Kleinbus rammt Polizeiauto

An deutsch-österreichischer Grenze: Polizei stoppt Schleuser – dann fallen Schüsse

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Der Peugeot des mutmaßlichen Schleusers, der am Walserberg mit einem Nagelgurt gestoppt wurde.
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Die Polizei muss bei der Verfolgung von Schleusern teils zu drastischen Mitteln greifen. Bei Salzburg fielen Schüsse, zwei Männer wurden verletzt.

Salzburg – Immer wieder versuchen Migranten mithilfe von Schleusern, über die Grenzen von Österreich nach Deutschland zu gelangen. Das gilt als illegale Einreise, weshalb die Polizei auf beiden Seiten der Grenze immer schärfer kontrolliert. Immer gefährlichere Fahrmanöver sind die Folge. Bei zwei spektakulären Verfolgungsjagden auf mutmaßliche Schleuser von Bayern ins benachbarte Österreich griff die Polizei zu den letzten Mitteln.

Montagfrüh (11. Dezember) versuchte die bayerische Grenzpolizei bei Schneizlreuth einen rumänischen Kleinbus bei der Einreise aus dem Salzburger Land für eine Kontrolle anzuhalten. Das Auto drehte um und fuhr über den Steinpass Richtung Saalfelden (Salzburg), die bayerische Grenzpolizei mit Streifenwagen hinterher. Der Renault umfuhr zwei Straßensperren, die die alarmierten österreichischen Kollegen aufgebaut hatten, die Salzburger Polizeiautos nahmen auch dann die Verfolgung auf.

Fahrer von Kleinbus rammt Polizeiauto – dann schoss ein österreichischer Polizist

Einen der Streifenwagen versuchte der Fahrer des Kleinbusses laut Landespolizeidirektion Salzburg über eine Strecke von ungefähr zwei Kilometern immer wieder abzudrängen und rammte ihn auch. Das Polizeiauto geriet mehrfach ins Schleudern. Dann schoss ein Polizist (29) auf dem Beifahrersitz mit seiner Dienstpistole auf den Kleinbus. „Zu diesem Zeitpunkt versuchte schließlich der 29-jährige Beifahrer des Polizeifahrzeuges, das Fluchtfahrzeug in einer Notwehr- bzw. Nothilfesituation durch den Einsatz der Dienstwaffe Glock 17 zu stoppen, um die unmittelbare Gefahr für Unbeteiligte und die Einsatzkräfte zu beenden“, heißt es im Polizeibericht weiter.

Und: „Aufgrund erster Zeugenvernehmungen der Insassen des Fluchtfahrzeuges ist derzeit davon auszugehen, dass die beiden Projektile im Fluchtfahrzeug eine Splitterwirkung entfalteten und dabei einen hinter dem Lenker sitzenden 19-jährigen syrischen Staatsangehöriger unbestimmten Grades an der Hand verletzten.

Als der Kleinbus stand, löste sich aus dem Polizei-Gewehr ein weiterer Schuss

Nach insgesamt 30 Kilometern kam der Kleinbus bei Saalfelden schließlich von der Straße ab und blieb im Schnee stecken. Zwei Polizistinnen forderten die Insassen auf, aus dem Fahrzeug auszusteigen. Dort fielen dann Schüsse aus einem Gewehr. „Im Zuge dieses Vorganges kam es aus noch unbekannter Ursache zu einer Schussabgabe einer 34-jährigen Polizistin mit der Langwaffe, wobei ein 27-jähriger syrischer Staatsangehöriger im Inneren des Fluchtfahrzeuges getroffen und unbestimmten Grades verletzt wurde“, heißt es im Polizeibericht. Der 27-Jährige befindet sich jetzt laut Polizei mit einer Schussverletzung im Universitätsklinikum Salzburg zur medizinischen Versorgung.

Insgesamt saßen zehn Syrer im Fahrzeug. Sie sagen der Polizei später, dass sie den Fahrer mehrfach und lautstark aufgefordert hätten, die gefährliche Flucht sofort zu beenden, was dieser jedoch ignoriert habe. Der Fahrer türmte zu Fuß. Die Fahndung mit Hunden und Drohnen scheiterte zunächst, bis ihn eine Zeugin in Saalfelden-Lenzing sah und der Polizei meldete. Die nahm den Rumänen (34) fest, der unbestimmten Grades verletzt war. Auch zwei Polizisten wurden leicht verletzt. Der 19-Jährige nahm laut Polizei keine ärztliche Behandlung in Anspruch.

Wie es zu den Schüssen aus dem Gewehr kommen konnte? „Die Spurenauswertungen und Ermittlungen zu dieser Schussabgabe dauern noch an“, heißt es bei der Landespolizeidirektion Salzburg. Weiter: „Die syrischen Staatsangehörigen hatten geplant, mit dem Schlepperfahrzeug von Slowenien nach Deutschland zu gelangen. Bisher stellten sie in Österreich keinen Antrag auf internationalen Schutz.

Polizei stoppt weiteres Fluchtauto bei 180 km/h mit Nagelgurt

In Berchtesgaden raste schon am Samstag (9. Dezember) ein mutmaßlicher Schleuser aus Polen (31) der Polizei mit einem Peugeot mit bis zu 160 km/h über Marktschellenberg Richtung Salzburg davon – an Bord sechs nicht angeschnallte Syrer (5 bis 33 Jahre alt). Der Schleuser fuhr bei Neu-Anif auf die Tauernautobahn und versuchte dann, am Walserberg über die A8 mit 180 km/h nach Bayern zu gelangen.

Am Grenzübergang stoppte ihn die deutsche Bundespolizei mit einem Nagelgurt. Niemand wurde verletzt. Die Syrer erhielten laut Bundespolizei eine Einreiseverweigerung und wurden nach Österreich zurückgewiesen. Nagelgurte können zu schweren Unfällen führen. Neuere Modelle lassen die Luft langsamer entweichen, doch dann kommt das Auto nicht sofort zum Stehen.

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