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Ohne Schuhe und in Jeans ist ein Österreicher auf einen Klettersteig im Salzkammergut gegangen. Als ein Gewitter über ihn hereinbrach, half ihm nur noch die Bergrettung.
Gmunden – Der 1691 Meter hohe Traunstein am Traunsee im österreichischen Salzkammergut scheint auf den ersten Blick kein Bergriese zu sein. Doch seine beinahe senkrecht abfallende, mehr als 1250 Meter hohe, Westflanke ist durchaus eine Herausforderung für Alpinisten. Mehrere Kletterrouten und Kletterstiege führen auf den Gipfel, der seine Beklimmer mit einer atemberaubenden Aussicht verwöhnt.
Schwierige Route am Traunstein in Österreich: Eine 1250 Meter Wand fällt beinahe senkrecht zum Traunsee ab
Besonders beliebt ist der Naturfreundesteig auf den Gipfel, ein Klettersteig, für den gut trainierte Bergfreunde dreieinhalb Stunden benötigen. Über Klammern und Seile, eine lange Aluleiter und eine in den Fels eingelassene Schrägtreppe geht es nach oben. „Neben ausreichender Kondition ist auch Trittsicherheit und Schwindelfreiheit vonnöten“, schreibt das Portal bergsport-erlebnis.at. Klettersteigausrüstung und Helm wird dringend empfohlen. Festes Schuhwerk ist im Gebirge immer selbstverständlich. Was nirgends steht: Der Weg durch den Dolomitfels führt über scharfe, spitze Felskanten und raues Wurzelwerk. Angesichts des vieles Metalls ist ein Aufenthalt bei Gewitter dort lebensgefährlich, da es die Blitze anzieht.
Andere Bergsteiger rieten Barfußwanderer von Klettersteig am Traunstein ab
Das alles hielt aber einen 44-jährigen Bergsteiger aus dem oberösterreichischen Innviertel nicht davon ab, sich am Dienstag um 11.30 Uhr auf den Weg zu machen, um den Naturfreundesteig ohne jegliches Schuhwerk und die notwendige Ausrüstung zu besteigen. Barfußbergstiegen ist zwar eine Disziplin, die wenige erfahrene und hartgesottene Alpinisten beherrschen, dabei ist aber die Planung das A und O.
So benötigte der 44-Jährige aus Eberschwang (Bezirk Ried im Innkreis), der sich schon spät auf den Weg gemacht hatte, mehr als die doppelte Zeit wie üblich. Nach sieben Stunden stand er am Gipfel, berichtet die Bergrettung Gmunden. Sein Plan war, über den ebenfalls anspruchsvollen und sehr steinigen Hernlersteig abzusteigen, der durch Rinnen und über Grate führt. Andere Bergsteiger rieten ihm aber davon ab.
Auch beim Abstieg wollte der Barfußalpinist keine Schuhe anziehen
Nach einer kurzen Rast wollte er dann über den einfacheren Mairalmsteig absteigen. Dort wurde er dann von einem Gewitter überrascht. Gegen 21 Uhr kam er beim sogenannten Bründl nicht mehr weiter. Völlig durchnässt und unterkühlt alarmierte er die Bergrettung. Sechs Alpinpolizisten und Bergretter kamen ihm zu Hilfe.
Stefan Oberkalmsteiner, Ortsstellenleiter der Bergrettung Gmunden, spricht im ORF von einem schwierigen Einsatz: „Die Wetterbedingungen waren ein Wahnsinn. Es war lebensgefährlich. Der Mann wollte keine Schuhe anziehen. Er sei ein Barfußwanderer, sagte er.“ Auch für die Retter war der Einsatz nicht ungefährlich, betont Oberkalmsteiner. Da der Mann keine Schuhe anhatte, war der Abstieg zeitraubend. Erst gegen Mitternacht waren alle wieder wohlbehalten im Tal.
Verwegene Touren sorgten in den vergangenen Tagen bereits mehrfach für Todesfälle: In Tirol stürzte ein junger Mann in den Tod, der free solo, also ohne Seil und alleine kletterte. Bei Berchtesgaden in Oberbayern hatte ein US-Student offenbar einen bei Google eingezeichneten, aber nicht mehr existierenden Wanderweg genutzt und stürzte am Königssee in den Tod. Am Großglockner stürzte auf der Osttiroler Seite ein junger Skibergsteiger in den Tod, der ebenfalls alleine unterwegs war. An der Zugspitze rauft sich die Ehrwalder Bergrettung seit Wochen die Haare, da Hobby-Alpinisten leichtsinnig unterwegs sind.
Rubriklistenbild: © Bergrettung Gmunden/Facebook



