Tödliche Pisten durch warme Temperaturen

Trauriger Rekord in Österreich: Tödlicher Ski-Winter in den Tiroler Alpen

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Das ist wohl der gefährlichste Pisten-Winter aller Zeiten in Österreich. In den Tiroler Skigebieten kam es am Dreikönigstag zu vielen schlimmen Skiunfällen mit Schwerverletzten. Mehrere Menschen verunglückten zuvor tödlich.

Sölden/Tirol/Österreich ‒ Seit Anfang November starben auf Österreichs Pisten insgesamt 13 Menschen. Elf davon verunglückten tödlich in Tirol. Trotz eindringlicher Warnungen des Kuratoriums für Alpine Sicherheit (ÖKAS) und lokaler Alpinpolizisten kam es zu zahlreichen Unfällen und Toten in beliebten Skigebieten des Nachbarlandes. Darunter auch zwei 17-jährige Deutsche. Die beiden Jungen aus Bayern waren offenbar mit zu hoher Geschwindigkeit über den Pistenrand im Skigebiet Steinplatte-Waidring im Tiroler Bezirk Kitzbühel 50 bis 60 Meter tief in einen Abgrund hinabgestürzt. Das tödliche Drama ereignete sich bereits am 28. Dezember.

Passt Fahrgeschwindigkeit dem eigenen Können und den Verhältnissen an. Denkt daran, dass sowohl eure Fitness, als auch die Pistenverhältnisse im Laufe des Tages schlechter werden.

Martin Loitlesberger, Alpinpolizist

Heute erst verunglückten drei Deutsche in Österreich. Dabei ist ein erst Siebenjähriger bei einem Skikurs in Sölden mit zu hoher Geschwindigkeit auf eine gepolsterte Liftstütze geprallt. Außerdem wurden zwei Frauen im Alter von 54 und 44 Jahren bei Zusammenstößen mit anderen Skifahrern verletzt. Der Siebenjährige war den Polizeiangaben am Giggijoch unterwegs, als er die Kontrolle über seine Fahrt verlor und unkontrolliert in Richtung Tal fuhr. Die 44-Jährige prallte ebenfalls am Giggijoch mit einem 13-jährigen Österreicher zusammen, der unverletzt blieb. Die 54-Jährige stieß am Tiefenbachferner mit einem anderen Wintersportler zusammen und stürzte. Das berichtet der Fernseh-Sender n-tv.

Warnhinweis in einem Tiroler Skigebiet an alle Skifahrer. (Symbolbild)

Trauriger Rekord auf Österreichs Pisten: Zahlreiche Unfälle an nur einem Tag

In Kühtai hat sich eine 19-Jährige aus Deutschland schwer verletzt. Die junge Frau versuchte einen anderen Skifahrer zu überholen, verlor dabei offenbar die Kontrolle und stürzte, berichtet die Bild. Die Skifahrerin habe sich dabei die Schulter schwer verletzt. Ein 77 Jahre alter Österreicher stürzte bei der Abfahrt „Nösslachjoch“ und verletzte sich schwer im Skigebiet Bergeralm in Steinach.

Bei Ermüdung oder sehr anspruchsvollen Pistenverhältnissen, die letzte Talabfahrt mit der Bahn antreten.

Empfehlung von Jochen Tiefengraber, Stützpunktleiter der Flugrettung

Einen Tag zuvor querte eine 49-jährige Skifahrerin kurz oberhalb der Kriegeralpe eine blaue Piste, als sie mit einer 17-Jährigen kollidierte. Die Jugendliche war mit einer Skigruppe unterwegs. Die 49-Jährige wurde durch den Zusammenstoß schwer verletzt und wurde mit einem Hubschrauber mit Verdacht auf einen Unterschenkelbruch nach Zürs geflogen.

Trauriger Rekord auf Österreichs Pisten: Skiverband und ÖKAS-Präsident appellieren an alle Skifahrer

Die Serie auf Österreichs Pisten setzt sich weiter fort. Am Hintertuxer Gletscher verlor ein elfjähriger Junge die Kontrolle über seine Skier, durchbrach das Absperrnetz einer Skischule und raste in zwei Kinder. Der Junge wurde laut Bild mit Wirbelsäulenverletzungen in die Klinik geflogen, die restlichen Beteiligten wurden leicht verletzt. Am Hintertuxer Gletscher stürzten bereits am Neujahrstag zwei Frauen, darunter eine Deutsche. Auch sie wurden schwer verletzt in Kliniken geflogen. Eine Holländerin dagegen hatte weniger „Glück“ und kam ums Leben. Sie stürzte einen Abhang herunter und knallte ungebremst gegen einen Baum.

Das Österreichische Skiverband (ÖSV) richtet sich aufgrund der zahlreichen Skiunfälle mit einem eindringlichen Appell an alle Skifahrer. „In vielen Skigebieten Österreichs sind nennenswerte Mengen an Neuschnee bis dato ausgeblieben bzw. durch die warmen Temperaturen bereits geschmolzen. Das führt zu teils eisigen Pisten und zu aperen Bereichen außerhalb der Pisten. Unter diesen Bedingungen besteht ein erhöhtes Risiko, sich bei einem Sturz schwer zu verletzen, insbesondere wenn man dabei über den Pistenrand hinaus gerät.“

Offizielle Unfallzahlen auf Österreichs Pisten

Im Zeitraum vom 1. November 2022 bis 3. Januar 2023 kamen im „organisierten Skiraum in Österreich“ 13 Skifahrerinnen und Skifahrer ums Leben. Insgesamt wurden seit dem 1. November 505 Verletzte und 217 Unverletzte registriert. Im 10-Jahresmittel verunfallten (Tote, Verletzte, Unverletzte) in diesem Zeitraum insgesamt 1030 Personen auf Pisten und Skirouten, heuer sind es 735 Personen. Im ersten Pandemie-Jahr 2020/21 verunfallten auf Pisten und Skirouten im selben Betrachtungszeitraum 94 Personen. Sturz und Kollision sind die Hauptunfallursachen der Verletzten. Bei den Todesfällen (13) sind es Stürze mit Aufprall gegen Hindernisse (7), Herz-Kreislauf-Störungen (5) sowie Kollision (1). 

Quelle: Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit

ÖKAS-Präsident Peter Paal appelliert außerdem an die Ski-Fitness aller Skifahrer. Es mangle oft an „Ski-Fitness“. Viele Menschen seien nach den Corona-Jahren noch weniger geübt im Wintersport als vorher. Wenn man sich dann auf die Piste begebe, drohe eine Fehleinschätzung des eigenen Könnens. Er gibt allen Skifahrern die folgenden Tipps auf der Internetseite der Alpinen Sicherheit.

  • Angepasst fahren
  • Material checken und einen Helm auf der Piste tragen
  • Aufwärmen vor der ersten Abfahrt
  • Pausen einlegen
  • FIS-Regeln für geordnetes Fahren auf der Piste einhalten
  • Eigenes Können zur Unfallvermeidung verbessern

In jedem Fall sollten Skifahrer die allgemeine Alpin-Notrufnummer 140 in ihrem Handy abspeichern und auf die Nummer der Pistenrettung ihres Skigebiets. So können Retter im Notfall umgehend herbeigerufen werden. Im Falle eines kleinen Mädchens reichte diese Maßnahme allerdings nicht aus. Zwar konnte das zwölf Jahre alte Kind von den Alpinrettern in Tirol geborgen werden, die Kleine verstarb dennoch wenig später in einem Innsbrucker Krankenhaus.

Rubriklistenbild: © Bildagentur Muehlanger/imago

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