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Romina Kunze
Moritz Bletzinger
Sandra Sporer
Heftige Gewitter suchen Österreich heim und führen zu Überschwemmungen. Bilder und Videos zeigen Häuser und Autos umgeben von schlammigen Wassermassen.
Update vom 10. Juni, 6.34 Uhr: Noch immer halten die Unwetter mit Überschwemmungen Österreich in Atem. Zahlreiche Gemeinden stehen unter Wasser. Auch am Montag warnt die Unwetterzentrale für den Südosten des Landes erneut vor Unwettern. In einigen Gemeinden im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld wurde erneut Zivilschutzalarm ausgelöst, informierte der Zivilschutzverband Steiermark. „Es besteht dort Überflutungsgefahr“, hieß es am Sonntagabend.
Wie Der Standard berichtete, wurden in der Steiermark hunderte Keller und Straßen überflutet. In der Gemeinde Lafnitz brach sogar ein Damm. In Übelbach dagegen mussten zahlreiche Menschen ausgeflogen werden, da ihre Häuser durch das Unwetter von der Außenwelt abgeschnitten wurden.
Zudem wurde ein Flugzeug von Palma nach Wien durch einen Hagelsturm schwer beschädigt. Wie die Kleine Zeitung berichtete, sei die Maschine der Austrian Airline in etwa 6000 Metern Höhe in Hartberg-Fürstenfeld in eine Hagelzelle geraten. Den Piloten gelang es dennoch, den Airbus A320 im Blindflug sicher in Wien zu landen. Die 168 Passagiere und sechs Crewmitglieder an Bord blieben unverletzt. „Nach aktuellem Stand wurden durch den Hagel die beiden vorderen Cockpitscheiben des Flugzeuges, die Flugzeugnase (Radom) sowieso manche Verkleidungen beschädigt“, schilderte die Airline der Zeitung.
When you send off four besties and they end up being „attacked“ by hail, lose half of the cockpit nose and have their front windows shattered prior to arrival. #OS434 Palma to Vienna. Very pleased you all touched ground - alive. Thanks #austrian #aua #airlines pic.twitter.com/SHOUsUY5Wg
— Exithamster (@exithamster) June 9, 2024
Update vom 9. Juni, 21.40 Uhr: Am Abend sind in Österreich nochmals schwere Gewitter aufgezogen. Vor allem im Südosten an der Grenze zu Ungarn wütete das Wetter. Videoaufnahmen einer Webcam zeigen eine heftige Windhose, die über den Himmel fegt. Laut dem ORF-Meteorologen Manuel Oberhuber zog der Tornado über die Gemeinden Großpetersdorf und Rechnitz.
Dieses Gewitter war Minuten vorher noch über Großpetersdorf und Rechnitz. 🌪 https://t.co/tHvydeLvYw
— Manuel Oberhuber (@manu_oberhuber) June 9, 2024
Wie wetter.at schreibt, ging der Wirbelsturm aus einer sogenannten Superzelle der angekündigten Gewitter hervor. Typisch ist das Wetter-Phänomen nicht für die Region und Österreich im Allgemeinen, könne laut Experten aber vorkommen. Zuletzt braute sich im März ein Tornado über Graz zusammen. Die Schäden damals blieben gering, wohl auch, weil der Tornado deutlich kleiner war.
Wie hoch die Schäden nach dem Unwetter am Sonntag sind, ist noch unbekannt. Doch die anhaltenden Gewitter der Vortage hatte für Zerstörungen gesorgt. Besonders am Samstag hinterließen drastische Regenfälle geflutete Gebiete. Das Bundesheer musste ausrücken und die Feuerwehr unterstützen.
Update vom 9. Juni, 16.46 Uhr: Ausnahmezustand in Österreich: Dunkelbraune Wassermassen schieben sich meterhoch durch einen Ortskern. Autos werden geflutet, Menschen retten sich auf die Dächer der Fahrzeuge und sind auf Hilfe angewiesen. Die Strömung ist einfach zu stark. In den sozialen Medien zeigen Bilder und Videos von Augenzeugen das unfassbare Ausmaß der Flugkatastrophe in Österreich. Eine Gemeinde unweit der Stadt Graz hat es offenbar besonders schlimm getroffen.
