VonAndreas Knoblochschließen
Skiurlaub ist in Italien sehr gefragt, einige Reiseziele kämpfen jedoch mit den massiven Besucherströmen, wie ein Wochenende im Januar erneut beweist.
Neapel – Wer hätte gedacht, dass es südlicher als Venetien oder Alto Adige noch Schnee gibt? Der Süden Italiens ist eher für seine schönen Strände in Kalabrien oder Apulien bekannt, doch auch hier gibt es schöne Berge, die im Winter zum Skifahren einladen. Geheimtipps sind das offensichtlich auch keine mehr, wie ein Bericht aus den Abruzzen zeigt. Urlaub in Italien ist auch im Winter ein Thema. Wer von Rom über das Landesinnere in den Süden nach Neapel fährt, der könnte an Roccaraso vorbeikommen und im Januar einen horrenden Besucherstrom beobachtet haben.
„Größtes Skigebiet im Süden Italiens“ von Touristen überrannt: Albtraum-Wochenende für Italiener
Das „größte Skigebiet im Süden Italiens“ besticht durch „zauberhafte Landschaften, hochmoderne Anlagen“, schreibt bergfex.it über Roccaraso – Rivisondoli / Alto Sangro. 83 Kilometer an Pisten ziehen auch die Massen an, wie mehrere italienische Zeitungen berichten. La Republicca hat auf ihrem Instagram-Account den „unmöglichen Sonntag von Roccaraso“ in Bewegtbild festgehalten. „Ein Schnee-Tag in einem der beliebtesten Touristengebiete des Südens wurde zu einer wahren Odyssee für Hunderte von Neapolitanern, die im Morgengrauen hauptsächlich in Touristenbussen aufbrachen.“
Sogar eine genaue Zahl der Busse nennt die Tageszeitung. „220 hatten die Stadt verlassen, für insgesamt rund zehntausend Touristen. Unglaubliche Zahlen, überdimensioniert im Vergleich zum Umfang des immer noch größten Skigebiets Mittelitaliens.“ La Republicca schreibt sogar von 130 Pistenkilometern und legt im Vergleich zu bergfex.it nochmal drauf, weil sie auch das Skigebiet Pescaseroli mitzählen. Das Land kämpft um jeden Touristen, wie jüngst eine Investition an der Adria zeigte, aber gegen die großen Massen fehlt noch der entscheidende Vorschlag.
„Rekordwochenende in Roccaraso“: Touristenzustrom und Busse-Wahnsinn in den Abruzzen
Auch das Portal notizie.it spricht von „Roccaraso und Overtourism: Wie man den Zustrom von Touristen bewältigt.“ Das Skiwochenende vom 24. Januar bis 26. Januar nennt das Portal „Rekordwochenende in Roccaraso“, gleichzeitig aber auch „Albtraumwochenende“. Anscheinend kamen auch viele unangemeldete Busse ins Gebiet. „Stoppen Sie nicht autorisierte Busse!“, forderte nämlich der Bürgermeister Francesco Di Donato. Auch das Portal Il Mattino beschreibt die Situation um das besagte Wochenende. „Die Situation verwandelte sich schnell in einen Albtraum“. Sie schätzen, dass 20.000 Menschen aus Kampanien (das nahegelegene Gebiet, mit Hauptstadt Neapel) dorthin pilgerten.
Il Mattino bestätigt die Zahlen von La Republicca: „Ungefähr 220 Busse, die aus Neapel und den umliegenden Gebieten kamen, transportierten eine Menge von etwa 10.000 Touristen in die Gemeinde Roccaraso.“ Schlechte Nachrichten für alle Autofahrer: „Dieser massive Zustrom verursachte erhebliche Staus für Autofahrer, die stundenlang blockiert waren.“ Sogar die Polizei musste einschreiten und den Verkehr leiten, damit die Sicherheit gewährt ist. Auch, weil Bürgermeister Di Donato das Parken der Busse nahe der Pisten verboten hatte und somit das Chaos perfekt war. Ebenso wurde der Ansturm auf Tiktok mit vielen Videos festgehalten, und gemütlich sieht anders aus.
Overtourism und Massen an Urlaubern ist das ganze Jahr Thema in Italien. Im Sommer an den Stränden, in den Städten oder in den Wander-Arealen, im Winter in den Skigebieten. Diverse Gesetze und Regeln wurden schon entworfen, um bestimmte Gebiete zu entlasten oder gerechter zu verteilen. Ob Bettensteuer, ein Strand-Streik in der Hochsaison oder der Touristen-Stopp auf Capri. (ank)
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