Unwetter in Italien: Schlammlawine isoliert Dorf – heftige Prognose für Urlauber-Regionen
VonRichard Strobl
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Wetterwechsel auch in Italien. Besonders den Norden des Landes treffen dabei heftige Unwetter. Bittere Prognosen für beliebte Urlauber-Regionen.
Update vom 21. August, 22.05 Uhr: Angesichts der dramatischen Lage durch die Unwetter in Norditalien, hat der Präsident der Region Veneto, Luca Zaia, den regionalen Notstand ausgerufen. „Unsere Techniker sind bereits dabei, die ersten Schäden zu erfassen und die betroffenen Gebiete zu kartieren“, sagte er laut italienischen Medien.
Am Freitag soll sich das Wetter in den betroffenen Regionen laut Il Meteo beruhigen. Nur in den Bergen seien vereinzelte Regenfälle zu erwarten.
Update vom 21. August, 11.30 Uhr: Die Unwetter-Lage in Norditalien hat sich deutlich verschärft. Während zunächst vor allem das Aostatal und andere Bergregionen betroffen waren, sind nun massive Überschwemmungen in der Ebene zwischen Venedig und Padua aufgetreten. Lokale Medien berichten von einer regelrechten „Wasser-Bombe“, die die Kapazität des Kanalisationsnetzes gesprengt hatte.
Die Situation wird von den Behörden als „kritisch“ eingestuft, berichtet der Corrier del Veneto. In Mira bei Venedig fielen binnen einer Stunde bis zu 80 Millimeter Regen – ein extremer Wert, der die örtlichen Abwassersysteme völlig überforderte. Die Wassermassen verwandelten Straßen in reißende Flüsse. Videos zeigen sogar Menschen, die mit Stand-up-Paddle-Brettern durch die überfluteten Straßen von Mestre fahren. Der Bahnverkehr zwischen Padua und Venedig wurde am Morgen komplett eingestellt und erst nach Stunden wieder aufgenommen. Züge verspäteten sich um bis zu 90 Minuten.
Stromausfall nach schweren Unwettern – Politik appelliert an Bürger
Besonders schwer getroffen sind die Gemeinden Spinea, Mira, Mestre und Marghera im Raum Venedig sowie Villafranca Padovana, Mestrino, Rubano und weitere Orte rund um Padua. In Mestre fiel der Strom für rund 1000 Haushalte aus, nachdem drei unterirdische Trafostationen überflutet wurden. Der Gemeinde Mira rief ihre Bürger dazu auf, „die oberen Stockwerke aufzusuchen.“
„Ich fordere alle Bürger auf, ihre Bewegungen in den am stärksten von den Überschwemmungen betroffenen Gebieten einzuschränken, auch um die Arbeit der Zivilschutzkräfte, die in diesen Stunden im Einsatz sind, nicht zu behindern, und den Anweisungen der lokalen Behörden zu folgen“, appellierte auch der Governeur der Region Venetien, Luca Zaia, an die Bevölkerung.
Straßen, Garagen und Gärten überschwemmt: Unwetter suchen Norditalien heim
Update vom 21. August 2025: Auch für den Donnerstag (21. August) sagt das Wetter-Portal ilmeteo.it für zahlreiche Regionen in Italien weitere Unwetter voraus. So sollen in den kommenden Stunden Schauer und Gewitter auch Norditalien erreichen. Besonders betroffen seien laut dem Portal die Region Triveneto und der Abschnitt zwischen den Städten Venedig und Padua. Wie der Corriere del Veneto berichtet, kam es unweit von Venedig schon zu überfluteten Straßen, Garagen und Gärten.
Die Unwetterfront werde Prognosen zufolge auch Mittelitalien treffen. Bereits am Mittwoch hatten sich schwere Unwetter über Italien entladen. Videos auf X (ehemals Twitter) zeigen zahlreiche Blitze am Himmel zwischen der Insel Elba und der Küste Livornos. Wie das italienische Nachrichtenportal Italia 24H Live berichtet, habe dort ein schwerer Sturm mit über 1000 Blitzen gewütet.
