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Julian Mayrschließen
Der Tourismus ist für Italien Freud und Leid gleichermaßen. Von Venedig bis zur Amalfiküste will man dem Massentourismus mit strengen Regeln beikommen.
Rom – Der Tourismus in Italien ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftszweig, sondern prägt das Land nahezu. Doch nicht immer auf positive Art und Weise. Die negativen Auswirkungen des Fremdenverkehrs machten sich jüngst nicht nur am Strand von Lignano an der Adriaküste bemerkbar, der von rund 90.000 Party-Touristen aus Deutschland und Österreich überflutet wurde, sondern zeigen sich in vielen italienischen Urlaubszielen. Grund genug für zahlreiche Regionen, erneut strenge Regeln für den Urlaub in Italien geltend zu machen.
Zwischen Amalfiküste und Adria gelten für den Italien-Urlaub teilweise strenge Regeln
Portofino (Ligurien): In Portofino unterzeichnete Bürgermeister Matteo Viacava im April 2023 eine Verordnung, die eine „Rote Zone“ zwischen dem Stadtzentrum und den umliegenden Stränden festlegt. Hier dürfen Reisegruppen in der Hauptsaison einfach nicht stehen bleiben.
Das bedeutet: Von morgens bis 18 Uhr dürfen Touristen auf dem Hauptplatz von Portofino, dem Piazza Martiri dell‘Olivetta, spazieren gehen, einkaufen und in Restaurants essen. Sie dürfen jedoch keine Versammlungen abhalten, da sonst der besagte Platz vor dem kleinen Hafen in kürzester Zeit verstopft ist. Auffällig ist, dass bei Nichtbeachtung Strafen zwischen 65 und 275 Euro verhängt werden können. Zudem dürften einige ligurische Strände nur noch gegen Zahlung einer Gebühr zugänglich sein.
Tourismus in Italien
Wie Zahlen des Centro Studi Turistici di Firenze zeigten, zählte Italien im vergangenen Jahr 2023 mehr als 445 Millionen Übernachtungen. Dies entspricht einem Wachstum von mehr als zwölf Prozent gegenüber 2022, was dem Mittelmeerland erstmals wieder verhalf, das Niveau der Jahre vor der Corona-Pandemie zu übertreffen, berichtete unter anderem die Wirtschaftszeitung ilsole24ore.com. Doch Touristen bringen nicht nur Geld in eine wirtschaftlich äußerst wichtige Branche. Sie erzeugen auch Müll, verstopfen die Straßen und verursachen Lärm für die Anwohner. Nicht jeder Tourist behandelt Denkmäler und Sehenswürdigkeiten angemessen.
Strenge Urlaubsregeln in Italien: Einbahnregelung für Wanderwege
Cinque Terre (Ligurien): Der Wanderweg „Via dell’Amore“, der die Dörfer Riomaggiore und Manarola entlang der Küste der „Cinque Terre“ verbindet, ist bei Touristen sehr bekannt und beliebt. Für die sechs Kilometer lange Zugfahrt entlang der nahegelegenen Bahnstrecke zwischen beiden Dörfern werden nun zehn Euro statt zuvor fünf Euro für eine erhoben.
Doch dem nicht genug: Die Verwaltung des Nationalparks „Cinque Terre“ prüft zudem für den ebenfalls stark frequentierten Wanderweg „Sentiero Verde Azzurro“, der alle fünf Dörfer – Riomaggiore, Manarola, Corniglia, Vernazza und Monterosso – miteinander verbindet, ein Einbahnstraßensystem. Das bedeutet: An bestimmten Tagen darf nur in eine Richtung gewandert werden, um Staus und Blockaden auf der Strecke durch Menschenmassen zu verhindern, die nicht aneinander vorbeikommen. Welche Tage das sind, können Touristen auf der Website des Nationalparks erfahren.
Urlaub auf Capri: Kampanien-Insel verlangt eine Eintrittsgebühr
Capri (Kampanien): Auf der Insel Capri wurde die Eintrittsgebühr für die Insel im Kampanischen Archipel von 2,50 auf fünf Euro erhöht. Der Preis wird mit der Gebühr für den Schiffstransfer erhoben. Laut dem ADAC in seinem Online-Reiseführer erhoffen sich die örtlichen Behörden dadurch zusätzliche Einnahmen von vier Millionen Euro pro Jahr.
Dieses Geld soll in nicht näher definierte Projekte fließen, um die Besucherströme auf der Insel besser zu lenken. Es soll auch dazu dienen, Touristen dazu zu ermutigen, vielleicht außerhalb der Hauptsaison auf die Insel im Tyrrhenischen Meer und im Golf von Neapel zu kommen. Auch damit soll dem Massenansturm entgegengewirkt werden.
Urlaub an der Amalfiküste: Amalfitana nach Positano wird wieder limitiert
Amalfi (Kampanien): An der Amalfiküste (Region Kampanien) werden laut ADAC und dem Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring Club (ÖAMTC) auch in diesem Sommer wieder Fahrverbote auf der legendären Amalfitana gelten. Die kurvige und teils steile Küstenstraße verbindet über 50 Kilometer im Golf von Salerno die gleichnamige Großstadt sowie die beliebten Urlaubsorte der Amalfiküste – namentlich in Richtung Westen Vietri sul Mare, Maiori, Minori, Atrani, Amalfi, Praiano und Positano bis nach Sorrent.
Zwischen dem 15. und 30. Juli sowie vom 1. bis zum 30. Oktober wird an den Wochenenden wieder ein Nummernschilder-System gelten, das regelt, wer die stark befahrene Strecke wann befahren darf. Damit möchte die italienische Region Kampanien das teils extrem hohe Verkehrsaufkommen reduzieren.
Konkret heißt das: An ungeraden Tagen im Kalender dürfen Fahrzeughalter mit Autos, deren Kennzeichen auf eine ungerade Zahl enden, die Straße nicht befahren – zum Beispiel am 15., 17., 19., 21. und so weiter nicht. Entsprechend wird mit geraden Tagen und geraden Zahlen am Ende der Kennzeichen verfahren. Die Regeln gelten laut ADAC täglich von 10 bis 18 Uhr und demnach im August sowie im September an allen Wochentagen.
Urlaub in Venedig: Italienische Stadt erhebt eine Eintrittssteuer
Venedig (Venetien): In Venedig wurde im April eine Eintrittssteuer eingeführt, um die Touristenmassen zumindest etwas einzudämmen. Konkret: Tagesurlauber müssen zwischen 8.30 und 16 Uhr fünf Euro zahlen, wenn sie nicht in einem Hotel der Großstadt mit ihren rund 262.000 Einwohnern übernachten.
Tagesreisende werden gebeten, vor dem Besuch der Stadt auf der Website www.cda.ve.it eine Eintrittskarte zu kaufen, die per PayPal oder Kreditkarte bezahlt werden kann. Danach erhält man einen QR-Code, den man bei Bedarf in der Stadt vorzeigen muss. Wer keinen Code vorweisen kann, dem drohen in Venedig Strafen zwischen 50 und 300 Euro. (pm/jm)
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