Roms Sehenswürdigkeiten auf einem Fleck

Vatikanstadt: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Petersplatz, Vatikanstadt

Ein Staat in der Stadt, Vatikanische Museen, Sixtinische Kapelle und Petersdom – Wissenswertes über Vatikanstadt.

Vatikanstadt – Mitten in Rom befindet sich mit dem Vatikan der kleinste souveräne Staat der Welt. Er thront auf dem Vatikanischen Hügel mit Ausblick auf das historische Zentrum Roms. Vatikanstadt ist der Nachfolger des tausendjährigen mächtigen Kirchenstaates und ist seit seiner Gründung im Jahr 1929 ein selbständiger Staat und das spirituelle Zentrum der römisch-katholischen Kirche. Der offizielle Name ist „Stato della Città del Vaticano“. Autonummernschilder beginnen daher mit den Buchstaben SCV.

Zur Vatikanstadt in der Hauptstadt Rom gehören u. a. die beeindruckenden Vatikanischen Museen, die neben der weltbekannten Sixtinischen Kapelle auch einige der berühmtesten Kunstwerke Italiens beherbergen. Der imposante Petersdom sowie eine Auswahl an Restaurants und Souvenirläden sind ebenfalls Teil des Vatikans. Besonders zur Weihnachts- und Osterzeit pilgern zahlreiche Gläubige in die Vatikanstadt, um den Segen des Papstes zu empfangen. Das Staatsoberhaupt ist der Papst, gegenwärtig der aus Argentinien stammende Papst Franziskus.

Vatikanstadt – die wichtigsten Zahlen, Daten & Fakten des Landes

  • Hauptstadt: Città del Vaticano
  • Staats- und Regierungsform: Wahlmonarchie. Der Papst ist als Bischof von Rom ex officio Staatsoberhaupt.
  • Staatsoberhaupt (Stand: November 2022): Papst Franziskus
  • Regierungschef (Stand: November 2022): Präsident des Governatorats Fernando Kardinal Vérgez Alzaga
  • Amtssprache: Italienisch, Latein
  • Einwohnerzahl: 453 Einwohner im Staatsgebiet, 618 Staatsbürger
  • Bevölkerungsdichte: 2272 Einwohner pro km²
  • Fläche: 0,44 km²
  • Währung: Euro (EUR)

Vatikanstadt – die Geschichte des Landes

Die Vatikanstadt ist ein souveräner Stadtstaat inmitten der Stadt Rom. Er ist der Nachfolger des Kirchenstaates, der über 1.000 Jahre lang über große Teile Mittelitaliens herrschte – mit Ausnahme einer kurzen Unterbrechung zwischen 1809 und 1815, als er von Napoleon aufgelöst worden war. Es handelt sich dabei um einen kirchlichen bzw. sakral-monarchischen Staat, der vom Heiligen Stuhl mit dem Papst als Oberhaupt regiert wird.

Zwischen 1870 und 1929 hatte der Papst keine territorialen Herrschaftstitel. Im Jahr 1929 wurde in Verhandlungen zwischen dem Papst und der faschistischen Regierung Italiens unter Mussolini der sog. Lateranvertrag abgeschlossen, der dem Papst auf dem Gebiet der heutigen Vatikanstadt die absolute Souveränität überließ. Dadurch kam es zur Gründung des modernen Stadtstaats „Vatikanstadt“. Die Herkunft des Namens „Vatikan“ bezieht sich auf eine etruskische Siedlung namens Vatica bzw. Vaticum, die sich in einem weitläufigen Gebiet in der Nähe von Rom befand und von den Römern als Ager Vaticanus („Vatikanisches Gebiet“) bezeichnet wurde.

