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Im Schneetreiben verirrt, unangemessen ausgerüstet, schlecht organisiert: Urlauber verursachen den Bergrettungskräften im Salzburger Land Stress.
Hüttschlag – Die Sommerferien sind eigentlich vorbei, doch die Salzburger Bergretter merken kaum etwas davon, dass der Betrieb auf den Gipfeln der österreichischen Berge nachlässt. Vor allem der Wintereinbruch der vorigen Woche sorgt immer noch für schwierige Verhältnisse am Berg, was viele Bergfreunde bei ihrer Tourenplanung nicht berücksichtigen, obwohl mehrfach und drastisch darauf hingewiesen wurde.
Familie aus Oberösterreich nachts im Pongau geborgen
In der Nacht von Sonntag auf Montag hatte sich eine Familie aus Linz (Oberösterreich) bei einer Wanderung auf den Spielkogel (2144 Meter) im Großarltal im Salzburger Pongau verirrt „Im schneereichen alpinen Gelände verloren sie die Orientierung, weil sie eine vermeintliche Abkürzung nehmen wollten“, heißt es bei der Bergrettung Hüttschlag. Da sie nicht mehr weiter konnten, setzten sie gegen 18 Uhr einen Notruf ab. Dabei riss die Verbindung ab. Ein Jugendlicher aus der Familie stieg darum etwas auf, um wieder Kontakt zur Einsatzzentrale zu bekommen. Dies gelang, ein Rettungshubschrauber konnte ihn dann auch auflesen.
Als die aufgestiegene Bergrettung Hüttschlag den Rest der Familie in einem Graben ausmachte, war es zu dunkel für eine Hubschrauberrettung geworden. Die Bergretter stiegen zu den drei völlig erschöpften Personen auf. „Ich habe versucht, einen Hubschrauber aus einem benachbarten Bundesland für eine Taubergung mittels Winde zu bekommen“, sagt Gerhard Kremser, der Bezirksleiter der Bergrettung im Pongau. „Doch nur ein Hubschrauber aus Reutte in Tirol stand später zur Verfügung und daher warteten die Bergretter einige Stunden mit der Familie auf diese Taubergung.“ Schließlich konnte die Besatzung des nachtflugfähigen Helikopters aus Reutte die Familie per Winde bergen und ausfliegen, die Bergretter stiegen zu Fuß ab, der Einsatz war gegen 1 Uhr beendet.
Heillos überfordertes Kletter-Trio macht Bergretter sprachlos
Gleichzeitig waren im Dachsteingebirge an der Grenze zwischen Oberösterreich und Salzburg drei junge Männer aus Israel und Belgien in Schwierigkeiten geraten, nachdem sie den Donnerkogel-Klettersteig gegangen waren, um den Sonnenuntergang am Berg zu sehen. „Sie waren jedoch aufgrund ihrer Erschöpfung, Ausrüstung und fehlenden Tourenplanung nicht mehr in der Lage, alleine abzusteigen“, berichtet die Bergrettung Annaberg. Gegen 21.30 Uhr wählten das Trio den Notruf. Sie hatten dem Bericht der Retter zufolge bereits die doppelte Zeit für den Aufstieg gebraucht und waren am Ende des Klettersteiges im Stahlseil – völlig durchnässt und fertig – eingehängt.
Bergretter aus Annaberg stiegen zu den Touristen auf und brachten wärmende Kleidung, Tee und andere Ausrüstung mit. „Die drei Männer waren völlig erschöpft, unterkühlt und konnten nicht mehr alleine absteigen, auch nicht am Seil. Sie hatten auch nur leichte Schuhe an und der Schnee liegt teilweise noch hüfthoch“, schildert Werner Quehenberger, der Bezirksleiter der Bergrettung im Tennengau.
„Wir wollten mit ihnen am Berg biwakieren, weil wir auch keine nächtliche Taubergung mittels Winde durchführen konnten und kein Hubschrauber in der Nacht dort landen kann.“ Schließlich erreichten die Retter doch die Besatzung eines Rettungshubschraubers aus der Steiermark, der Nachtflüge durchführen kann. Die Besatzung nahm unter schwierigsten Bedingungen schwebend die erschöpften Urlauber an Bord und flog sie ins Tal. „Ich erspare mir dazu jeden Appell an die Vernunft und die Tourenplanung“, so Quehenberger fast resignierend.
Ehepaar aus Bremen verläuft sich auf 2050 Metern Höhe im Schnee
Am Hochkönig war am Sonntagnachmittag eine Urlauberin aus Hessen (69) auf einer Höhe von 2100 Metern rund 15 Meter tief in einen Graben gestürzt, die mit ihrem 18-jährigen Enkelsohn unterwegs war. Sie kam per Helikopter ins Krankenhaus. Ein 73-Jähriger aus Bremen hatte sich fast gleichzeitig mit seiner Gattin (63) bei Zell am See (Pinzgau) auf einer Höhe von 2050 Metern in einem Schneefeld verlaufen, die beiden kamen nicht weiter. Ein Polizeihubschrauber brachte sie sicher ins Tal. Am Vormittag war ein Man aus dem Bezirk Vöcklabruck (Oberösterreich) an der Bleckwand über dem Wolfgangsee an einem umgestürzten Baum gestürzt. Die Bergrettung trug ihn zum Gipfel, von er ins Krankenhaus gebracht wurde.
Vor kurzem war erst ein Kletterer am Traunstein im Salzkammergut abgestürzt, er verletzte sich schwer. In Südtirol stürzte eine Wanderin 150 Meter in die Tiefe und starb. In Tirol waren am Wochenende acht Bergwanderer im Schnee gestrandet und mussten gerettet werden.

