VonPia Seitlerschließen
Ein leichteres Lehramtsstudium soll mehr Menschen an Deutschlands Schulen locken. Der ehemalige Lehrerverbandspräsident hat andere Vorschläge.
Der Lehrermangel wird bayerischen Gymnasien ab dem Schuljahr 2025/26 besonders stark treffen. Etwa drei Vollzeit-Lehrkräfte pro Gymnasium werden durchschnittlich fehlen, heißt es in einer Pressemitteilung des bayerischen Philologenverbands. Dass die Lage problematisch ist, da sind sich alle im Bildungsbereich einig. Diskussionen gibt es über die Lösungsmöglichkeiten.
Seiten- und Quereinsteiger sollen an den Schulen schnell gegen den Lehrkräftemangel helfen. In Bayern können dafür auch Personen ohne einen lehramtsbezogenen Studienabschluss den Vorbereitungsdienst absolvieren und Lehrerin oder Lehrer werden. Den Mangel können sie nicht allein beheben. Für eine langfristige Lösung muss das Studium und der Lehrerberuf attraktiver werden.
Von denjenigen, die sich bundesweit für ein Lehramtsstudium entscheiden, absolviert nur etwa die Hälfte das Referendariat. Wegen der hohen Abbruchquoten diskutieren Politiker und Verbände über eine Vereinfachung des Lehramtsstudiums. Die Delegierten der Referendar- und Jungphilologenvertretung in Bayern halten davon nichts. Für sie sind „Einsparungen an der Fachlichkeit die falsche Stellschraube“.
Einfachere Ausbildung hilft nicht gegen Lehrermangel, kritisiert ehemaliger Lehrerverbandspräsident
Heinz-Peter Meidinger, Ehrenpräsident des Deutschen Lehrerverbandes und Ehrenvorsitzender des Deutschen Philologenverbandes ist, wenn es um eine Vereinfachung des Lehramtsstudiums geht, „grundsätzlich skeptisch“, sagt er BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. „Die Lehrertätigkeit ist so anspruchsvoll, dass man unbedingt für eine gute Lehramtsausbildung sorgen muss“, sagt Meidinger.
Es nütze nichts, wenn die Ausbildung einfacher sei und dann viele den Praxistest nicht beständen und aus dem Schuldienst wieder aussteigen würden. Eine Vereinheitlichung, also, dass etwa Grundschul-, Realschul- und Gymnasiallehrkräfte weitgehend gleich ausgebildet werden, führe zu einem „Einheitslehrer“, der für keine Schulart spezifisch gut vorbereitet sei. Es schrecke junge Menschen ab, nicht zu wissen, in welcher Schulart sie landen. Ein duales Lehramtsstudium, womit einige Bundesländer experimentieren, sei keine Lösung, wenn die Fachlichkeit leide.
„Einbahnstraße“: Lehrerberuf muss attraktiver werden
Langfristig helfe gegen den Lehrermangel nur, den Beruf attraktiver zu machen. Dazu gehöre Meidingers Ansicht nach die Möglichkeit, in andere Berufsfelder wechseln zu können. „Viele Jugendliche könnten sich vorstellen, einen pädagogischen Beruf zu ergreifen, sie wollen sich aber nicht auf eine Einbahnstraße festlegen“, sagt der ehemalige Lehrerverbandspräsident BuzzFeed News Deutschland.
Das Lehramt würde attraktiver, wenn der Wechsel in die Wirtschaft und umgekehrt leichter wäre und Auslandsaufenthalte und Weiterqualifikationsphasen in die Lehrtätigkeit integriert werden könnten. Es brauche mehr „Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten“, sagt Meidinger. Es gehe auch um Entlastung von Verwaltungsaufgaben und um „mehr Zeit für Kinder“.
Junge Menschen würden bei der Berufswahl ein offeneres und mehr auf Eigenverantwortung und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten abgestimmtes Berufsfeld erwarten. „Meiner Meinung nach greifen deshalb viele aktuelle Reformvorschläge zu kurz und verfehlen den Kern des Problems“, sagt Meidinger.
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