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Viel los im deutschen Luftraum: Das Manöver „Air Defender“ der Nato ist eine Übung für den Ernstfall. Einschränkungen von Flügen werden unterschiedlich eingeschätzt.
Berlin – Im Luftraum über Deutschland wird es ab diesem Montag eng. Grund dafür ist die größte Luftwaffenübung seit Bestehen der Nato. Unter dem Namen „Air Defender 2023“ fliegen 25 Nationen sowie die Nato das Manöver bis zum 23. Juni – die Führung übernimmt Deutschland. In vielen Teilen der Bundesrepublik können in den kommenden Tagen die Luftwaffenübungen am Himmel beobachtet werden. Wie sehr das den zivilen Flugverkehr einschränken wird, schätzen Bundeswehr und Fluglotsengewerkschaft unterschiedlich ein.
Nato-Flugverkehr: Unterschiedliche Einschätzung von Verspätungen wegen „Air Defender“
Laut Bundeswehr sind rund 10.000 Soldaten und 250 Flugzeuge beteiligt – darunter 70 Maschinen aus Deutschland. Mit diesen zusätzlichen Maschinen im deutschen Luftraum kann es eng werden. Doch die Bundeswehr geht nur von geringen Verspätungen von Personenflügen aus. „Das wird sich maximal im Minutenbereich bewegen“, sagte der Inspekteur der Deutschen Luftwaffe, Ingo Gerhartz. Die Übung finde auch vor der großen Urlaubswelle statt. Die Fluglotsengewerkschaft GdF schätzt die Lage anders ein. Die Militärübung „wird natürlich massive Auswirkungen auf den Ablauf der zivilen Luftfahrt haben“, sagte ihr Vorsitzender Matthias Maas.
Von der Übung sind drei Lufträume in Deutschland direkt betroffen: über Teilen Norddeutschlands und der Nordsee, Teilen Ostdeutschlands und der Ostsee sowie Teilen Südwestdeutschlands.
Gestartet werden die Einsätze hauptsächlich von folgenden Standorten:
- Jagel/Hohn in Schleswig-Holstein
- Wunstorf in Niedersachsen
- Lechfeld in Bayern
- Spangdahlem in Rheinland-Pfalz
- Volkel in den Niederlanden
- Čáslav in der Tschechischen Republik
Nato-Flugwaffenübung: „Air Defender“-Training zur Abwehr östlichen Angriffs
Das Großmanöver gilt als Training, wie ein fiktiver Angriff eines östlichen Angreifers von den Nato-Verbündeten zurückgeschlagen wird. Die Luftwaffe gab bekannt, die Idee sei schon seit 2018 ausgearbeitet worden – also bereits vier Jahre vor Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine. Trotzdem soll die Übung nun auch ein Signal an Russland senden. „Es würde mich sehr wundern, wenn irgendein Staatsoberhaupt der Welt nicht zur Kenntnis nehmen würde, was dies in Bezug auf den Geist dieses Bündnisses, das heißt die Stärke dieses Bündnisses, zeigt. Und das schließt Herrn Putin ein“, machte US-Botschafterin Amy Gutmann bekannt.
Militärflugplatz: „Air Defender“-Vorbereitungen der Nato laufen seit Monaten in Wunstorf
Die Vorbereitungen laufen auf dem Militärflugplatz Wunstorf bei Hannover seit Monaten: Soldaten und Material wurden nach Deutschland gebracht. Dafür wurde Wunstorf in den vergangenen Tagen und Wochen von großen Transportflugzeugen der US Air Force angeflogen. Außerdem sind dort die A400M-Transporter der Luftwaffe stationiert. Die Lärmbelastung dürfte sich in diesem Teil Deutschlands trotzdem in Grenzen halten: Zum einen sind die Transportflugzeuge deutlich leiser als die Kampfjets, die Wunstorf nur im Ausnahmefall anfliegen werden. Zum anderen fand der Tag mit den meisten Flugbewegungen in Wunstorf wegen der Rolle als Logistik-Hub schon gut eine Woche vor dem Manöver statt.
Demonstration: Friedensinitiativen sprachen sich vor Nato-Manöverauftakt „Air Defender“ für Diplomatie aus
Eine Auftaktveranstaltung von „Air Defender 2023“ ist für Montagmittag (12. Juni) auf dem Militärflugplatz Wunstorf geplant, der als Logistik-Drehkreuz für das Manöver dient. Dort werden der Inspekteur der Luftwaffe, Gerhartz, der Inspekteur der Streitkräftebasis, Generalleutnant Martin Schelleis, sowie Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) erwartet.
Friedensinitiativen kritisieren das internationale Manöver und riefen am Samstag (10. Juni) zu einer Demonstration vor dem Fliegerhorst Wunstorf auf. Bei der Versammlung unter dem Motto „Frieden üben – statt Krieg“ erschienen hunderte Menschen. Die Demonstranten appellierten für diplomatische Lösungen ohne Waffengewalt. Zudem sprachen sie sich für einen Waffenstillstand in der Ukraine aus. (dpa/hk)
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