⛈️ Intenso nucleo temporalesco attivo tra l’isola d’Elba e la costa livornese con migliaia di fulminazioni registrate in questa area solo nell’ultima ora. Video dal Presidente della Regione Toscana, Eugenio Giani. pic.twitter.com/lhlkEgvtpW
— Italia 24H Live 🔴 – Notizie dall'Italia (@Italia24HLive) August 20, 2025
Auch Norditalien hatte bereits in der Nacht zu Mittwoch mit Unwettern zu kämpfen. Wie das Portal suedtirolnews.it berichtet, wurde die Gardesana 45 von Trient in Richtung Riva del Garda gesperrt. Dort sei eine Mure auf die Straße gekracht. Verletzt wurde hierbei niemand. Der Verkehr wurde umgeleitet. Und auch auf die Stilfser Joch-Straße seien Felsbrocken gestürzt. Demnach sei der Abschnitt zwischen Bagni Vecchi und dem Umbrail-Pass komplett gesperrt.
Das Wetter-Portal ilmeteo.it sagt weitere schwere Gewitter in etlichen Regionen voraus. Ein Zyklon löst demnach eine „erhebliche Unwetterphase“ aus, die besonders Nord- und Mittelitalien trifft. Besonders im Fokus sind Ligurien, Piemont, Lombardei, Venetien und Friaul-Julisch Venetien. Das Portal sagt „sintflutartige“ Regenfälle vorher. Besonders im Fokus sind die auch bei Urlaubern beliebten Orte La Spezia, Treviso, Belluno und Pordenone.
Unwetter-Alarm in Italien: Erdrutsche, Sturzfluten, Überschwemmungen – bittere Prognose
Durch den heftigen Regen seien zudem Sturzfluten, Erdrutsche und Überschwemmungen möglich. Und auch in der Toskana sei Vorsicht geboten. Hier drohen „sehr starke Gewitter“ sowie sogenannte Down Bursts mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde. An der Küste seien Sturmfluten nicht auszuschließen.
Schon in der Prognose für Mittwoch (20. August) hatte der Wetterdienst der italienischen Luftwaffe Schauer und Gewitter sowie örtlich begrenzte Hagelstürme für das Piemont, die Lombardei und Ligurien vorhergesagt. Letztlich traf es im Verlauf des Mittwochs dann mehr oder weniger den gesamten Alpenraum Italiens.
Italien im Unwetter-Fokus: Schlammlawine isoliert Dorf und Urlauber
Besonders heftig wüteten die Unwetter bereits in der Nacht auf Mittwoch im Aostatal. Die heftigen Gewitter lösten laut Rai gleich zwei Murenabgänge aus. Bei dem ersten wurde die Regionalstraße 28 zwischen Bionaz und Oyace getroffen. Dadurch wurde die Gemeinde Bionaz von der Außenwelt abgeschnitten. Verletzt wurde immerhin niemand. Allerdings saßen dort zeitweise mehr als 20 Touristen fest. Drei von ihnen wurden aus medizinischen Gründen mit einem Helikopter evakuiert.
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Die zweite Schlammlawine ging in Ollomont ab. Die Gemeindestraße nach Glassier wurde gesperrt und das Dorf Barliard, in dem etwa 20 Personen waren, wurde komplett evakuiert. Nachdem das Gebiet abgesichert wurde, konnten die Menschen am Morgen wieder zurück in ihr Dorf. Aktuell erscheint die Lage im Aostatal zunächst stabil. Allerdings ist der Ort Bionaz immer noch teilweise von der Außenwelt isoliert.
Unterdessen gilt auch in der Region Emilia-Romagna mittlerweile die Warnstufe Orange. Es werden heftige und anhaltende Gewitter erwartet, berichtet Rai. Es seien „großflächige Abflüsse und Erdrutsche“ möglich. (rjs)