Sauerstoff und zwei weitere Probleme für Titanic-Touristen - Vermisster sah einst „keinen schlechten Tod“
VonKathrin Reikowski
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Die Insassen der verschollenen „Titan“ könnten auch Probleme durch die Kälte bekommen: Davon sprach Titanic-Experte Nargeolet vor Jahren in Bezug auf ein anderes Boot.
Boston – Die Suche nach dem verschollenen tauchfähigen Boot „Titan“ geht unter Hochdruck weiter: Experten gehen davon aus, dass am Donnerstag (22. Juni) der Sauerstoff an Board zur Neige geht – alle die Hoffnung bei der Suche nach dem Boot auf Titanic-Mission schwindet. Doch außer knappem Sauerstoff könnten zwei weitere Probleme der Rettung der Insassen im Weg stehen. Eine Expertin hat erklärt, warum die Suche nach dem Touristenboot mehr Mitgefühl auslöst als das Bootsunglück im Mittelmeer, bei dem möglicherweise 100 Kinder mit ihren Müttern ertrunken sind.
An Bord der „Titan“ befindet sich auch der Forscher Paul-Henri Nargeolet (77). Der als „Monsieur Titanic“ bekannte Franzose gilt als einer der führenden Experten für das Wrack des Luxusliners. Er selbst hatte vor Jahren ein Interview gegeben, in dem er vor einer anderen Gefahr als dem Sauerstoffmangel warnte: Der Kälte, die unter Wasser herrscht. „Fünf Tage kann man überleben, wegen des Essens, dem Sauerstoff und all dem. Aber wir wussten immer, wir würden früher sterben, wegen der Temperatur.“
Tauchboot auf Titanic-Mission: Titan-Mitreisender sprach vor Jahren von anderer Todesgefahr
Paul-Henri Nargeolet, Forscher aus Frankreich gilt als einer der bekanntesten Experten für das Titanic-Wrack und ist einer der fünf Insassen an Bord des vermissten Tauchboots «Titan».
Allerdings bezog sich Nargeolet in dem Interview nicht auf die „Titan“, die derzeit bei ihrem Tauchgang verschollen ist, sondern auf ein anderes U-Boot. „Wenn nichts mehr läuft, haben wir zwar eine Ausstattung wie Decken, um uns warmzuhalten. Aber nach einer Weile stirbt man trotzdem an der Kälte“, sagte er. Die Lufttemperatur bei der Suchmission hatte vor einigen Tagen bei zehn Grad gelegen. „An Kälte zu sterben ist kein schlechter Tod, weil man einschläft und nicht leidet“, sagte Forscher Nargeolet vor Jahren. „Aber es ist uns nicht in den Sinn gekommen, dass das mal passieren kann.“
Die „Titan“ sei nur ein tauchfähiges Boot, kein U-Boot, das über eigene Ausrüstung verfügt, schreibt CNN. Sie braucht daher ein Schiff zur technischen Unterstützung an der Oberfläche. „In (Titan) gibt es eine Heizung, sodass es sich ein wenig erwärmen kann, aber das wird natürlich nicht ewig anhalten“, sagte Aaron Newman, ein OceanGate-Investor gegenüber CNN. „Es ist eng – nahe der Wasseroberfläche heiß und in der Tiefe fast eiskalt.“ Wenn das Tauchboot zu lange in tiefen Gewässern bleibt, könnte Unterkühlung ein Problem sein, sagte auch David Gallo, ein Berater für strategische Initiativen bei RMS Titanic. „Es ist wie ein Besuch auf einem anderen Planeten. Es ist eine sonnenlose, ewig kalte Umgebung – hoher Druck.“ Die Temperaturen in der Tiefsee liegen demnach knapp über dem Gefrierpunkt.
Tauchboot „Titan“: Weitere Hürde bei Rettung der Titanic-Touristen
Noch eine weitere Gefahr sprach Nargeolet in diesem Interview an. „Man kann an Board vier oder fünf Tage überleben“, sagte er. Schob dann allerdings lachend ein: „Was allerdings nicht viel hilft, weil niemand helfen kann.“ Auch das erweist sich jetzt als großes Problem: Selbst, wenn die Kapsel geortet wird, könnte eine Bergung einige Zeit in Anspruch nehmen. In der Nähe der „Titanic“ knapp 700 Kilometer südlich von Neufundland sind die Bedingungen schwierig. Auch die Anreise von spezialisierten Schiffen ist nicht einfach: Ein französisches Spezialschiff mit einem Tauchroboter an Bord wurde in der Nacht zum Donnerstag (MESZ) vor Ort erwartet. Auch die kanadische „HMCS Glace Bay“, die eine Dekompressionskammer und medizinisches Personal an Bord hat, war unterwegs in das riesige Suchgebiet. Die US-Navy schickte das Schiffshebesystem „Fadoss“.
Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer
Eine Rettung könnte schwierig werden - egal, ob das Boot noch unter der Wasseroberfläche ist oder bereits oben treibt. „Wenn ich davon ausgehe, dass das Tauchboot auf dem Grund liegt, dann muss man sich vorstellen, was da für Trümmer der „Titanic“ liegen“, sagte Fregattenkapitän a.D Jürgen Weber der dpa. „Das sind mit Sicherheit Teile, die größer sind als das Tauchboot, und da fällt es schwer, die richtigen Kontakte anzupingen.“ Und fügte an: „Selbst, wenn es an der Oberfläche treibt, ragen von einer Gesamthöhe von 2,80 Metern höchstens 80 Zentimeter aus dem Wasser. Das ist je nach Seegang kaum zu entdecken.“ Laut Investor Newman sei das Boot dafür konstruiert, wieder an die Oberfläche zu kommen. (dpa/kat)