VonAndreas Knoblochschließen
In einer beliebten Urlaubsregion könnten deutsche Reisende bald eine bedeutende Veränderung bemerken.
München – Der Weg über den Brenner ist für den Urlaub in Italien schnell erledigt, und wer gar nicht erst weiter zu den Stränden oder an den Gardasee fahren will, der bleibt in den Bergen Südtirols. Knappe dreieinhalb Stunden Autofahrt ist die Idylle von München entfernt, doch die könnte in Meran schon wieder ganz anders aussehen, als sie mancher Erinnerung hat.
Meran ein „Spielball der Investoren“? Heftige Diskussionen um Südtiroler Urlauber-Perle
Natürlich leidet auch der touristisch überlaufene Teil Südtirols oft unter Overtourism, wie es jüngst im Winter am anderen Ende Italiens in der Nähe von Neapel der Fall war. Zu viele Touristen, Urlauber oder auch „Piefke“, wie Fußball-Fans einst protestierten, zerstören laut den Einwohnern die Möglichkeit, dort selbst folgende Generationen aufwachsen zu sehen. Doch der Tourismus ist ein wichtiges Standbein der norditalienischen Wirtschaft und schon seit langer Zeit soll das Gleichgewicht gefunden werden. In Meran gibt es den nächsten Knatsch: weniger wegen der Touristen, mehr wegen der Investoren.
„Die Stadtregierung unter Bürgermeister Dario Dal Medico und Vizebürgermeisterin Katharina Zeller macht Meran zum Spielball der Investoren“, schimpfen die Grüne Stadtliste bei einer Pressekonferenz über die mögliche Änderung im Stadtbild. Laut mehreren Medien wie beispielsweise suedtirolnews oder salto.bz sollen Großgebäude entstehen. Genauer gesagt gegenüber des Bersaglio-Gebäudes und des ehemaligen Cafa-Gebäudes an der Marlinger Brücke.
„Leistbarer und qualitativer Wohnraum“ in Meran gefordert
Das Problem für die Grünen ist, dass die geplanten Gebäude bis zu 35 Meter in die Luft ragen. „Werden beide Projekte so umgesetzt, ändert sich das Gesicht der Stadt Meran radikal“, zitiert salto.bz Johannes Ortner von den Grünen. Dazu fehlen wohl Zusagen für bezahlbaren Wohnraum. „Von diesen Projekten profitieren vor allem private Bauunternehmen, nicht die Meraner Bevölkerung“, sagt Julia Dalsant, Franktionssprecherin der Grünen, die Gegenleistungen fordert. Wie die notwendige Infrastruktur für Fußgänger und Radfahrer.
Einheimische kämen in Meran zu schlecht weg. „Es braucht leistbaren und qualitativen Wohnraum, Mehrgenerationenhäuser und eine engere Zusammenarbeit mit dem Wobi sowie gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaften“, so die Abgeordnete Madeleine Rohrer. Änderungen des Bauleitplans können noch bis 7. Februar eingereicht werden.
Pikante Info zu Vize-Bürgermeisterin – Bürgermeister verteidigt Großprojekt
Überzeugt vom Projekt sind Bürgermeister Dario Dal Medico (Civica) und Vizebürgermeisterin Katahrina Zeller, SVP – Südtiroler Volkspartei, wie salto.bz berichtet. „In beiden Fällen wird die Änderung des Bauleitplans nicht nur die Errichtung neuer erschwinglicher Wohnungen für Meraner Familien ermöglichen, sondern auch die Sanierung eines verfallenen städtischen Gefüges“, so Dal Medico und Zeller meint: „Unsere Stadt zeichnet sich durch eine hohe Lebensqualität aus – und das soll auch in Zukunft so bleiben.“
Pikanter Beigeschmack: Die Veba Invest der Gruppe Unterberger wird eines der beiden Gebäude bauen. Das Unternehmen Unterberger ist vom Ingenieur Siegried Unterberger, der gleichzeitig auch Großvater von Zeller ist. Sie war aber beim Beschluss des Areals laut salto.bz nicht anwesend.
Wie es mit dem Projekt weitergeht, wird dann zu sehen sein, wenn und ob die Bürgerinnen und Bürger Beschwerden einlegen. (ank)
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