Update vom 9. Juni, 13.46 Uhr: Die Unwetter beeinträchtigen die EU-Wahl in Österreich. Mehrere Wahllokale in der Steiermark wurden zerstört, wie die Nachrichtenagentur APA berichtet. Betroffen sind mehrere Orte im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld (hier liegt auch die verwüstete Gemeinde Deutschfeistritz) und auch im Burgenland wurden Wahllokale in den Gemeinden Rotenturm, Wiesfleck, Oberschützen und Oberwart beschädigt. Wahlberechtigte müssen ihre Stimme anderenorts abgeben.
Update vom 9. Juni, 11.37 Uhr: Im Burgenland haben die Unwetter vor allem den Bezirk Oberwart schwer getroffen. Dort fordert Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) jetzt die Unterstützung des Militärs an. Das Bundesheer sei ab sofort im gesamten Gebiet im Einsatz, teilt er der Kleinen Zeitung mit. „Die Bevölkerung kann sich darauf verlassen, dass Einsatzkräfte, Behörden und viele freiwillige Helfer alles tun, was notwendig ist.“
In Tirol hatte der Starkregen am Samstag mehrere Murenabgänge ausgelöst. Ein Erdrutsch traf ein Auto mit vier Insassen bei Reith im Alpbachtal, in Mariastein und Auffach in der Wildschönau wurden Straßen gesperrt.
Update vom 9. Juni, 9.48 Uhr: „Die Lage ist leider unverändert angespannt“, teilt Autobahnbetreiber ASFINAG bei IPPEN.MEDIA mit. Eine Schlammlawine hatte am Samstagabend die Pyhrnautobahn bei Übelbach getroffen (siehe Update vom 9. Juni, 6.17 Uhr). Und der Abschnitt bleibt länger unbefahrbar, als zuvor angenommen.
„Die Autobahn wird sicher bis morgen gesperrt bleiben. Es kommen nach wie vor Wassermassen vom Hang herab. Erst wenn das gestoppt und alles weggeräumt ist, kann man sehen, ob die A9 auch beschädigt ist“, so die ASFINAG.
Update vom 9. Juni, 8.45 Uhr: Nach der schlaflosen Nacht hat Österreich die Unwetter leider noch längst nicht überstanden. Am Sonntag kommen die nächsten kräftigen Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen auf das Alpenland zu.
In Niederösterreich drohen lokale Schauer laut Wetter.at bereits am Vormittag, hier regnen sich Restwolken der Nacht ab. Ab Mittag sorgt schwülwarme Luft dann für Gewitter-Gefahr. Ähnlich ist die Vorhersage für das Burgenland und Oberösterreich.
Ganzer Ort geflutet, Mann vermisst – Bilder zeigen Unwetter-Verwüstung in Österreich




In der besonders schwer getroffenen Steiermark bleibt der Vormittag immerhin trocken und überwiegend sonnig. Vor allem im Bergland gilt ab Nachmittag allerdings wieder Alarmstufe. Lokal drohen Starkregen, kräftige Gewitter und Windböen. Generell gilt: Gewitter treten zwar nur vereinzelt auf. Wo sie entstehen, fallen sie aber heftig aus.
Update vom 9. Juni, 8.37 Uhr: Ein Bild der Verwüstung in der Marktgemeinde Übelbach in der Steiermark. Reißende Fluten auf den Straßen, der Ort ist völlig überschwemmt. „Heute Nacht war an Schlaf nicht zu denken“, sagt Übelbachs Oberbürgermeister Markus Windisch (ÖVP). Noch schlimmer: „Leider sind einige Haushalte in Übelbach auch ohne Wasserversorgung. Irgendwo hat das Unwetter eine Wasserleitung zerstört.“ Betroffen sind rund 200 Haushalte.
„Leider mussten wir in den frühen Morgenstunden auch einige Objekte evakuieren“, berichtet Windisch weiter. Er bedankt sich bei den unermüdlichen Einsatzkräften, die an über 40 Orten „großartige Arbeit“ geleistet haben.
Update vom 9. Juni, 6.17 Uhr: Katastrophenalarm in fünf Orten in der Steiermark, hier toben die Österreich-Unwetter besonders schlimm. Zivilschutzwarnung gilt in Eggersdorf, Weinitzen und Teilen von Graz – sowie im komplett überschwemmten Deutschfeistritz (siehe Erstmeldung).
Getroffen hat es auch die Pyhrnautobahn A9 bei Übelbach. Eine etwa eineinhalb Meter hohe Mure begrub am frühen Samstagabend die komplette Fahrbahn Richtung Süden. Mindestens bis zum späteren Sonntagmorgen bleibt die Autobahn gesperrt, Umleitungen führen über S6 und S35.
