen wurden“, schrieb der dortige Bürgermeister, Alberto Borsari, am Donnerstag (17. Mai) auf Facebook.

Güterzug entgleist wegen Unwetter in Norditalien: „Windböen von bis zu 200 Kilometern pro Stunde“

Ursache des umgestürzten Zuges sei „ein heftiges Supergewitter mit außergewöhnlicher Intensität, begleitet von extrem heftigen Windböen von wahrscheinlich über 150 bis 200 Kilometern pro Stunde“ gewesen, wie Wetterexperten der Zeitung La Republicca mitteilten. Viele Straßen und Keller seien überflutet, ebenso wie das lokale Krankenhaus, hieß es vom Bürgermeister des Ortes weiter. „Unglaubliche Szenen auch in den nahe gelegenen Häusern in der Via Roma Sud in Villa Poma, wo Dächer weggeblasen und alles zerstört wurde. Eine wirklich schwierige Situation.“

Erleichtert zeigte sich Borsari indes darüber, dass es in seiner Stadt keine Verletzten gegeben habe. In der Stadt Cantù südlich von Como forderten die Unwetter allerdings ein Todesopfer: Ein 66-jähriger Mann war beim Einsturz einer Brücke ins Wasser gefallen und am Freitag drei Kilometer flussabwärts gefunden worden, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) unter Berufung auf die lokale Feuerwehr berichtete. Insgesamt rückte die Feuerwehr in der Lombardei in 48 Stunden rund 1000 Mal aus.

Im Südwesten Deutschlands waren für Freitag ebenfalls Unwettern und Starkregen vorhergesagt. Gebietsweise seien „durchaus über 50 Liter pro Quadratmeter in 12 bis 24 Stunden möglich, lokal kann auch extrem ergiebiger Regen mit Mengen über 80 Liter pro Quadratmeter nicht ausgeschlossen werden“, sagte der Meteorologe Sebastian Schappert vom Deutschen Wetterdienst laut dpa. Immer häufigere extreme Wetterlagen sind laut Klimaforschern Folgen des Klimawandels.

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