Vatikanstadt – das politische System des Landes

Unter dem Heiligen Stuhl versteht man die vom Papst geleitete Regierung der römisch-katholischen Kirche. Somit erstreckt sich die Zuständigkeit des Heiligen Stuhls auf alle Katholiken weltweit. Gleichzeitig ist der Papst dabei auch der Bischof von Rom. Obwohl die Begriffe „Heiliger Stuhl“ und „Vatikanstadt“ eng miteinander verknüpft sind, handelt es sich hierbei um zwei unterschiedliche Völkerrechtssubjekte. Die Päpstliche Kommission übt im Namen des Papstes die Legislative aus und erlässt somit die Grundnormen und Gesetze. Diese werden in einem Amtsblatt namens „Acta Apostolicae Sedis“ veröffentlicht.

Der Kardinalpräsident der Päpstlichen Kommission, der in dieser Funktion den Titel „Präsident des Governatorats“ trägt, hat die Exekutivgewalt inne. Das Governatorat ist in verschiedene Direktionen gegliedert und ihm sind mehrere Zentralämter nachgeordnet. Die Päpstliche Kommission und der Präsident des Governatorats können bei der Ausarbeitung von Gesetzen und anderen wichtigen Angelegenheiten die Hilfe des Generalrats und der Staatsräte in Anspruch nehmen. Durch die Hände des „Chefs der Verwaltung des Staates der Vatikanstadt“ (= Präsident des Governatorats) geht auch die Leitung der Finanz- und Haushaltspolitik der Vatikanstadt.

Vatikanstadt – die Sicherheit des Landes

Um die innere Sicherheit kümmert sich seit 1506 als Armee bzw. Hauspolizei die Schweizergarde. Im 15. und 16. Jahrhundert galten die Schweizer Söldner als die zuverlässigsten Soldaten Europas. Heute hat die Schweizergarde einen Bestand von 110 Mann, davon sind 32 Offiziere und Unteroffiziere und 78 Gardisten, die alle die Schweizer Staatsangehörigkeit besitzen müssen und zur Einhaltung des Zölibats verpflichtet sind. Die offiziellen Sprachen der Schweizergarde sind Deutsch und Italienisch. Außerdem gibt es noch die Päpstliche Gendarmerie und das Aufsichtspersonal für Kirchen und Museen.

Vatikanstadt – die Währung des Landes

Der Vatikan ist ein souveräner Staat im Staat Italien, mit einer eigenen Währung. Aufgrund der Währungsvereinbarung mit der italienischen Regierung gelten die vatikanischen Münzen sowohl in Italien als auch in allen anderen Ländern als gültiges Zahlungsmittel. Obwohl der Vatikan kein Mitglied der EU oder der Eurozone ist, kann das Land aufgrund eines im Jahr 2000 abgeschlossenen Abkommens mit Italien den Euro ebenfalls als offizielle Währung verwenden. Um als eigenständiger Stadtstaat wahrgenommen zu werden, befindet sich auf der Rückseite der vatikanischen Euromünzen ein Bild des Papstes.

Vatikanstadt – die Kultur und Wirtschaft des Landes

Die wichtigste Einnahmequelle der Vatikanstadt stellt der Tourismus dar: Insbesondere die Vatikanischen Museen mit über 6 Millionen Besuchern pro Jahr sowie der Petersdom gelten als beliebte Touristenattraktionen. Auch die Vatikanische Bibliothek beherbergt eine Sammlung von großem historischen, wissenschaftlichen und kulturellen Wert.

Weitere Einnahmen (in zweistelliger Millionenhöhe pro Jahr) generiert die Vatikanstadt aus dem Verkauf von Briefmarken, Münzen, Souvenirs, Publikationen sowie aus den Eintrittsgeldern für die Vatikanischen Museen. Weitere Wirtschaftszweige im Vatikan sind das Druckwesen, die Herstellung von Mosaiken und die Produktion von Dienstkleidung. Im Vatikan gibt es zudem auch eine Apotheke.