Update vom 8. Juni, 23:20 Uhr: Nach einem Unwetter hat der 4000-Einwohner-Ort Deutschfeistritz in Österreich alle Bürger aufgerufen, wegen Lebensgefahr zu Hause zu bleiben. Zusätzlich zu den aktuellen Überschwemmungen werde eine weitere Unwetterfront mit bis zu 100 Litern Niederschlag pro Quadratmeter erwartet, teilte die nördlich von Graz gelegene Gemeinde am Samstagabend auf Facebook mit. Der Ortskern sei nur mit Booten zu erreichen, schrieb die Kleine Zeitung. Einige Autofahrer seien in ihren Fahrzeugen eingeschlossen gewesen, hätten aber gerettet werden können, sagte ein Gemeindesprecher der Zeitung. Auf Fotos war zu sehen, dass die Wassermassen Autos gegen Häuserwände drückten.
Nach schweren Regenfällen hatte sich am Samstag der durch den Ort fließende Übelbach in einen reißenden Strom verwandelt. In einem Schulzentrum sei eine Notanlaufstelle durch das Rote Kreuz für die Grundversorgung eingerichtet worden, so die Gemeinde weiter. Auch in anderen kleineren Orten der Steiermark wurde wegen der Überflutungen Zivilschutzalarm ausgelöst. Opfer wurden von den Behörden bisher nicht gemeldet.
In der Region ging am Samstag auch eine Mure auf eine Autobahn nieder. Die Schnellstraße musste nach Angaben des Autobahnbetreibers Asfinag werden der Erd- und Geröllmassen gesperrt werden.
Erstmeldung vom 8. Juni 2024: Deutschfeistritz – „Verbreitet Gewitter“ und „bis in die Nacht hinein kräftige Entwicklungen mit Hagel und Sturmböen“ hatte die österreichische Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) vorhergesagt. Die damit einhergehenden, heftigen Regenfälle haben gebietsweise zu starken Überschwemmungen geführt. Unter anderem der Ort Deutschfeistritz in der Steiermark ist aktuell davon betroffen. Bereits am Dienstag (4. Juni) legte Starkregen Ampeln in Wien lahm.
Unwetter in Österreich: Schwere Gewitter lösen heftige Überschwemmungen in Deutschfeistritz aus
In den sozialen Medien kursieren zahlreiche Bilder und Videos, in denen die Gewalt der Wassermassen deutlich wird. Unter den Posts finden sich viele schockierte Kommentare. Auch die Hoffnung, dass niemandem etwas passiert ist, wird immer wieder zum Ausdruck gebracht. So schreibt ein Nutzer: „Ach du scheiße. Wie ist der aktuelle Stand?“ Ein anderer Kommentar lautet: „Ich hoffe, es wurde niemand verletzt!“
@uwz_at Deutschfeistritz/Steiermark pic.twitter.com/NH68Y0YrsK
— Chromey (@Chromatizing123) June 8, 2024
Im Gebiet fielen innerhalb kürzester Zeit bis zu 100 Liter pro Quadratmeter. Aktuell bewegt sich die Unwetterfront auch Richtung Wien und Niederösterreich.
Unwetter in Österreich: Warnstufe Gelb und Orange im ganz Land – weiterhin schwere Gewitter
Aber nicht nur der Regen beutelt das Land. Die Unwetter sorgten auch für Hagel – und das nicht zu knapp. Laut der Kronenzeitung gab es beispielsweise im Raum Kössen teils eine zentimeterdicke Schicht an Hagelkörnern. In ganz Österreich herrscht der Warnkarte des ZAMG zufolge aktuell mindestens Warnstufe Gelb, gebietsweise auch Warnstufe Orange. Die höhere Warnstufe gilt unter anderem für das Burgenland, Graz und Umgebung sowie Linz und Salzburg.
In letzter Zeit kam es immer wieder zu heftigen Unwettern in Österreich. So sorgte Ende Mai etwa Hagel für Chaos in Kitzbühel. Aber auch Bayern blieb von den Unwettern nicht verschont und hatte mit meterhohen Überschwemmungen zu kämpfen, die ganze Dörfer unzugänglich machten. (sp)
Rubriklistenbild: © Bernd März/imago; Screenshot/X



