VonPatrick Mayerschließen
In den Dolomiten sorgen Touristen für Unverständnis. Der Präsident der Sektion Südtirol des italienischen Alpenvereins nennt jetzt Kritikpunkte.
Bozen – Es ist vielleicht das Sehnsuchtsland für deutsche Touristen schlechthin: Italien. Das Reiseziel ist so beliebt, dass die Preise für Unterkünfte in den vergangenen Jahren teils enorm gestiegen sind. Zum Beispiel für Hotels, Ferienhäuser und Pensionen in Südtirol.
Südtirol in Italien: Vertreter des Alpenvereins regt sich über Touristen auf
Umgekehrt ärgern und wundern sich die Einheimischen nicht selten über das Verhalten der Urlauberinnen und Urlauber, wie etwa den Hobby-Bergsteigern und Wanderern in Alto-Adige (so der italienische Name für die autonome Provinz Südtirol).
Der Präsident der Sektion Südtirol des italienischen Alpenvereins beschwerte sich in einer Medienrunde jetzt enthemmt über Touristinnen und Touristen. Seiner Ansicht nach begingen sie zwischen Wanderrouten und Berghütten teils unverständliche Fehler und würden sich mitunter nicht anständig benehmen.
Touristen in italienischen Alpen: Südtiroler ist von Urlaubern in den Bergen genervt
„In der Klausner Hütte ist es passiert, dass Bergsteiger, die für mich keine richtigen Bergsteiger sind, mit Steigeisen auf dem Holzboden gelaufen sind und diesen ruiniert haben“, erzählte beispielsweise Carlo Alberto Zanella vom Club Alpino Italiano (CAI) italienischen Medien.
Einigen Urlaubern würde seiner Ansicht nach völlig das Gespür für die Umgebung fehlen, wenn sie sich auf eine Bergtour begeben, erklärte er, was demnach nicht selten in Gleichgültigkeit münde. Laut Südtiroler News regte sich Zanella förmlich über jene Bergtourengeher auf, die „heiße Duschen oder Gourmetgerichte“ in einer Schutzhütte verlangen. In seiner Kritik nannte er ein drastisches Beispiel.
| Autonome Provinz Bozen – Südtirol | |
| italienische Region: | Trentino-Alto Adige |
| Einwohner: | rund 530.000 |
| Hauptstadt: | Bozen (etwa 106.000 Einwohner) |
| Fläche: | 7.400,43 km² |
| bekannte Gemeinden: | Brixen, Bruneck, Meran, Kaltern |
| Sprachgruppen: | Deutsch, Italienisch, Ladinisch |
Südtiroler Berghütte für Partys genutzt? Alpenverein-Vertreter ist sauer
So werde die Winterhütte auf der Überetscher Hütte im Südtiroler Teil der Nonsberggruppe, die im Extremfall Leben retten solle, oft für Partys benutzt. „Die leeren Alkoholflaschen liegen nach den Feiern in der Gegend herum. Es ist klar, dass es sich bei solchen Leuten nicht um echte Bergliebhaber handelt, sondern um ein paar Rüpel, die nur auf den Berg gehen, um ein paar Likes in den sozialen Netzwerken zu sammeln“, erzählte der Alpinist.
Zanella forderte dem Bericht zufolge in der Medienrunde einen Kurswechsel. „Auf unsere eigene Weise versuchen wir als CAI, so viele wie möglich zu sensibilisieren, damit die Wanderer Respekt vor den Bergen lernen, doch immer wieder reagieren manche mit Arroganz und Gleichgültigkeit“, erklärte der Südtirol-Experte. Er kritisierte scharf, dass manchen Bergtouristen offenbar schlicht die Bildung fehle, wie er es nannte.
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Tourismus-Hotspot Südtirol: Fußball-Fans teilen gegen deutsche Urlauber aus
Er steht mit seiner Kritik wohl nicht alleine da. Kürzlich sorgten organisierte Fans des Fußballclubs Obermais für Aufsehen, als sie deutsche Urlauber in Südtirol regelrecht für unerwünscht erklärten. „Meran braucht net a Bürgerwehr, sondern kuane Piefke mehr“, hieß es auf einem Spruchband der Ultras der „Curva Sud Obermais“.
Deutsche werden im österreichischen und Südtiroler Volksmund gelegentlich abschätzig als solche „Piefke“ bezeichnet. Obermais ist ein (wohlhabender) Stadtteil der bekannten Kurstadt Meran im italienischen Etschtal. (pm)
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