Kritzelei mit ernstem Hintergrund

Touristen-Hass erreicht neuen Höhepunkt: Unbekannte schmieren Botschaft an Italien-Hotspot

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Eine Aufschrift an den Drei Zinnen in den Dolomiten erregt die Gemüter. Doch sie lenkt den Blick auf die Probleme durch den Massentourismus in der Gegend.

Auronzo di Cadore – Moreno Pesce, ein venezianischer Paralympics-Athlet und Bergsteiger, teilte kürzlich ein Video auf Facebook, in dem er einen Felsbrocken in der Nähe der berühmten Drei Zinnen in den Dolomiten filmt. „Ich möchte mich dazu eigentlich nicht äußern“, sagt er kopfschüttelnd in die Kamera. Es sind jedoch nicht die Dinosaurier-Abdrücke, die an dieser Stelle entdeckt wurden, die ihn sprachlos machen. Vielmehr ist es eine Schmiererei auf dem Stein, die ihn verärgert. Doch die Botschaft dahinter ist ernst.

Die Drei Zinnen in Südtirol und Belluno sind wohl unbestritten das Wahrzeichen der Dolomiten.

„Das ist kein gesunder Berg“ - Felsbrocken am Fuß der Drei Zinnen mit Botschaft beschmiert

Der Schriftzug „Tourists go home“ ist auf den Fassaden vieler beliebter Urlaubsziele zu finden, sei es in Palermo, Palma de Mallorca oder Barcelona. Nun entdecken Bergliebhaber und Italien-Urlauber diesen Slogan auch am Fuße des Wahrzeichens der Dolomiten, wie die Aufnahmen von Pesce zeigen.

Laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa, die sich auf den Corriere delle Alpi beruft, liegt der betroffene Fels zwischen der Auronzo-Hütte und der Lavaredo-Hütte in der Provinz Belluno. Pesce kritisiert den Akt des Vandalismus und sagt: „Ein Stein, in dem auch der fossile Fußabdruck zu finden ist. Das ist kein gesunder Berg. Tut mir leid. Für die Drei Zinnen ist das kein schönes Erwachen“.

Viele Medien berichteten über den Vorfall und zahlreiche Nutzer kommentierten das Video, indem sie das Graffiti als dumm und traurig bezeichneten. „Mir sind Touristen lieber als solche Vandalenakte“, ist in einem Kommentar auf dem Südtiroler Onlineportal salto.bz zu lesen. Wer für die Schmiererei verantwortlich ist, ist bisher nicht bekannt.

Vandalenakt thematisiert echte Problematik – Enorme Verkehrsbelastung an und um Drei Zinnen

Obwohl die Inschrift deplatziert ist, weist sie auf ein Problem hin, das für die Einheimischen in der beliebten Urlaubsregion immer mehr zur Belastung wird: der vielerorts ausufernde Massentourismus. Nicht nur Städte wie Venedig oder Florenz ergreifen teils drastische Maßnahmen dagegen. Auch in den Bergen Norditaliens leiden die Menschen und sogar Gastronomen unter den Besucherströmen. Selbst Fußballfans beteiligten sich etwa im Südtiroler Städtchen Meran am Protest.

Insbesondere die Drei Zinnen an der Grenze der Provinzen Belluno und Südtirol müssen in den letzten Jahren eine steigende Anzahl von Gästen bewältigen. Laut dem Portal südtirolnews.it ist der Hauptanziehungspunkt die Zufahrt zur Auronzo-Hütte. Jedes Jahr würden etwa 65.000 Fahrzeuge den Parkplatz der Hütte stürmen, der nur etwa 700 Stellplätze bietet. Selbst hohe Maut- und Parkgebühren von 30 Euro und lange Staus schrecken viele nicht ab. Ein italienischer Urlauber dokumentierte den „Verkehrskollaps“ auf dem Weg zu den Drei Zinnen kürzlich in den sozialen Medien.

