„Besuch auf einem anderen Planeten“

Sauerstoff und zwei weitere Probleme für Titanic-Touristen - Vermisster sah einst „keinen schlechten Tod“

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Die Insassen der verschollenen „Titan“ könnten auch Probleme durch die Kälte bekommen: Davon sprach Titanic-Experte Nargeolet vor Jahren in Bezug auf ein anderes Boot.

Boston – Die Suche nach dem verschollenen tauchfähigen Boot „Titan“ geht unter Hochdruck weiter: Experten gehen davon aus, dass am Donnerstag (22. Juni) der Sauerstoff an Board zur Neige geht – alle die Hoffnung bei der Suche nach dem Boot auf Titanic-Mission schwindet. Doch außer knappem Sauerstoff könnten zwei weitere Probleme der Rettung der Insassen im Weg stehen. Eine Expertin hat erklärt, warum die Suche nach dem Touristenboot mehr Mitgefühl auslöst als das Bootsunglück im Mittelmeer, bei dem möglicherweise 100 Kinder mit ihren Müttern ertrunken sind.

An Bord der „Titan“ befindet sich auch der Forscher Paul-Henri Nargeolet (77). Der als „Monsieur Titanic“ bekannte Franzose gilt als einer der führenden Experten für das Wrack des Luxusliners. Er selbst hatte vor Jahren ein Interview gegeben, in dem er vor einer anderen Gefahr als dem Sauerstoffmangel warnte: Der Kälte, die unter Wasser herrscht. „Fünf Tage kann man überleben, wegen des Essens, dem Sauerstoff und all dem. Aber wir wussten immer, wir würden früher sterben, wegen der Temperatur.“

Tauchboot auf Titanic-Mission: Titan-Mitreisender sprach vor Jahren von anderer Todesgefahr

Paul-Henri Nargeolet, Forscher aus Frankreich gilt als einer der bekanntesten Experten für das Titanic-Wrack und ist einer der fünf Insassen an Bord des vermissten Tauchboots «Titan».

Allerdings bezog sich Nargeolet in dem Interview nicht auf die „Titan“, die derzeit bei ihrem Tauchgang verschollen ist, sondern auf ein anderes U-Boot. „Wenn nichts mehr läuft, haben wir zwar eine Ausstattung wie Decken, um uns warmzuhalten. Aber nach einer Weile stirbt man trotzdem an der Kälte“, sagte er. Die Lufttemperatur bei der Suchmission hatte vor einigen Tagen bei zehn Grad gelegen. „An Kälte zu sterben ist kein schlechter Tod, weil man einschläft und nicht leidet“, sagte Forscher Nargeolet vor Jahren. „Aber es ist uns nicht in den Sinn gekommen, dass das mal passieren kann.“

Die „Titan“ sei nur ein tauchfähiges Boot, kein U-Boot, das über eigene Ausrüstung verfügt, schreibt CNN. Sie braucht daher ein Schiff zur technischen Unterstützung an der Oberfläche. „In (Titan) gibt es eine Heizung, sodass es sich ein wenig erwärmen kann, aber das wird natürlich nicht ewig anhalten“, sagte Aaron Newman, ein OceanGate-Investor gegenüber CNN. „Es ist eng – nahe der Wasseroberfläche heiß und in der Tiefe fast eiskalt.“ Wenn das Tauchboot zu lange in tiefen Gewässern bleibt, könnte Unterkühlung ein Problem sein, sagte auch David Gallo, ein Berater für strategische Initiativen bei RMS Titanic. „Es ist wie ein Besuch auf einem anderen Planeten. Es ist eine sonnenlose, ewig kalte Umgebung – hoher Druck.“ Die Temperaturen in der Tiefsee liegen demnach knapp über dem Gefrierpunkt.

Tauchboot „Titan“: Weitere Hürde bei Rettung der Titanic-Touristen

Noch eine weitere Gefahr sprach Nargeolet in diesem Interview an. „Man kann an Board vier oder fünf Tage überleben“, sagte er. Schob dann allerdings lachend ein: „Was allerdings nicht viel hilft, weil niemand helfen kann.“ Auch das erweist sich jetzt als großes Problem: Selbst, wenn die Kapsel geortet wird, könnte eine Bergung einige Zeit in Anspruch nehmen. In der Nähe der „Titanic“ knapp 700 Kilometer südlich von Neufundland sind die Bedingungen schwierig. Auch die Anreise von spezialisierten Schiffen ist nicht einfach: Ein französisches Spezialschiff mit einem Tauchroboter an Bord wurde in der Nacht zum Donnerstag (MESZ) vor Ort erwartet. Auch die kanadische „HMCS Glace Bay“, die eine Dekompressionskammer und medizinisches Personal an Bord hat, war unterwegs in das riesige Suchgebiet. Die US-Navy schickte das Schiffshebesystem „Fadoss“.

Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer

Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“
Sie schufen den Mythos um die 1912 gesunkene „Titanic“: Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“. Der Film gewann elf Oscars. 130 Millionen Besucher zog es in den USA ins Kino, immerhin 18 Millionen in Deutschland. © imago/EntertainmentPictures
Titanic
Die überreste des gesunkenen Luxusdampfers „Titanic“ liegen in rund 3800 Metern Tiefe (undatiertes Archivfoto). © epa PA/epa/dpa
Das Wrack der Titanic.
Titanic Wrack U-Boot.jpg © Atlantic Productions/Magellan/Imago
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.  © Atlantic Productions/dpa
Atlantik
Hier liegt das Wrack der „Titanic“ im Atlantik. © Google/dpa
Titan
Dieses vom American Photo Archive herausgegebene Foto zeigt das Tauchboot „Titan“ von OceanGate Expeditions, das zur Besichtigung der Wrackstelle der „Titanic“ eingesetzt wurde. © American Photo Archive/Alamy/PA Media/dpa
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus.
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus: Eine Reise zur Titanic kostet Privatpersonen mit dem U-Boot rund 250.000 Dollar. © OceanGate Expeditions / AFP
Dieses Archivbild zeigt das Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik.
Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik verschollen (Archivfoto). Das kleine U-Boot ist knapp sieben Meter lang und fünf Personen bis in eine Tiefe von 4.000 Metern befördern.  © OceanGate Expeditions/AP/dpa
Der Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“.
Dieses von American Photo Archive zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“ von OceanGate Expeditions mit den damals reisenden Passagieren. Im Inneren des Tauchboots hat die Besatzung wenig Platz und nur eine bestimmte Menge Sauerstoff, wie eine ältere Fotoaufnahme zeigt. © American Photo Archive Alamy
Hamish Harding
Hamish Harding im Juni 2023 in London. Der britische Geschäftsmann und Abenteurer ist an Bord des Tauchboots, das in der Nähe des „Titanic“-Wracks im Atlantik vermisst wird. © Dirty Dozen Productions/PA Media/dpa
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde.
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde. © Greg Gilbert/dpa/Archivbild
U-Boot wird nahe Titanic-Wrack vermisst
Das U-Boot Titan ist auf dem Weg zur untergegangenen Titanic verschollen. © Dirty Dozen Productions/dpa
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt.
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt. © FP PHOTO / DIRTY DOZEN PRODUCTIONS / HANDOUT
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache, leitet die Suche nach dem verschwundenen U-Boot. Ein Wettlauf gegen die Zeit. © Joseph Prezioso / AFP
Karte wo das Tauchboot vermisst wurde
Die Trümmer des Tauchbootes auf dem Weg zur Titanic wurden gefunden. Eine Karte zeigt, wie nahe es dem versunkenen Schiff gekommen ost.  © Google/dpa
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes.
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes. © AFP PHOTO/DAWOOD HERCULES CORPORATION
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben.
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben. © imago
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks.
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks. © Paul Daly/dpa

Eine Rettung könnte schwierig werden - egal, ob das Boot noch unter der Wasseroberfläche ist oder bereits oben treibt. „Wenn ich davon ausgehe, dass das Tauchboot auf dem Grund liegt, dann muss man sich vorstellen, was da für Trümmer der „Titanic“ liegen“, sagte Fregattenkapitän a.D Jürgen Weber der dpa. „Das sind mit Sicherheit Teile, die größer sind als das Tauchboot, und da fällt es schwer, die richtigen Kontakte anzupingen.“ Und fügte an: „Selbst, wenn es an der Oberfläche treibt, ragen von einer Gesamthöhe von 2,80 Metern höchstens 80 Zentimeter aus dem Wasser. Das ist je nach Seegang kaum zu entdecken.“ Laut Investor Newman sei das Boot dafür konstruiert, wieder an die Oberfläche zu kommen. (dpa/kat)

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