Beben und Bodenhebung

Island kommt nicht zur Ruhe – drei Vulkane machen sich für Ausbruch startklar

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Der Grimsvötn-Vulkan ist der aktivste Vulkan Islands. Er liegt unter einem Gletscher.
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Während bei Reykjavik ein neuer Ausbruch in der Vulkanspalte befürchtet wird, mehren sich auch bei zwei weiteren Vulkanen Anzeichen für bevorstehende Eruptionen.

Reykjavik – Der Grímsvötn ist einer der aktivsten Vulkane Islands. Er liegt im Südosten der Insel unter dem Gletscher des Vatnajökull. Der Vulkan hat zwei große Krater, einer hat einen Durchmesser von zehn Kilometern, in ihm befinden sich weitere kleinere Krater. Am Donnerstagnachmittag (4. Januar) wurden am Grímsvötn innerhalb einer Stunde sechs Erdbeben mit einer Stärke über eins gemessen. Der isländische Vulkanologe Thorvaldur Thórtharson glaubt, dass sich der Vulkan auf einen Ausbruch vorbereitet.

Island-Vulkan vor Eruption: „Ein Wunder, dass der Grímsvötn nicht längst ausgebrochen ist“

„Man muss sich wundern, dass er noch nicht ausgebrochen ist, denn normalerweise bricht der Grímsvötn alle zehn Jahre aus“, so Thórtharson zur isländischen Zeitung Visir. Der letzte Ausbruch des Grímsvötn fand 2011 statt. „Der Ausbruch damals war tatsächlich ungewöhnlich groß, darum hat der Vulkan vielleicht etwas länger gebraucht, um seine Reservoirs zu füllen.“ Die Alarmstufe für den Grímsvötn wurde vorübergehend von grün auf gelb angehoben. Einen Grund für Entwarnung sieht Thórtharson noch lange nicht. Die Frage, wie lange es bis zum nächsten Ausbruch dauert, beantwortet er so: „Ich denke Tage und vielleicht Wochen, aber nicht viel mehr.“

Die Eruptionen am Grímsvatn an sich sind normalerweise relativ klein. Aber Thórtharson warnt: „Sie beginnen mit einer ordentlichen Energiemenge und können eine Aschewolke verursachen, die sogar eine Höhe von dreizehn Kilometern erreicht.“ Der folgende Ascheregen würde sich auf den Gletscher selbst beschränken. Der Ausbruch des Gletschervulkans Eyjafjallajökull weiter östlich hatte 2010 für erhebliche Einschränkungen des Flugverkehrs über Europa und Nordamerika geführt. Es wurde befürchtet, dass Vulkanasche die Turbinen der Jets beschädigen und die Scheiben der Cockpits blind machen könnte.

Bei einem Ausbruch droht eine riesige Flutwelle mit zig Tonnen schweren Gletscherschollen

Ein weiteres Risiko sind Gletscherläufe, die ein Vulkan verursachen kann: Durch die heiße Lava schmelzen große Massen des Gletschereises, was zum rapiden Ansteigen der Flusspegel führt. Riesige Schollen von Gletschereis können als Eisschollen talwärts geschwemmt werden.  

Im November 1996 verursachte ein Gletscherlauf am Grímsvötn eine 600 Meter breite und vier Meter hohe Flutwelle, bis zu zehn Meter hohe Eisschollen mit einem Gewicht von mehreren hundert Tonnen zerstörten die Brücken der Insel-Ringstraße. Der Gesamtschaden lag bei zehn bis 15 Millionen Dollar. Auch der Ausbruch des Eyjafjallajökull 2010 verursachte einen Gletscherlauf, der im Vergleich zu dem am Grímsvötn klein war.

Südlich von Reykjavik hebt sich die Erde wieder bedrohlich

Auch der Vulkan südlich von Reykjavik, der im Dezember bereits einmal ausgebrochen war, sorgt für Besorgnis: Auf der gesamten Länge des Magmaganges, der sich im November gefüllt hatte und wo sich im Dezember eine Vulkanspalte öffnete, hebt sich der Boden. Die Bodenhebung beschleunigte sich seit der Wochenmitte sogar deutlich. Vulkanologen rechnen damit, dass sich wieder in der Höhe der Magmaspalte, die sich am 18. Dezember eröffnet hatte, der neue Ausbruch ereignen wird.

Damit wäre die benachbarte Fischerstadt Grindavik, das Geothermiekraftwerk und das erst wieder geöffnete Thermalbad der Blauen Lagune im benachbarten Svartsengi, nicht gefährdet. Mittelfristig wird jedoch mit vermehrter vulkanischer Aktivität auf der gesamten Halbinsel Reykjanes gerechnet, an deren Rand die Hauptstadt Reykjavik liegt.

Auch im Norden Islands macht ein riesiger Vulkan wieder auf sich aufmerksam

Laut Vulkane.net wird auch in der Askja-Caldera im Norden Islands – einem beliebten Ausflugsziel von Urlaubern – neue Vulkanaktivität registriert: Demnach hob sich dort der Boden seit Juli 2022 um gut 70 Zentimeter. Die Gesamthebung sei somit in etwa doppelt so hoch wie bei Svartsengi. 

Einer der Krater des Askja-Vulkansystems im Norden Islands.

Zwischen 1875 und 1930 ereignet sich in der Askja-Region eine heftige, teils explosive Ausbruchsserie, die „Askja-Feuer“. Der Ascheregen zwang viele Bewohner der Küste östlich zur Auswanderung. In den 60er Jahren gab es eine kleinere Ausbruchsserie. Um die letzte Jahrhundertwende sank der Krater ein, seit 2007 weisen Erdbeben auf das Wiederauffüllen der Magmakammer in drei Kilometern Tiefe hin.

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