Das „Institut für die religiösen Werke“, besser bekannt als Vatikanbank, ist ein Finanzinstitut im Vatikan. Nur dort befinden sich die weltweit einzigen Bankautomaten mit Menüführung in lateinischer Sprache. Das Vermögen des Vatikans an Immobilien, in New York gelagertem Gold und Aktien wird auf etwa 10 Milliarden Euro geschätzt. Zum Vermögen des Vatikans gehören auch die Kunstschätze, die die Päpste in Jahrhunderten angesammelt haben.

Die größten Ausgabenposten des Vatikans sind die Gehälter für die Angestellten, die Finanzierung von Auslandsvertretungen und die Instandhaltung der Kunstschätze. 1984 wurde der Vatikan als einziges Land der Welt in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Der Vatikan gilt auch de facto als Hüter der lateinischen Sprache. Aufgrund der bestehenden Priesterherrschaft wird der Vatikan als sogenannte „Theokratie“ bezeichnet.

Vatikanstadt – die Bevölkerung des Landes

Die Vatikanstadt hat lediglich 825 Einwohner, von denen nur 246 Menschen (darunter 104 Mitglieder der Schweizergarde) innerhalb der Mauern leben. Etwa 570 Bewohner haben die vatikanische Staatsangehörigkeit: Kardinäle und Prälaten, die im Vatikan wohnen oder wichtige Funktionen bekleiden, die diplomatischen Vertreter des Vatikans im Ausland und ca. 50 Laien.

Der Vatikan hat ca. 3.000 Beschäftigte, die jedoch überwiegend nicht auf seinem Gebiet wohnen und auch nicht seine Staatsangehörigkeit besitzen. Dabei handelt es sich vorwiegend um Personen im diplomatischen Dienst. Die vatikanische Staatsbürgerschaft ist nicht vererbbar und kann nicht durch Geburt erworben werden. Sie ist funktionsbezogen und wird nur für die Dauer der Tätigkeit im Vatikan gewährt. In der Vatikanstadt oder in Rom lebende Kardinäle sowie Diplomaten des Heiligen Stuhls gelten ebenfalls als Staatsbürger.

Der Vatikan erlaubt die Beibehaltung der doppelten Staatsbürgerschaft. Alle Beschäftigten sind zu absoluter Dienstverschwiegenheit verpflichtet. Wer hier arbeiten möchte, muss katholisch sein und vor zwei Priestern schwören, Schweigen über seine Tätigkeit zu bewahren.

Vatikanstadt – die Geografie des Landes

Die Vatikanstadt liegt in der Nähe des rechten Tiber-Ufers an einem kleinen Hang, der einst Teil des antiken Vatikanhügels war. Vor Christi Geburt befanden sich hier einige Villen. Das nur 44 Hektar große Staatsgebiet ist teilweise von Mauern umschlossen und reicht bis zu einem schmalen Travertinstreifen auf dem Petersplatz. Dieser Streifen verbindet die beiden Enden der Kolonnaden miteinander und markiert somit die (i. d. R. offene) Staatsgrenze des Vatikans.

Zur Vatikanstadt gehören der Petersdom, der Petersplatz, die Vatikanischen Museen, sowie andere Paläste und Gärten innerhalb der Mauern. Außerhalb dieses Gebietes gibt es noch den päpstlichen Sommersitz in Castel Gandolfo sowie einige Kirchen und Paläste in Rom, die im exterritorialen Besitz des Vatikans sind, ohne jedoch zur Vatikanstadt zu gehören.

Vatikanstadt – das Klima des Landes

Genau wie in Rom herrscht im Vatikan ein gemäßigtes Mittelmeerklima mit milden, regnerischen Wintern (September bis Mai) und heißen, trockenen Sommern (Mai bis August). Aufgrund der heißen Temperaturen zog es die Päpste in den Sommermonaten in den Apostolischen Palast von Castel Gandolfo. Für Besucher bzw. Touristen die beste Besuchszeit sind die Monate zwischen September und Oktober, da in den Herbstmonaten angenehm kühle Temperaturen vorherrschen.

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