Heftigster Stoß seit Jahren

Nahe Italiens Supervulkan: Erbeben am Vesuv schreckt Bewohner auf

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Am Fuß des Vesuvs hat sich ein Erdbeben ereignet - das stärkste seit Jahren. Die Nerven liegen in der Region schon wegen der Beben am Supervulkan der phlegräischen Felder blank.

Neapel - Seit vorigem Herbst erschüttert eine Serie von Erdbeben die phlegräischen Felder an der westlichen Stadtgrenze Neapels im Süden Italiens. Wissenschaftler befürchten einen Ausbruch dieses Supervulkans, der verheerend sein könnte. Ausgerechnet jetzt sorgt der Vesuv an der südlichen Stadtgrenze mit einem Beben für weitere Angst.

Die Neapolitaner saßen gerade beim Abendessen, als sich am Montag um 19.08 Uhr an den Hängen des Vulkanbergs in einem dicht besiedelten Gebiet in Neapels Vorstadtgemeinde Pollena Trocchia die Erde bewegte. Das Beben hatte eine Stärke von 3 auf der Richterskala und hatte sein Epizentrum in drei Kilometer Tiefe. Die Erdstöße waren laut ilmattino.it in einem Umkreis von 20 Kilometern in den angrenzenden Orten und in den südöstlichen Stadtteilen von Neapel zu spüren. Vielerorts flüchteten die Menschen aus Angst auf die Straße. Es wurden am Abend aber keine Schäden gemeldet.

Seit Wochen bebt es unter dem Krater des Vulkans

Das Erdbeben, das mehrere Sekunden dauerte, folgt von der Stärke her einem Erdstoß am Vesuv am 14. September 2023, als im Bereich des Kraters eine Erschütterung der Stärke 2,3 auftrat. In diesem Monat gab es bereits zwei Erschütterungen am 2. März mit einer Stärke von je 1,1. Am 5. März folgte ein Beben mit einer Stärke von 1,5. Am letzten Samstag gab es einen Erdstoß der Stärke 1,4.

Alle diese vorhergehenden Beben waren nicht besonders tief und fanden im Bereich des Kraters statt. Wissenschaftler führen das auf Senkungsbewegungen im Kraterbereich zurück. Nachwehen des letzten Ausbruchs des gefürchteten Vulkans am 18. März 1944. Trotz Evakuierung von 12.000 Menschen fanden damals 26 Einwohner den Tod, die Städtchen Massa di Somma und San Sebastiano wurden nahezu vollständig unter Lava begraben.

Im ersten Jahrhundert verursachte der Vesuv eine tödliche Katastrophe

Am bekanntesten ist jedoch der Ausbruch des Vesuvs im Jahre August 79 nach Christus, als die Städte Pompeji und Herculaneum und weitere Orte zerstört und verschüttet wurden, 4000 bis 5000 Menschen starben.  Diesem Ausbruch war 17 Jahre zuvor ein schweres Erdbeben vorausgegangen, das möglicherweise durch die Sackung einer Scholle des Herddaches des Vulkans oder das Aufreißen einer Spalte im Untergrund verursacht wurde.

Beim Ausbruch des Vesuv 79. n. Chr. kamen schätzungsweise bis zu 5000 Menschen ums Leben.In den Jahrhunderten danach bildeten sich Hohlräume, die in der Neuzeit durch Gips ausgefüllt wurden.

In den sozialen Netzwerken gehen die Neapolitaner sarkastisch mit der Sache um, sie stellen sich vor, dass „Seine Majestät“, der Vesuv, eifersüchtig auf die derzeit im Fokus stehenden phlegräischen Felder, zeigen wollte, wer das Sagen hat. „Wir müssen uns zwischen Vesuv oder Campi Flegrei entscheiden“, twittert ein User. „Nicht gut.“

Das stärkste Beben am Vesuv seit fast 25 Jahren

Tatsächlich bebte jetzt der Vesuv in einer Phase, als es in den phlegräischen Feldern ruhig war. Zuletzt bebte dort am Montagmorgen um 1.41 Uhr die Erde leicht. Auch in der Phase im November und Dezember, als der benachbarte Supervulkan vergleichsweise zurückhaltend war, wackelte der Vesuv. Seit Jahren hatte der Vesuv aber nicht mehr so stark gebebt, wie jetzt. Das stärkste Vesuv-Erdbeben, das jemals mit modernen Seismometern gemessen wurde, war das vom 9. Oktober 1999 mit einer Stärke von 3,6, das keine Schäden verursachte.

Der Großraum Neapel liegt zu Füßen des Vesuvs (im Hintergrund).

Nach 1944 wurden am Vesuv nur noch sporadische seismische Ereignisse registriert, bis 1964 die Häufigkeit von Erdbeben zunahm. Seit 1972 wird die seismische Überwachung des Vesuvs systematisch durchgeführt. In der „Roten Zone“ um den Vulkan mit der höchsten Gefährdungsstufe leben 600.000 Einwohner, 150.000 Menschen sollen in den nächsten 15 Jahren mit Hilfe von Umzugsprämien umgesiedelt werden.

Das gleiche Vulkansystem wie die phlegräischen Felder?

Der Vulkanologe Claudio Scarpati erklärte im Wissenschaftsmagazin GeoPop vor zwei Jahren, Tests an seismischen Wellen hätten das Vorhandensein einer Magmakammer entdeckt, die aus großer Tiefe in zehn Kilometern Tiefe beide Vulkane speisen würde. Die Analyse der in den beiden Gebieten vorhandenen Mineralien hat jedoch gezeigt, dass die beiden Systeme geochemisch unterschiedlich sind, und dies würde beweisen, dass es sich um zwei unterschiedliche Systeme handelt.

Der Vulkanausbruch am Vesuv ereignete sich 1944.

Wissenschaftler warnen davor, dass der Vesuv für einen neuen Ausbruch fällig sei - wie die benachbarten phlegräischen Felder. Es gibt Evakuierungspläne, viele zweifeln jedoch, dass diese in der Realität umzusetzen sind.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Pond5 Images

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