„Wir sind schockiert“

Bergsteiger stürzt am Mont Blanc in den Tod – er wollte Geld für krebskranke Kinder sammeln

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Ein Bergsteiger aus Italien ließ bei einem folgenschweren Unglück auf dem Mont Blanc sein Leben. Er hatte sich auf eine ganz besondere Bergsteig-Tour aufgemacht.

Aosta – Vom Mittelmeer aus den Gipfel des Mont Blanc, des höchsten Bergs der Alpen auf rund 4.800 Meter erklimmen: Das hatte sich der 50-jährige Bergsteiger Michele Raule aus der italienischen Gemeinde San Lazarro bei Bologna zum Ziel gemacht.

Rettungskräfte sprechen derweil eine Warnung für eine Mont-Blanc-Route aus. Raule kam auf seiner Bergsteig-Tour ums Leben. Das berichten mehrere italienische Medien übereinstimmend.

Bergsteiger rutscht aus und stürzt in Gletscherspalte des Mont Blanc

Das tragische Unglück ereignete sich demnach am späten Sonntagnachmittag (14. Juli). Raule war zu dem Zeitpunkt mit seinem Bruder und zwei weiteren Bergsteigern auf einer Höhe von rund 3.000 Metern, als er beim Überqueren einer Schlucht auf einem Schneefeld ausrutschte, wie die italienische Tageszeitung Avvenire schreibt. Der Ingenieur stürzte nahe der Gonella-Schutzhütte in eine Gletscherspalte.

Der italienische Bergsteiger Michele Raule plante die Mont-Blanc-Tour ursprünglich für einen guten Zweck.

Die Bergrettung Aostatal konnte an dieser besonders schwer erreichbaren Stelle erst am Folgetag den Leichnam von Raule bergen. Der Verunglückte hinterlässt nach Medienberichten eine Frau, zwei Töchter und einen Sohn. Fast genau vor einem Jahr verzögerte sich die Bergung eines Bergsteigers aus Bayern am Mont Blanc.

Vom Mittelmeer bis zum Mont Blanc: Mit dem Fahrrad, zu Fuß und ohne Schlaf

Am 23. Juni kündigte Raule seine Bergsteig-Tour noch auf Facebook an und zeigte sich dabei auch ein wenig ehrfürchtig: „Am 12. Juli werde ich ein für mich extremes Kunststück versuchen: vom Meer bis zum Gipfel des Mont Blanc, ohne zu schlafen, nur mit meinen Beinen. Aber es ist nicht sicher, dass ich es schaffen werde.“

Er startete an besagtem Tag um fünf Uhr morgens in Genua mit dem Fahrrad auf die geplante 300-Kilometer-Reise zum Mont Blanc. 30 Stunden visierte er dafür an. Das Rad ließ er dann am Fuße des Bergs im italienischen Aostatal zurück und wollte die letzten der insgesamt rund 7.000 zurückzulegenden Höhenmeter per Fuß absolvieren. 15 Kilometer Strecke wären das bis zum Gipfel noch gewesen.

Fünf Länder, vier Gipfel: Mont-Blanc-Bergsteiger nutzte Touren medial für Spendenaufrufe

2022 beschloss der erfahrene Bergsteiger Raule, die höchsten Berge Italiens, Sloweniens, Österreichs, Frankreichs und der Schweiz besteigen zu wollen. Doch mit seinem Projekt „Vier Gipfel für fünf Länder“ wollte er nicht nur seiner Leidenschaft für Wandern und Klettern nachgehen, sondern gleichzeitig auch die mediale Reichweite des Unterfangens nutzen, um Spenden für krebskranke Kinder zu sammeln. Für 2025 war das Finale vorgesehen, wie Avvenire berichtet.

Der Verein für die Hilfe krebskranker Kinder und Jugendlicher in Bologna, Ageop, dem Raules Spendenaufruf 2024 galt, zeigte sich auf seiner Homepage bestürzt: „Wir sind schockiert und traurig über den tragischen Tod von Michele Raule. Er war ein mutiger und großzügiger Mensch, der uns mit seiner Leidenschaft für die Berge, für Höhen, für die Herausforderungen beim Radfahren und Wandern überzeugte.“

Großes Entsetzen in Bologna: Menschen trauern um abgestürzten Mont-Blanc-Bergsteiger

Auch in seinem Heimatort trauern die Menschen. Avvenire zitiert ein Gemeinde-Mitglied mit den Worten: „Er erreichte die Fülle des Lebens, indem er das tat, was er am meisten liebte. Als großer Bergliebhaber und -experte ging er bis an seine Grenzen und hatte dabei immer ein Auge auf die Umwelt und eines auf die Schwächsten“.

Bereits am Dienstag (16. Juli) fand in der Pfarrkirche San Lazzaro eine Gebetsstunde für Raule statt. Beerdigt wird er am Freitag (19. Juli), wie La Reppublica schreibt. Das Berg-Massiv fordert immer wieder Todesopfer. In der jüngeren Vergangenheit trafen Gletschereis-Massen ein deutsches Paar am Mont Blanc. (pls)

Rubriklistenbild: © Montage: Facebook/Michele Raule/Imago/blickwinkel

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