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Nach dem Abschuss des Bären M90 in Norditalien meldet sich die Bergsteigerlegende Reinhold Messner zu Wort. In einem Interview fordert er die Tötung weiterer Tiere.
Juval/Trient – Der Abschuss des Bären M90 in den Bergen des Trentino sorgt für heftige Diskussionen. Das Tier, das von italienischen Tierschützern Sonny getauft worden war, war nur wenige Stunden nach dem Erlass eines entsprechenden Dekretes der Provinzregierung erschossen worden. Wenige Tage zuvor hatte Sonny Wanderer im Wald verfolgt. Das Tier war zuvor schon durch Dörfer getrabt und zeigte keine Scheu vor den Menschen. Dass die Behörden keine weiteren juristischen Schritte von Tierschützern abgewartet hatten und vollendet Tatsachen schufen, bringt diese auf die Palme. Sie fordern „Rache“ für den toten Sonny.
Jetzt mischt sich Messner in die Diskussion ein. In einem Interview mit der Zeitung La Stampa sagt der 79-Jährige, der auf Schloss Juval im Vinschgau lebt, dass es im Trentino-Südtirol zu viele Bären gebe. „Und dass wir nicht mehr wissen, wie wir damit leben sollen.“ Er stehe der Landwirtschaft nahe, und die Bergbauern hätten zwei Probleme: die Bären und die Wölfe.
Messner: Ein Bär braucht ein großes Revier und kommt in die menschlichen Siedlungen
Doch das Problem bei den Bären liege in ihrer Natur: „Der Bär braucht große Räume. Sie werden gefährlich, wenn sie nicht über genügend Territorium verfügen und in die Nähe von Siedlungen kommen.“ Messner versteht Menschen, die in Panik geraten, wenn sie Bären antreffen: „Es ist normal, dass man Angst hat, wenn man sie trifft.“ Für ihn gebe nur zwei Lösungen: „Töten Sie sie, wenn sie gefährlich sind, oder schicken Sie sie in die Karpaten, wo es Platz gibt.“
Messner hatte sich bereits voriges Jahr für den Abschuss von Bären starkgemacht. Danach habe er „sogar verrückte Drohbriefe erhalten, wie, dass sie lieber auf dich als auf die Bären schießen‘ sollen“. Der Ausnahmebergsteiger erklärt sich die Sympathie vieler für die Tiere so: „Niemand von ihnen denkt dabei an Bären, sondern man sucht etwas, mit dem man sich identifizieren kann, während man eigentlich Frieden unter den Menschen finden will.“
Bergsteiger-Legende will Ende der Grabenkämpfe um die Tiere
Messner will keine Grabenkämpfe um die Bären: „Leider haben wir schon viele Kriege. Wollen wir das auch bei Bären machen? Wir müssen damit aufhören.“ Und er fügt hinzu: „Die Entscheidungsträger sind in Trient, dort müssen sie Lösungen finden, die auf einer ernsthaften Analyse basieren. Was mich betrifft, kann ich nur sagen, dass Bären in den Bergen des Trentino ein Problem darstellen. Es scheint mir offensichtlich und der Grund ist genau ihre Zahl.“
Die Wahrheit bestehe darin, dass „wir nicht mehr in der Lage sind, mit diesen großen Fleischfressern zusammenzuleben“, so Messner. „Der Bär ist nicht mehr Bestandteil unserer Kultur. In unseren Bergen und jedenfalls im Trentino gab es seit 130 Jahren keine Bären mehr. Sie verschwanden, weil die Bauern sie nicht mehr ertragen konnten.“ Es habe keinen Sinn, um den heißen Brei herumzureden, das Problem sei das Zusammenleben mit Wildtieren. Messner abschließend: „Ich bliebe dabei, dass mein Ziel der Frieden ist, die Beendigung der Auseinandersetzungen zwischen Menschen wegen der Anwesenheit von Bären.“

