Mittelmeer-Region „wird massiv Touristen verlieren“: Wohin und wann wir in Zukunft reisen werden
VonRichard Strobl
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Der Klimawandel wird auch den Tourismus massiv verändern – meint ein Tourismusforscher. Vor allem die aktuellen Touristen-Hotspots in Europa verlieren – andere gewinnen.
Innsbruck – Mit Bayern hat nun auch das letzte Bundesland die Sommerferien erreicht. Doch die seit Generationen beliebten Urlaubsziele Europas leiden in diesem Sommer unter extremen Wetter-Ereignissen: Heftige Brände erschüttern besonders die griechischen Inseln, es brennt aber auch in Kroatien. Extreme Hitze sorgt in Süditalien, Malta und andernorts für Probleme, während in Norditalien brutale Stürme für Verwüstung sorgen. Dennoch zieht es die meisten Urlauber auch in diesem Sommer in diese Länder – doch wie lange noch?
Italien, Kroatien und Griechenland nicht die Sommer-Urlaubsländer der Zukunft?
Nach Meinung des österreichischen Tourismusforschers Andreas Reiter wird es am Mittelmeer in einigen Jahren zu heiß für den gewohnten Strandurlaub sein. Das schlussfolgert der Experte nun gegenüber der Tiroler Tageszeitung. Die Prognose sorgt natürlich vor allem in den betroffenen Urlaubsländern für Besorgnis und Aufregung. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa etwa titelt zu den Aussagen: „Das Mittelmeer wird massiv Touristen verlieren“.
Dabei wirken Reiters Ausführungen zunächst wenig überraschend – hat man die aktuellen Krisensituationen im Hinterkopf. Demnach werden Touristen das Mittelmeer in Zukunft eher Ende des Sommers bis Oktober besuchen. „Berge und Seen sind im Vorteil“, sagt Reiter dem Blatt, denn: „Bei 40 Grad ist man nicht an der Adria“. Der Professor an der Uni Krems und Leiter des Zukunftsbüros in Wien sieht aber nicht nur Nachteile für Südeuropa in dieser Entwicklung.
Sommer-Urlaub bald in Schweden?
Schließlich würde das Mittelmeer dann auch zu anderen Jahreszeiten interessant werden. Er selbst etwa werde zwischen Oktober und April nach Italien reisen, so der Experte. Im Sommer würden die Temperaturen „unerträglich“ sein. Seine Zukunftsvision der neuen Urlaubswelt in knapp 20 Jahren denkt Reiter noch einen Schritt weiter.
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Denn statt den Mittelmeer-Ländern würden dann andere Reiseziele im Sommer einen Boom erleben. Er nennt den Süden Schwedens und die Niederlande. Diese Destinationen könnten dann aber für viele Menschen unerschwinglich teuer werden.
Auch TUI geht davon aus, dass sich das Reisen durch den Klimawandel massiv verändern wird. TUI-Vorstandschef Sebastian Ebel sagte gerade erst der Bild, dass sich die Hauptferienzeit von Juli und August „in die Vor- und Nachsaison“ verschieben könnte. Dies würde sich mit der Prognose von Reiter decken. Und auch TUI erwartet dann letztendlich eine längere Tourismus-Saison, da es mehr Buchungen von Februar bis Mai und dann im Herbst geben werde.