Aerosolwolke erwartet

Waldbrände in Kanada wüten weiter – Rauchwolke zieht nach Europa

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Die Folgen der Waldbrände in Kanada könnten auch in Deutschland spürbar werden. Eine Rauchwolke nähert sich Europa. Fachleute erwarten höhere Feinstaubwerte.

Montreal/Leipzig – In Kanada brennen noch immer große Waldflächen. Zum großen Teil sind diese Feuer außer Kontrolle: Über 450 aktive Flächenbrände wüten derzeit in dem nordamerikanischen Land., die große Mengen an Rauch produzieren. Von der kanadischen Umweltbehörde wurden deshalb für die Stadt Montreal in Quebec sowie für viele andere Regionen Smog-Warnungen herausgegeben. Die Rauchwolke zieht in diesen Tagen über den Atlantik und erreicht Europa.

Die Folgen der verheerenden Brände werden also auf dieser Seite des Atlantiks zu spüren sein. Deutsche Wissenschaftler bemerken sie schon seit längerem. „Wir messen über Leipzig bereits seit Mitte Mai solche Rauchfahnen!“, sagt Dr. Albert Ansmann vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung im Gespräch mit IPPEN.MEDIA.

Waldbrände in Kanada lodern weiter – Rauchwolke erreicht in diesen Tagen Europa

Und auch Messungen des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus zeigen deutlich: Eine große Aschewolke bewegt sich mit dem Jestream über den Atlantischen Ozean. Und sie kommt auf Europa zu. Im Laufe der Woche – voraussichtlich Mittwoch (28.Juni) – wird sie auf das Festland treffen. Fachleute rechnen in der Folge mit einem Anstieg der Feinstaubbelastung in Europa.

Rauchschicht über Leipzig in der mittleren und höheren Troposphäre 15.05.2023

Der Teil der Wolke mit den meisten Partikeln wird den Modellierungen zufolge an der nordwestlichen Iberischen Halbinsel und Irland ankommen. Doch ihre Ausläufer können auch bis nach Deutschland reichen.

Waldbrände in Kanada: In Europa bald so dicker Nebel wie in New York?

Werden wir also auch hier bald ähnlich apokalyptische Bilder sehen, wie sie zuletzt aus New York kamen? Der Himmel in der Metropole hatte sich durch die Feuer zeitweise orange verfärbt, was in der Stadt für eine beklemmende Atmosphäre sorgte. „Mars oder Manhattan?“, hatten einige Einwohner in den sozialen Netzwerken gescherzt.

Doch die Situation war durchaus ernst: Die Menschen in New York sollten in ihren Häusern bleiben und die Fenster geschlossen halten. Veranstaltungen im Freien wurden abgesagt. Aus Angst um ihre Gesundheit griffen viele Menschen wieder zu Schutzmasken. Denn Feinstaub ist eine gesundheitliche Gefahr. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnte daher auf Twitter auch vor möglichen Risiken durch die Schadstoffe aus Kanada, die vom Jetstream über den Atlantik nach Europa transportiert werden.

Gesundheitsminister warnt vor gesundheitlichen Risiken durch Rauchwolke aus Kanada

Wird es also auch in Europa bald Smog-Alarm wegen der Aerosolwolke aus Kanada geben? Der Experte Ansmann rechnet nicht mit Einschränkungen. „Gesundheitliche Konsequenzen – also wie in New York vor ein paar Wochen – kann man über Europa ausschließen“.

Denn: „Der Rauch befindet sich vor allem oberhalb der Grenzschicht, also oberhalb von 1500 Metern Höhe. Auf dem Weg über den Atlantik wird die Luft unterhalb von 1500 Metern gereinigt – durch Wolken und Niederschlagsbildung“, erklärt er auf Anfrage von IPPEN.MEDIA.

Smogalarm in Europa eher unwahrscheinlich – sagt Experte

Zu leichten Eintrübungen des Himmels könne es trotzdem auch in Deutschland kommen, denn: „Oberhalb davon kommt ... eine Menge des Rauchs an. Der wurde dann also nicht durch Wolken und Niederschlag ‚ausgewaschen‘“, sagt Ansmann. Es könne in den kommenden Tagen vorübergehend etwas diesiger werden, erklärt Frederik Raff vom ARD-Wetterkompetenzzentrum am Montagnachmittag (26. Juni) dem Westdeutschen Rundfunk (WDR).

Die Trübung wird aber bei Weitem nicht so stark ausfallen wie zuletzt in den USA.

Mit einem trüberen Himmel durch die kanadischen Waldbrände wird gerechnet

Neu sei bei der Wolke aus Kanada aber, dass der Rauch teilweise auch in zehn bis zwölf Kilometern Höhe zu finden ist, erklärt der Experte Ansmann. Das sei vor allem auch aus wissenschaftlicher Sicht interessant, da dadurch noch ein weiteres Phänomen am Himmel verstärkt auftreten könnte: Zirrus-Wolken.

Diese undatierte Luftaufnahme zeigt Waldbrände in der nordöstlichen Region von British Columbia.

Die durch Waldbrände ausgelösten Aerosole in der Atmosphäre begünstigen offenbar deren Entstehung, da die Partikel als eine Art „Kern“ fungieren, um den herum sich die Wolken bilden. Diesen Aspekt konnte Ansmann zusammen mit einem Team aus weiteren Forschenden in einer im Mai veröffentlichten Studie herausarbeiten.

Feinstaubpartikel durch Waldbrände begünstigen die Entstehung von Wolken

Das bedeutet: Mehr Rauchpartikel führen offenbar zu mehr Wolken am Himmel. Und je nachdem, wie diese aufgebaut sind, können sie einen Einfluss auf die Temperaturen an der Erdoberfläche. In ihrer typischen Form als deutlich sichtbare Wolken haben sie einen eher kühlenden Effekt, da sie die Sonneneinstrahlung in Richtung Kosmos reflektieren. Fallen sie dagegen sehr dünn aus, sodass sie kaum sichtbar sind, geht ein eher wärmende Effekt von ihnen aus, da sie die Sonnenstrahlung näher an der Erdoberfläche halten.

Klimatische Folgen der Waldbrände bleiben abzuwarten

Wie sich das klimatisch genau auswirkt, ist aber noch nicht klar. „Im Grunde sollten die rauchinduzierten Zirren eher abkühlen“, vermutet Ansmann. „Aber das ist alles Neuland.“

Ein weiterer interessanter Aspekt, den es zu beobachten gilt, ist, wie sich die Feinstaubbelastung entwickelt, wenn es auch in Deutschland zu größeren Waldbränden kommt. Diese stoßen ebenfalls Rußpartikel aus, die zu der Wolke aus Kanada noch hinzukommen. Es könnte dann zu einer gegenseitigen Verstärkung kommen, sodass die Belastung ungewöhnlich hoch ausfällt. Doch auch das bleibt noch abzuwarten.

Rubriklistenbild: © BC Wildfire Service/dpa

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