Zehn legendäre Alpengipfel, die jeder Wanderfan kennen sollte

Drei Kletterer blicken auf den Mont Blanc in den französischen Alpen.
Kein Berg eignet sich besser für den Anfang dieser Liste als der Mont Blanc, mit 4.810 Metern der höchste Berg der Alpen. Auf dem vorgelagerten Aiguille du Midi befindet sich auf 3.843 Metern eine Seilbahnstation, von der Besucher einen beeindruckenden Blick auf den laut manchen Definitionen höchsten Berg Europas haben. Bis heute sind sich Frankreich und Italien uneinig, wo die Landesgrenze über dem Gipfel verläuft. So beansprucht auch Italien einen Anteil des „Monte Bianco“-Gipfels für sich. © Luis Teschner
Das Matterhorn in der Schweiz im Winter.
Keine 100 Kilometer Luftlinie sind es vom Mont Blanc bis zum nächsten Berg, dem 4.478 Meter hohen Matterhorn in der Schweiz. Der felsige Pyramidengipfel gilt als ein Wahrzeichen der Schweiz und ist weltweit bekannt. Der achthöchste Berg der Alpen wurde 1865 zum ersten Mal bestiegen, jedoch verunglückten vier der sieben Bergsteiger auf dem Weg nach unten tödlich. Jedes Jahr versuchen 2.500 bis 3.000 Menschen, den Gipfel zu bezwingen. Durchschnittlich acht bis zehn davon verunglücken tödlich.  © Eibner/Imago
Ein Panoramablick über den Drachensee und die dahinterliegende Zugspitze.
Deutlich mehr Menschen erreichen den Gipfel der Zugspitze, des höchsten deutschen Berges auf 2.962 Metern. Das liegt vor allem an der Luftseilbahn, die ungefähr 500.000 Besucher jedes Jahr bis auf den Gipfel bringt. Alpin erfahrene Wanderer mit sehr guter Kondition können die Zugspitze auch ohne Seilbahn an einem Tag über verschiedene Routen besteigen. Hier im Bild: Der zum Zugspitzmassiv gehörende Schneefernerkopf. © Jöran Steinsiek/Imago
Wallfahrtskirche Maria Gern bei Berchtesgaden mit dem Watzmann im Hintergrund.
Der zweite deutsche Berg auf dieser Liste ist der Watzmann, mit 2.713 Metern einer der drei höchsten Hauptgipfel Deutschlands. Seine Überschreitung ist unter kraxelfreudigen Wanderern beliebt und an schönen Tagen gut besucht. Der kleinere Gipfel links wird auch als die „Frau“ des Watzmanns bezeichnet. Die fünf eigenständigen Gipfel dazwischen werden gerne als ihre „Kinder“ bezeichnet.  © Reinhold Ratzer/Imago
Alpenmurmeltier ruft vor dem schneebedeckten Großglockner.
Vom Watzmann ist es nicht besonders weit zu Österreichs höchstem Berg, dem Großglockner auf 3.798 Metern. Besonders gut kann man ihn von der Großglockner-Hochalpenstraße sehen, Österreichs höchster befestigter Passstraße.  © Sven-Erik Arndt/imago
Vollmond über dem Gipfel der Ötztaler Wildspitze in Österreich.
Der zweite Berg Österreichs auf dieser Liste ist auch der zweithöchste Berg des Landes: die Ötztaler Wildspitze auf 3.768 Metern. Mit nur 30 Metern weniger als der Großglockner ist sie für die Ostalpen ebenfalls sehr hoch und ein beliebtes Ziel von Bergsteigern. Besonders ist obendrein ihre Prominenz. Über 2.200 Meter muss man absteigen, um den nächsten höheren Berg zu erreichen. Nur drei andere Berge in den Alpen sind prominenter (der Mont Blanc, der Großglockner und das Finsteraarhorn).  © Robert Seitz/Imago
Raschötzhütte auf der Raschötzalm vor der Sellagruppe, Marmolata und Langkofelgruppe.
Wer über den Reschenpass Richtung Süden an der Wildspitze vorbeifährt, landet in Südtirol und damit in Italien. Ein besonders legendärer, italienischer Alpenberg ist die Marmolata, mit 3.343 Metern der höchste Berg der Dolomiten. Sie wird auch als „Königin der Dolomiten“ bezeichnet.  © Günther Gräfenhain/Imago
Ein männlicher Wanderer blickt auf die Drei Zinnen von einem Höhleneingang aus.
Der zweite Dolomiten-Berg dieser Liste ist mit 2.999 Metern zwar kleiner als die Marmolata, aber fraglos ein legendärer Berg der Alpen. Die Drei Zinnen an der Grenze zu Südtirol sind ein weltbekanntes Fotomotiv und eins der begehrtesten Gipfelziele der Alpen. Besonders beeindruckend sind ihre steil abfallenden Nordwände. Die größte Nordwand ist die der mittleren Zinne, die über 500 Meter senkrecht oder überhängend abfällt. © Kontrastlicht/Imago
Ein Wanderer mit der Eiger Nordwand im Hintergrund.
Wer über Nordwände spricht, muss auch über die Eiger Nordwand sprechen, die höchste und mit Abstand bekannteste Nordwand der Alpen. Über 1.800 Meter ragt sie südwestlich über Grindelwald auf. Besonders ihre zahlreichen und teils höchst dramatischen Besteigungsversuche haben den 3.967 Meter hohen Eiger legendär gemacht.  © Jürgen Schwenkenbecher/Imago
Der Gipfel des Monte Rosa im Sonnenuntergang.
Der letzte Berg dieser Liste ist der zweithöchste Berg der Alpen, der Monta Rosa mit 4.634 Metern Höhe. Über seinen Gipfel verläuft die Grenze zwischen Italien und der Schweiz. Deswegen hat der Monte Rosa in der Schweiz einen anderen Namen und wird Dufourspitze genannt. Mit 2.400 Metern Höhe ist die Ostwand des Massivs sogar noch höher als die Eiger Nordwand und die höchste Felswand der gesamten Alpen.  © Wirestock/Imago

UNESCO-Welterbe unter Druck – „Grenzen der Belastbarkeit überschritten“

Eine Nutzerin kommentiert unter dem von Pesce geteilten Video: „Empörst du dich wirklich über einen Text, der sich mit einem Wattestäbchen und Alkohol ablösen lässt? Ich hingegen bin erstaunt, dass niemand etwas über die stark befahrene Straße sagt, die von Misurina zum Parkhaus mit fast 1.000 Plätzen am Fuße der Drei Zinnen führt! Und wir befinden uns in einer UNESCO-Welterbestätte!!!“

Das markante Gebirgsmassiv ist seit 2009 offiziell Teil des UNESCO-Welterbes, was zu einer erhöhten internationalen Aufmerksamkeit geführt hat. Eine Studie aus dem Jahr 2020 kam elf Jahre nach der UNESCO-Anerkennung zu dem Schluss, dass die „Grenzen der Belastbarkeit überschritten“ seien. Dies gilt nicht nur für das Gebiet der Drei Zinnen, sondern auch für Prags, wo der Pragser Wildsee durch Social Media riesige Bekanntheit erlangt hat. (jm)

Rubriklistenbild: © Westend61/Imago Moreno Pesce/Facebook

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