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Ein Pärchen ist in Norditalien von einem Bären verfolgt worden. Das Raubtier fiel bereits mehrfach auf – und soll nun abgeschossen werden.
Mezzana – Schon wieder ist es in den norditalienischen Alpen zu einer gefährlichen Begegnung zwischen Mensch und Tier gekommen. Zwei Verlobte (beide 30) waren in der Gemeinde Mezzana etwa 50 Kilometer südwestlich von Bozen am Sonntag (28. Januar) einer Forststraße nahe dem Ort in Richtung der Farini-Alm spazieren. Plötzlich tauchte ein Bär hinter ihnen auf, berichtet das Portal fanpage.it. Das Tier verfolgte das Paar über mehrere Hundert Meter. Zuvor war in Italien auch ein Wolf einer Mutter mit Kinderwagen bedrohlich nahegekommen.
Gefährlicher Vorfall in Italien: Bär verfolgt Paar „Hunderte von Metern“ durch den Wald
Die Verlobten behielten die Nerven. „Sie begannen langsam zurückzuweichen und machten sogar Lärm, aber das Raubtier folgte ihnen Hunderte von Metern“, berichtet Mezzanas Bürgermeister Giacomo Redolfi der Zeitung ildolimiti. Als das keinen Erfolg zeigte, rief das Pärchen per Handy Freunde an, die mit ihren Motorrädern zum Ort des Geschehens fuhren. Und den Bären mit dem Lärm der Fahrzeuge endlich verjagen konnten. Das Tier verschwand wieder im Wald.
Der Bär wurde als das Exemplar mit dem Kürzel M90 identifiziert, das schon mehrfach für Schlagzeilen gesorgt hatte: Das Tier war zwischen dem 14. und 15. September 2023 in der Nachbargemeinde Dimaro gefangen worden, weil er – wie die Provinz erklärte – „Schäden in der Nähe der bewohnten Gebiete verursacht“ hatte. Nachdem er mit einem Funkhalsband versehen worden war, wurde der junge Bär wieder freigelassen. Das Tier war unter anderem mitten durch den Ort getrabt, wie ein Video zeigte. Ein anderer Bär wurde vergangenes Jahr in einem Garten einer italienischen Ortschaft entdeckt.
Im Oktober begegneten Fahrradfahrer dem vermutlich gleichen Tier. Einen Tag später wurde er von einem Auto angefahren, aber offnebar nicht schwer verletzt. M90 türmte in den Wald.
Bär war schon mehrfach in der Nähe von Menschen aufgefallen
Dass jetzt mitten im Winter ein Bär unterwegs ist, mag viele überraschen. Einige Menschen dürften davon ausgehen, dass Bären noch Winterschlaf halten. Das ist aber laut Provinz Südtirol nicht der Fall: „Im Gegensatz zu Murmeltieren, die einen echten Winterschlaf halten, verfällt der Bär für die Winterperiode in eine Art Halbwinterschlaf.“ Unter Umständen könne es vorkommen, dass der Bär auch während dieser Zeit gelegentlich seine Höhle verlässt und in der unmittelbaren Nähe bleibt.
Hinzu kämen die besonders gemäßigten Temperaturen, die die Fortsetzung des Winterschlafes nicht „fördern“. Tatsächlich wurden erst vor wenigen Tagen in Mezzanas Nachbarort Malè Bärenspuren neben umgekippten Mülltonnen gefunden. Der Imkerverband des Trentino forderte die Besitzer von Bienenstöcken auf, ihre elektrischen Schutzzäune einzuschalten.
„Problematisches Exemplar“: Italienischer Provinzchef bereitet Abschuss des Bären vor – Tierschützer protestieren
Provinzpräsident Maurizio Fugatti von der rechten Partei Lega bereitet jetzt eine Abschussanordnung für M90 vor: „Dieses problematische Exemplar, das bereits mit einem Funkhalsband ausgestattet war, war Gegenstand zahlreicher Abschreckungsversuche auch im letzten Jahr“, ließ Fugatti per Mitteilung verkünden. „Nach Benachrichtigung des nationalen Umweltamtes ISPRA arbeitet die Provinz daran, den Sachverhalt zu rekonstruieren und zweifelsfrei festzustellen, was passiert ist, um dem Antrag auf Entfernung durch Abschuss nachzukommen.“
Der Internationale Tierschutzverein OIPA kündigte bei trentotoday.it an, dass er „wie immer alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen und in den nächsten Stunden um Zugang zu den Dokumenten bitten wird, um Einzelheiten über den Vorfall zu erfahren“. Außerdem kritisierte OIPA, dass Fugatti und sein Kabinett „weiterhin keine Präventionsmaßnahmen umgesetzt hätten, die ein friedliches Zusammenleben zwischen Großraubtieren, Bewohnern und Wanderern ermöglichen könnten“. Braunbären stehen eigentlich unter europäischem Schutz und dürfen nicht getötet werden.
Der Provinzpräsident Fugatti und die rechte Regierungsmehrheit im Trentino hatten kürzlich aber einen Abschussplan beschlossen, der die Tötung von acht Tieren pro Jahr vorsieht. Allerdings ist die Provinz schon mehrfach wegen Tötungsbefehlen für Bären vor Verwaltungsgerichten gescheitert. Die Menschen in den italienischen Alpen sind derzeit auch durch Felsstürze gefährdet, wie eine Steinlawine am Montag (29. Januar) am Brenner zeigte.
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